Erste Grundsteinlegung der Berliner Schulbauoffensive in Mahlsdorf

An der Schule entsteht eine Schule

28.08.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Mahlsdorf. Dort, wo derzeit noch der Wind viel losen Sand übers Gelände treibt, sollen ab dem kommenden Schuljahr bereits Schüler ab Klasse 7 lernen: Am Montag, 27. August, wurde der Grundstein für eine Integrierte Sekundarschule (ISS) an der Straße An der Schule 41-57 gelegt.

Premiere für die Hauptstadt

Lange mussten die Mahlsdorfer auf den seit Jahren gewünschten Bau einer Oberschule warten. Erste Planungen gehen auf das Jahr 1994 zurück. 2001 gab es sogar schon mal einen feierlichen ersten Spatenstich (bevor das Projekt für Jahre beerdigt wurde), 2016 wurde dieser, publicityträchtig vor den Berlin-Wahlen, wiederholt (wir berichteten). Das dürfte eine der längsten Schulplanungsphasen Berlins sein. Doch die Letzten werden bekanntlich die Ersten sein: Die jetzt erfolgte Grundsteinlegung für die Einrichtung mit 550 Schülern ist die Premiere der Berliner Schulbauoffensive. Und weil das ein durchaus feierlicher Anlass war, hatten gleich drei Mitglieder der Landesregierung den Weg nach Mahlsdorf gefunden: Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), Schulsenatorin Sandra Scheeres und Finanzsenator Matthias Kollatz (beide SPD).

Innovative Holzbauweise

Jetzt soll es rasch gehen. Der Neubau in innovativer Holzbauweise entsteht im sogenannten beschleunigten Verfahren. Der Entwurf für den Schulbau stammt vom Frankfurter Architekturbüro NKBAK, das zwei weitere ähnliche Gebäude, die aus vorgefertigten Modulen bestehen, auch im Nachbarbezirk Lichtenberg realisieren wird. Architekt Andreas Krawczyk entwarf solche Modularbauten bereits für zwei Schulen in Frankfurt/Main. Senatorin Lompscher sagte, dass sich damit die Bauzeit gegenüber der Errichtung eines konventionellen Schulhauses um die Hälfte reduziert. Die Architekten waren im April 2017 beauftragt worden. Bereits zum Schuljahresbeginn 2019/20 sollen die Oberschüler das neue Haus An der Schule beziehen. Lompscher verwies darauf, dass auch 27 neue Kitas in Holzbauweise entstehen sollen. Nicht nur, weil somit kostengünstig und schnell gebaut werden kann – die Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs sei auch nachhaltig.

Neues Raumkonzept

Der Schulkomplex wird großzügig. Es wird außer der eigentlichen Schule (vierzügige Sekundarstufe I, zweizügige Sekundarstufe II) weiträumige Außenanlagen und eine Sporthalle geben. Das rund 34,8 Millionen Euro teure Projekt wird von der Stadtentwicklungsverwaltung in Amtshilfe für den Bezirk Marzahn-Hellersdorf übernommen. Schulsenatorin Sandra Scheeres betonte, dass innerhalb der Berliner Schulbauoffensive ein neues Raumkonzept entwickelt worden sei, das für zeitgemäße pädagogische Konzepte stehe. Wesentliche Eckpunkte seien bereits bei der Planung für den Mahlsdorfer Neubau berücksichtigt worden. So seien Mensa und Mehrzweckraum in einer Einheit geplant – und könnten gemeinsam für die verschiedensten Veranstaltungen genutzt werden. Auch für den Kiez werde sich die Schule öffnen.

Größtes Infrastrukturprojekt

Der Finanzsenator bezeichnete die Schulbauoffensive des Senats als das größte Investitionsprogramm der laufenden Legislaturperiode. Der Sanierungsstau soll abgebaut werden, die Bauerhaltung wird ausgeweitet, der Neubau im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gesteigert. Bis 2026 werden vom Senat in die Schulsanierung und den Neubau ca. 5,5 Milliarden Euro investiert. Mehr als 60 Schulen werden dabei neu errichtet. In der Verantwortung der Bezirke sollen Instandhaltungs- und Sanierungsvorhaben mit einem Volumen von jeweils bis zu 5,5 Millionen Euro umgesetzt werden. Teurere Vorhaben werden in Amtshilfe für die Bezirke von der Stadtentwicklungsverwaltung bzw. der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge übernommen. Insgesamt realisiert die Senatsverwaltung 38 Neubauschulen sowie zehn Großsanierungsmaßnahmen (über zehn Millionen Euro) und 21 Sanierungsmaßnahmen (zwischen 5,5 und 10 Millionen Euro). Kollatz wies darauf hin, dass das Schulbau-Programm entsprechend angepasst wird, sollte die Bevölkerungszahl der Hauptstadt schneller steigen als bisher prognostiziert.

Problem: Noch keine Verkehrslösung

Ungeachtet aller Freude darüber, dass es in Mahlsdorf nun endlich losgeht mit dem Schulbau, wies Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) die versammelten Senatsvertreter auf ein Problem hin: die ausstehende Verkehrslösung Mahlsdorf. Denn noch immer gibt es eine seit 2007 existierende Vorzugsvariante des Senats, die Straßenbahn auf der Hönower Straße zweispurig bis zum Bahnhof verkehren zu lassen und den Individualverkehr über die Straße An der Schule zu führen. Doch dort stehen bereits neue Wohnhäuser, jetzt kommt die Schule dazu. Wenig besser erscheint auch ein Vorschlag von SPD und Grünen, die Tram anstelle der Autos durch die Straße An der Schule zu führen. Für den Vorschlag einer Umgehungstraße auf Brandenburger Gebiet müsste die Zustimmung des Nachbarlandes und der Gemeinde Hoppegarten erreicht werden. Pohle appellierte etwas sybillinisch, „eine Lösung zu finden, die hilfreich für alle ist“. Gleichzeitig erneuerte sie ihren Wunsch, die entstehende Integrierte Sekundarschule mit der nahen Schiller-Grundschule künftig zu einer Gemeinschaftsschule zu entwickeln.

Weitere Informationen zur Berliner Schulbauoffensive hier. Eine Übersicht über alle Maßnahmen gibt es dort…

 

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