Hoffnung für die verwahrloste Kaufhalle Wartenberger Straße

Neubau geplant

16.12.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Hohenschönhausen. Graffiti-Sprayer haben ganze Arbeit geleistet: Von den Scheiben der 1977 eröffneten Kaufhalle in der Wartenberger Straße ist nichts mehr zu sehen. An einigen Stellen hängen große Veranstaltungsplakate, vor dem einstigen Haupteingang liegt das Laub der vergangenen Wochen. Das eingeschossige Gebäude bietet keinen schönen Anblick, seit dort 2009 für immer die Lichter ausgingen. Bis zum Fall der Mauer deckten sich die Kiez-Bewohner dort mit sogenannten Waren des täglichen Bedarfs ein, später übernahmen westdeutsche Supermarktketten den Standort. Weil der Umsatz aber nicht stimmte, zogen sich die Betreiber zurück. Kurze Zeit mietete sich ein Anbieter von tiefgefrorenen Lebensmitteln ein, bis auch dieser schließlich mangels Kunden aufgab. Im Einzugsbereich wohnten schlichtweg zu wenige Menschen, um mit Einzelhandel Geld zu verdienen.

Immer mehr Zuzug

Seit einigen Jahren jedoch verändert sich der Kiez rasant: An der Stelle des einstigen Amtsgerichts Hohenschönhausen ist eine Wohnanlage mit 700 Wohneinheiten entstanden, im benachbarten Mühlengrund werden 1.200 neue Wohnungen gebaut und in absehbarer Zeit entsteht an der Ecke Rhinstraße und Wollenberger Straße gleich ein ganzes Stadtviertel mit etwa 6.500 Wohnungen. Allein zwischen 2011 und 2017 verzeichnet der Kiez „Alt Hohenschönhausen-Nord“ einen Bevölkerungszuwachs von 25 Prozent. Das hat Anwohner Klaus Ehlert ermittelt, der sich mit acht weiteren Nachbarn im örtlichen Kiezbeirat engagiert. Umgerechnet ergebe das eine Zuwanderung von 2.300 Menschen. Werden alle Bauvorhaben wie geplant realisiert, ziehen bis zu 10.000 Menschen in den Kiez. Der ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Wer allerdings einkaufen möchte, muss sich in die Straßenbahn setzen.

Unterschriftensammlung zur Reaktivierung des Einzelhandels

Bereits vor mehr als drei Jahren hatten sich über 400 Nachbarn im Rahmen einer Unterschriftenaktion dafür ausgesprochen, den leerstehenden Einzelhandelsstandort in der Wartenberger Straße zu reaktivieren. Doch es gab ein Problem: Jahre zuvor wurde die Immobilie im Flächennutzungsplan des Landes Berlin als Grünfläche ausgewiesen. Angedacht war, dort einen Spielplatz zu errichten. Nach Darstellung des Kiezbeirats habe das Bezirksamt daher die Wiederinbetriebnahme als Einzelhandelsstandort abgelehnt – mit der Folge, dass es zwischen den zuständigen Behörden und der Konsum-Genossenschaft Berlin als Grundstückseigentümerin zu einem Rechtsstreit kam. Der fand seinen Höhepunkt in einer Verhandlung, für die das Verwaltungsgericht eigens einen Vor-Ort-Termin organisierte. Am Ende erging ein Urteil zu Gunsten der Konsum-Genossenschaft. Damit ist de facto der Weg frei, das Areal neu zu gestalten. Ein positives Signal kam auch von den Mitgliedern des Lichtenberger Stadtentwicklungsausschusses, berichtet Ingolf Hähnel, der Sprecher des Kiezbeirats.

Bauvoranfrage positiv beschieden

Erik Rambow, der Immobilienvorstand der Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend eG, berichtet von einer juristischen Auseinandersetzung mit dem Bezirk Lichtenberg, die sich über insgesamt fünf Jahre hinzog. Der Konsum hatte zwar Eigentum am Gebäude, nicht aber am Grundstück. Nach seiner Darstellung habe die Genossenschaft das Areal vom Land Berlin gekauft, um dann auch einen Neubau errichten zu dürfen. Nach dem Gerichtsentscheid habe Konsum nun eine Bauvoranfrage beim Bezirk gestellt, die positiv beschieden wurde. Im September folgte schließlich der Bauantrag. Allerdings tauchen nun neue Probleme auf. So sind noch Punkte wie die Zuwegbarkeit und die Zahl der Parkplätze strittig. Es gibt also weiteren Gesprächsbedarf zwischen der Verwaltung und dem Konsum. „Schnelles Baurecht ist scheint schon wieder nicht in Sicht.“

Vor allem ältere Bewohner profitieren

Ingolf Hähnel hofft, dass die Kiezbewohner schon bald wieder eine Einkaufsmöglichkeit haben. „Vor allem ältere Bewohner profitieren davon“, sagt er. Zwar gebe es an der Gehrenseestraße schon lange einen Discounter. Doch der Weg dorthin ist für viele Menschen aus dem Kiez beschwerlich. Hinzu kommt, dass die stark befahrene Gehrenseestraße vor allem für Senioren ein Risiko darstellt. In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Unfällen, bei denen Fußgänger beim Überqueren der Straße verletzt oder sogar getötet wurden, LiMa+ berichtete.

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