Der Bau der Ortsumfahrung Ahrensfelde wird konkret, doch:

Anwohner lehnen Planungsvariante ab

17.01.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Ahrensfelde/ Marzahn-Nord. Groß war das Interesse sowohl in Ahrensfelde als auch in Marzahn-Nord an der Einwohnerversammlung am Mittwoch, 15. Januar. Nadja Zivkovic (CDU), Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen von Marzahn-Hellersdorf, und der Ahrensfelder Bürgermeister Wilfried Gehrke (CDU) hatten gemeinsam zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Einziges Thema: Die Ortsumfahrung Ahrensfelde der Bundesstraße B158. Mehrere hundert Einwohner waren in das Gemeindezentrum nach Ahrensfelde gekommen. Der Saal war nicht groß genug, viele Besucher mussten stehen.

Das Geld für die Planung und den Bau ist da

Vertreter des Bundesverkehrsministeriums und der Landesbehörden von Brandenburg und Berlin informierten über das Vorhaben und den Stand der Planungen. Die scheinbar gute Nachricht entpuppte sich als die schlechte Nachricht für viele Einwohner von Marzahn und Ahrensfelde. Das Bundesverkehrsministerium verfügt plötzlich über sehr viel Geld und will damit Verkehrsprojekte bauen, die seit vielen Jahren ruhen. Dazu gehört auch die Ortsumfahrung Ahrensfelde (LiMa+ berichtete). Doch die geplante Variante stößt nach wie vor auf große Ablehnung.

Trogvariante entlang der Klandorfer Straße

Zunächst erklärten die Vertreter der Planungsbüros des Bundes und der Länder, was genau zwischen Marzahn und Ahrensfelde gebaut werden soll. Demnach ist vorgesehen, die Ortsumfahrung Ahrensfelde von der Märkischen Allee bis zur Autobahn in teilweise gedeckelter Trogvariante auszuführen.

Neue Kreuzung am Bahnhof Ahrensfelde

Direkt am Bahnhof Ahrensfelde wird nach den derzeitigen Plänen die neue Kreuzung für die Ortsumfahrung entstehen. Die Märkische Allee soll, von Süden kommend, vierspurig neben dem dreistöckigen Gebäude der Jugendfreizeiteinrichtung (JFE) Uno der pad gGmbH, Märkische Allee 414, vorbeigeführt werden, um dann nördlich des Hauses durch den derzeitigen Garten in einer Rechtskurve Richtung Osten in die Klandorfer Straße zu münden. Dabei wird die Straße zur Einfahrt in den Trog abgesenkt. (Bild 2)

Parkplätze im Wohngebiet fallen weg

Die Fahrspuren aus Richtung Falkenberg/Hohenschönhausen kommen vom Bahnübergang und biegen dann ebenfalls nördlich der JFE in die Klandorfer Straße. (Bild-1). Durch den Bau werden die Wohngebietsparkplätze vor den Sechsgeschossern an der Klandorfer Straße 18 – 30 entfallen. Mit dem Kreuzungsbauwerk entfällt auch der derzeitige P+R-Parkplatz vor der Märkischen Allee 414. Gerade dieser Parkplatz ist ständig überfüllt mit Pkw von Autofahrern, die von dort in die S-Bahn oder in die Regionalbahn umsteigen.

Trog mit Deckel vor dem Wohnhaus

Nördlich vor dem Wohnblock, Klandorfer Straße 18-30, verläuft dann der gedeckelte Trog. (Bild 3) Über 150 Meter bekommt die vierspurige Straße hier einen Deckel, der aber immer noch rund 3 Meter aus dem jetzigen Straßenniveau herausragt. Hinter dem Wohnblock, weiter Richtung Osten, wird die Straße offen verlaufen. Dort sind Lärmschutzwände vorgesehen. (Bild 5).

Grundstückszufahrten ungeklärt

Probleme werden sicher auch die Ahrensfelder Hausbesitzer nördlich der Klandorfer Straße bekommen, denn ihre einzigen Grundstückszufahrten befinden sich dann direkt an der Umfahrungsstraße. Wie es scheint wurde das bisher nicht berücksichtigt.

Wendeschleife der Straßenbahn im Weg

Im weiteren Verlauf geht es dann bis zur Wendeschleife der Straßenbahnen 16 und M8. Dort müssen die Gleise verlegt werden. Wie das passieren soll und wo dann Platz für die Straßenbahn ist, darüber gab es keine Informationen (Bild 6).

Eine weitere große Kreuzung

Die Ortumfahrung überquert anschließend die Feldstraße/Schorfheidestraße. Letztere muss tiefer gelegt werden, damit die Umgehungsstraße mit einer Brücke über diese Verbindung zwischen Marzahn und Ahrensfelde geführt werden kann. Ab der Feldstraße führt die Ortsumgehung über den grünen Acker bis zur jetzigen Einmündung der Landesstraßen L 339/L 311 nach Eiche und Mehrow. Dort soll ein riesiges Kreuzungsbauwerk entstehen. Dann geht es weiter bis zur Kreuzung am Gewerbegebiet (Rehhahn) und von dort zur Autobahnauffahrt.

Baubeginn wohl nicht vor 2025

Das Planfeststellungsverfahren soll Ende des Jahres 2020 abgeschlossen sein. Es folgt ein weiterer Planungsabschnitt, bei dem auch die Vorstellungen der Einwohner mit berücksichtigt werden sollen. Danach wird es wohl noch zwei bis drei 3 Jahre dauern. Nach vorsichtigen Prognosen wird der Baubeginn nicht vor dem Jahr 2025 sein.

Die Verkehrsplaner gehen heute von 40.000 Fahrzeugen täglich aus, die durch Ahrensfelde fahren. Der Fahrzeugstrom wächst in den kommenden Jahren noch, wenn die Osttangente (TVO) über die Märkische Allee geführt wird.

Staugefahr durch geschlossene Schranke

Der Ahrensfelder Bürgermeister Wilfried Gehrke machte noch auf ein weiteres Problem aufmerksam: Künftig soll die Regionalbahn je Richtung zweimal pro Stunde fahren. Das bedeutet, dass der Bahnübergang viermal pro Stunde geschlossen wird. Das kann zu einem erheblichen Rückstau in Richtung Hohenschönhausen führen.

Einwohner gegen die aktuelle Variante

In der Diskussion meldeten sich vor allem Vertreter der Bürgerinitiativen aus Marzahn und Ahrensfelde zu Wort. Sie warfen den Planungsbehörden Steuerverschwendung vor. Schon vor zehn Jahren sei klar gewesen, dass die Einwohner weder in Marzahn noch in Ahrensfelde für die aktuelle Variante sind. Erneut machten die Bürger deutlich, dass sie zwar eine Ortsumfahrung wollen, aber die jetzigen Planungen nicht ihren Vorstellungen von einer wirklichen Ortsumfahrung entsprechen. Bisher seien alle Einwände der Bewohner ignoriert worden. Seit über einem Jahrzehnt hätten sie ihre Meinungen schriftlich bei den unterschiedlichen Behörden abgegeben, aber bisher noch keine Antworten erhalten.

Zweifelhafte „Friss oder stirb“-Methode

Der Vertreter des Verkehrsministeriums sagte, dass entweder die vorgestellte Variante gebaut werde oder gar nichts. Das war deutlich. Nach wie vor ist ein Abbruch der aktuellen Planungsverfahren nicht in Sicht. Alles läuft weiter, trotz der großen Widerstände. Kein Wunder also, dass es für viele Betroffene wie eine Farce klang, dass die Einwohner in den kommenden Planungsverfahren weiter Gelegenheit bekommen sollen, ihre Meinungen mit einzubringen.

So warfen denn auch Vertreter der Bürgerinitiative aus Marzahn-Nord den Planungsbehörden vor, den Willen der Bevölkerung zu ignorieren. Vertreter der Ahrensfelder Bürger bezeichneten die jetzige Planung als „tolles Beispiel, wie Politik am Willen der Bevölkerung vorbei geführt wird.“


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden