Ausstellung „Architektur für Soziales“ im Rathaus Lichtenberg

Gute Mischung erforderlich

23.01.2018, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich (1, 3-6), Barbara Breuer (2,7)

Lichtenberg. Noch bis zum 9. Februar 2018 ist im Ratssaal des Lichtenberger Rathauses an der Möllendorffstraße 6 die Ausstellung „Architektur für Soziales“ zu sehen. Sie zeigt 24 Beispiele für neue Konzepte moderner Sozialbauten des renommierten Berliner Architekten Eckhard Feddersen. Er hatte 2016 den Otto Mühlschlegel-Preis der Robert Bosch-Stiftung erhalten. Seit mehr als 40 Jahren liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit auf Sozialbauten für Senioren, Kinder und Behinderte, seine Bücher über das Wohnen im Alter und über Architektur für Demenzkranke gelten als Standardwerke.

Schöne Dinge auch mit wenig Mitteln

2014 hat Feddersen sein Büro an jüngere Mitarbeiter übergeben, zur Ruhe gesetzt hat er sich deshalb aber noch nicht. Als er einige seiner Projekte im Lichtenberger Rathaus vorstellte, waren die Hingabe und die Begeisterung für sein Anliegen deutlich zu merken. Feddersens Credo: Architektur soll möglichst allen Nutzern ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Das ist leichter gesagt als getan, denn „soziales Bauen bedeutet Umgang mit wenig“, wie er verschmitzt bemerkte, „aber mit Lust und Leidenschaft man kann auch mit knappen Mitteln schöne Dinge schaffen.“ Als er Anfang der 1970er-Jahre begann, Gebäude für behinderte Menschen zu entwerfen, wurden diese noch in Anstalten untergebracht, „es wurde kaserniert gebaut“, wie er es ausdrückte. Eines seiner ersten Projekte war deshalb ein Musterdorf, in dem die Bewohnerinnen und Bewohner frei und offen leben können. Viel Geld gab es schon damals nicht, „deshalb haben wir uns die Ideen zusammengeklaut, in Dänemark, den Niederlanden, in der Schweiz. Lernen von den Besten, das war schon immer meine Devise“, sagte der Architekt.

Passgerecht und barrierefrei

Wohnungsbau muss für alle passgerecht und barrierefrei sein, hob Feddersen hervor. So gibt es beispielsweise an einem von seinem Büro umgebauten Haus für junge Leute in Hellersdorf auch eine Rampe am Eingang. Er plädierte dafür, dass Heime für pflegebedürftige Menschen und insbesondere Tagespflegestellen nicht abseits stehen, sondern in die Wohngebiete integriert werden sollten, mit Geschäften, Arztpraxen und Kultureinrichtungen in der Nähe. So könnten auch Demenzkranke in ihrer gewohnten Umgebung wohnen bleiben. Das Hervorheben von Behinderung, gleich welcher Art, sei das Schlimmste, was man machen könne, betonte er. An Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke), der zur Ausstellungseröffnung gekommen war, richtete Feddersen die Aufforderung: Fragen Sie immer Bauherren, ob sie eine Tagespflegestelle oder eine Kita eingeplant haben. Viele Investoren hätten inzwischen die Notwendigkeit eingesehen, solche Einrichtungen bereitzustellen. Die Bezirke und der Senat tragen die Verantwortung für eine gute städtebauliche Mischung, appellierte der Architekt.

Gewährleistung sozialer Teilhabe

Die Berliner Volkssolidarität sieht die gemeinsam mit dem Bezirksamt konzipierte Ausstellung „Architektur für Soziales“ als Beitrag zur Diskussion um die Berliner Stadtentwicklung und damit zur weiteren Gestaltung der sozialen Infrastruktur der Stadt, betonte Dr. Heidi Knake-Werner, Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes Berlin der Volkssolidarität. „Bei all den Anstrengungen des Berliner Senats, bezahl- und bedarfsgerechten Wohnraum zu schaffen, müssen die Gesamtheit der sozialen Lebenswirklichkeit und die Bedürfnisse der Berliner im Zentrum stehen. Die Arbeiten Eckard Feddersens weisen Wege, wie Politik und Bauherren diesem Anspruch gerecht werden können. Seine Bauten haben generationenübergreifenden Charakter und die Gewährleistung sozialer Teilhabe älterer Menschen und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz zum Ziel“, sagte Knake-Werner. Michael Grunst sagte, dass er sich auf gemeinsame Debatten zu diesem wichtigen Anliegen der sozialen Stadtentwicklung freue.

 

 

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