Teilöffnung des einstigen Stadtbades Lichtenberg wahrscheinlich 2019

Auf geht’s Hubertusbad!

30.05.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Wer hätte das gedacht? Es gibt erfreuliche Neuigkeiten bezüglich des seit nunmehr 27 Jahren geschlossenen Stadtbades Lichtenberg, im Volksmund Hubertusbad genannt: 2019 könnte es eine sogenannte „Aktivierungsnutzung“ geben. Dahinter verbirgt sich nicht mehr, aber auch nicht weniger als eine Teilöffnung des Gebäudekomplexes für Veranstaltungen, aus der auch etwas Größeres entstehen kann, wahrscheinlich jedoch kein Bad mehr. Angesichts der vielen gescheiterten Versuche, Investoren für die Sanierung und Nutzung zu finden, eine kleine Sensation.

Vorbereitende Maßnahmen zur Teilöffnung

Johanna Steinke, Pressesprecherin der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), der das Objekt gehört, sagt, ein konkretes Datum für die Teilöffnung könne sie noch nicht nennen. Noch in diesem Jahr werde es erste Maßnahmen geben, um den Verfall zu stoppen und insbesondere die Fassade an der Haupteingangsfront zu sichern. Für Anfang 2019 sei die Einrichtung eines barrierefreien Zugangs geplant. „Wir haben nicht das Geld, alles zu sanieren, deshalb wird im Innenbereich zunächst optisch nicht so viel passieren“, sagt die BIM-Sprecherin. Aber selbstverständlich würden einige der Sanitäreinrichtungen wiederhergestellt, die vorgeschriebenen Fluchtwege eingerichtet und auch eine Küche soll es geben, mit der zumindest die Versorgung über einen Caterer möglich ist. Das Ganze soll in einer der beiden Schwimmhallen Veranstaltungen mit bis zu 200 Personen ermöglichen, wahrscheinlich in der etwas kleineren, einstigen Frauenschwimmhalle. Betrieben werden könnte das kleine Refugium dann von der BIM-Eventvermietung, so Johanna Steinke.

Nach dem 2016 gescheiterten Wettbewerblichen Dialogverfahren zum Verkauf des Objektes, hatte die BIM entschieden, das ehemalige Stadtbad Lichtenberg im Landesbesitz zu belassen und zu entwickeln. „Das war der Schlüssel für eine neue Herangehensweise unsererseits“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Bezirksamt für öffentliche Nutzung

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) ist ebenso überrascht wie begeistert: „Ich hätte nicht gedacht, dass die BIM jetzt so schnell ist und bin nun auch positiv gestimmt“, sagt er gegenüber LiMa+. „Das Bezirksamt hatte sich 2016 dazu bekannt, dass es für eine öffentliche Nutzung ist.“ 2017 fand dann ein Workshop mit Vertretern der BIM, vom Förderverein für das Stadtbad Lichtenberg e.V., aus den Ämtern und mit verschiedenen Akteuren statt. Dort wurde erörtert, wie ein mögliches Nutzungskonzept aussehen könnte. Heraus kam ein Drei-Stufen-Modell zur schrittweisen Wiederbelebung des Komplexes: Der Aktivierungsnutzung mit Initiativen und Vereinen, der niederschwelligen Zwischennutzung durch Kulturschaffende und Kreativkünstler – und als dritten Schritt, der langfristigen Mischnutzung durch die Kultur- und Kreativwirtschaft.

Wenn es für Teilbereiche wirtschaftlich tragfähige Ideen gebe, die für den Stadtraum positive Wirkungen hätten, dann werde man sich auch dem nicht verschließen. Mischnutzungen seien denkbar, wenn es baurechtlich und denkmalschutzrechtlich ginge, so Michael Grunst. Wichtig sei seiner Meinung nach , dass sich die Nutzungen der Grundidee zuordnen lassen, das ehemalige Stadtbad zu einem Begegnungshaus zu machen. Zum Beispiel wolle man auch mit dem benachbarten Sana Klinikum Lichtenberg wieder ins Gespräch kommen zur eventuellen Nutzung von Räumlichkeiten für medizinische und oder pflegerische Behandlungen. Die Pressesprecherin der Sana Kliniken Berlin-Brandenburg GmbH, Britta Frischemeyer, teilte LiMa+ auf Anfrage mit: “Als direkte Nachbarn und stetig wachsendes Krankenhaus bringen wir uns bei Bedarf gerne in die Überlegungen zur Nutzung ein.”

Der Förderverein für das Stadtbad verfolgt immer noch die Idee einer erneuten Schwimmbad-Nutzung. „Ob das irgendwann erreicht wird, weiß ich nicht“, erklärte der Bürgermeister. Die Federführung liege jetzt bei der BIM.

Zehn-Jahres-Perspektive

Mit dem ersten Schritt der Aktivierungsnutzung werde nun erst einmal der jahrelangen Forderung vieler Lichtenbergerinnen und Lichtenberger nach einer Öffnung des Hauses entsprochen. „Nicht nur am Tag des offenen Denkmals, wo dann mal 60 Leute durchgehen dürfen“, sagt der Bürgermeister, der zugleich auch Kulturstadtrat ist. Es sei natürlich eine ziemliche Herausforderung, das 90 Jahre alte, einstige Bad neu zu entwickeln. Es gebe Riesen-Erwartungshaltungen und der Denkmalschutz sei auch zu beachten. Die Wiedernutzung ist langfristig angedacht. „Selbst, wenn hier zehn Jahre vergehen, um das Haus immer weiter wieder in Betrieb zu nehmen, dann ist das zumindest eine Perspektive. In den vergangenen 27 Jahren war es ja zu.“

Der Prozess könnte sich aber auch dynamisieren, ist der Chef des Bezirksamtes überzeugt. Durch die Veranstaltungen der Aktivierungsnutzung denken vielleicht noch mehr Lichtenberger über die Zukunft des einstigen Stadtbades nach und entwickeln neue Ideen. Eines scheint schon festzustehen: Es wird auf alle Fälle eine spannende Wiedereröffnung geben.

Rückblick

Nachdem Das Hubertusbad wegen gravierender Havarien und mangelnder Gelder zur Instandsetzung 1991 gänzlich geschlossen worden war, verfiel es im Laufe der Jahrzehnte immer mehr. Potenzielle Investoren schreckten angesichts der Größe, des Sanierungsaufwandes und wegen der denkmalschutzrechtlichen Auflagen immer wieder vor einem Kauf zurück. Vor knapp sechs Jahren wurden die Sanierungskosten für das komplexe Gebäude auf dem 4.200 Quadratmeter großen Grundstück auf über 20 Millionen Euro geschätzt. Angesichts gestiegener Baupreise und mangelnder Baukapazitäten dürfte der Preis heute um einiges höher sein.

LiMa+ berichtete mehrfach:
“Das verfallende Juwel”
“Hubertusbad seit 23 Jahren zu”
“Stadtbad und (k)ein Ende?”
“Ausschreibung Hubertusbad gestartet”
“Gute Nacht Hubertusbad”

 

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