Neue Ausstellung im Gründerzeitmuseum

Am Sonntag ist Waschtag

06.12.2014, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf. Der Förderverein Gutshaus Mahlsdorf hat sich und den Besuchern des Gründerzeitmuseums zum 2. Advent eine besondere Überraschung bereitet. In vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit durch Vereinsmitglieder und Freunde des Museums wurde ein neuer Ausstellungsraum fertig.

Am Sonntag, 7. Dezember, wird sich zum ersten Mal die Tür zu einer alten Waschküche öffnen. Das ist nun schon der zweite Bereich, in dem sich das Museum dem Thema Hausarbeit in der Gründerzeit zuwendet. Vor einem Jahr hatte der Förderverein den Besuchern den Blick in Uromas Küche zur Adventszeit geschenkt.

Museumsstücke aus der Zeit um 1900
„Wir möchten unseren Gästen demonstrieren, wie noch unsere Großmütter die Wäsche gewaschen haben“, sagte Museumsleiterin Monika Schulz-Pusch. „Vor allem den Kindergruppen können wir mit der neuen Ausstellung zeigen, wie anstrengend die Arbeit im Haushalt gewesen ist.“ Kaum jemand könne sich schließlich noch an die schwere körperliche Arbeit erinnern, wenn es vor drei, vier Generationen in der Familie hieß: Freitag ist Waschtag.

Alle Museumsstücke kommen aus der Zeit um die Jahrhundertwende 1900. Sie lagerten bisher im Depot. Charlotte von Mahldorf hatte für ihr Museum nämlich nicht nur schöne Zimmereinrichtungen und mechanische Musikmaschinen gesammelt, sondern auch Gegenstände aus der Arbeitswelt.

Weißwäsche kochte die ganze Nacht
In der neuen Ausstellung ist alles zu sehen, was vor mehr als 100 Jahren zum Wäschemachen gehörte. Das begann eigentlich schon am Donnerstag. Da war zunächst Wasser schleppen angesagt, denn einen Wasseranschluss gab es in der Waschküche nicht. Also mussten die Hausfrauen mit Eimern das Wasser von einer Pumpe auf dem Hof holen. Vor allem im ländlichen Raum stand oft auch eine Wasserpumpe direkt in der Waschküche. So ein Waschkessel fasste immerhin 100 Liter Wasser. Nachdem der Kessel angeheizt wurde, kochte die Weißwäsche die ganze Nacht, bevor am Freitag dann der eigentliche Waschtag begann.

Die Wäsche wurde im Kessel gekocht und musste mit Holzlöffeln aus dem kochenden Wasser gefischt und in die Waschzuber gebracht werden. Das waren große Wannen aus Holz oder Zink. Mit dem Holzstampfer wurde die heiße Wäsche gerührt oder gestampft, mit der Bürste geschrubbt oder auf dem Waschbrett gerubbelt. Oftmals mussten auch die größeren Kinder helfen, beispielsweise beim Spülen und Auswringen der Wäsche. Es gab zwar schon einige Geräte, die die Arbeit erleichterten, doch diese waren teuer. So ist auch eine Rolle zu sehen, die oben auf den Waschtrog gesteckt wurde. Damit wurde Wasser und Seifenschaum aus der Wäsche gepresst, bevor die Sachen dann in die Spülwanne wanderten.

Wäschemangel und Tischrolle
Wenn die Wäsche getrocknet war, musste sie gebügelt werden. Für kleine Wäschestücke gab es das Bügeleisen, das noch mit Holzkohle geheizt wurde. Für größere Stücke wie Bettwäsche, Tischtücher oder Handtücher wurden die Wäschemangel oder die Tischrolle genutzt. Damit wurde die noch feuchte Wäsche glatt gerollt. Auch diese Arbeitsschritte können den Museumsbesuchern während der Führung gezeigt werden.

Für die kleine Wäsche zwischendurch diente ein Topf, der auf den Küchenherd kam. Damit konnten die Hausfrauen rasch einige Sachen auswaschen. Auch die ersten Waschmaschinen gab es um 1900. Die konnten sich aber nur wenige Haushalte leisten. Die Geräte funktionierten noch rein mechanisch – mit einer Handkurbel wurde die Trommel in einer verzinkten Wanne mit heißem Wasser gedreht. Doch schon 1914 kam die erste elektrische Waschmaschine auf den Markt, damals noch eine Seltenheit. Heutzutage stehen elektronisch gesteuerte Waschvollautomaten in nahezu jedem Haushalt.

Das Gründerzeitmuseum verabschiedet sich für dieses Jahr mit zwei Adventsveranstaltungen von seinen Besuchern:

Am 2. Advent, Sonntag, 7. Dezember, werden die Gäste von Michael Schwalbe mit weihnachtlichen Geschichten über das Essen unterhalten. Die Lesung „Vom Dresdner Stollen zur Berliner Schlachteplatte“ beginnt um 18 Uhr, Eintritt 10 EUR.

Am 3. Advent, Sonntag, 14. Dezember, gibt es um 18 Uhr ein buntes musikalisches Programm mit Märchen, Mythen und Musik zum Advent. Barbara Kellerbauer, ihre Tochter Johanna (Violine und Gesang) und der Solopianist Reinmar Henschke stimmen musikalisch auf die Weihnachtszeit ein, Eintritt 12 EUR.

Gründerzeitmuseum Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, Telefon: (030) 567 83 29, Öffnungszeiten: Sonntag und Mittwoch von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 4,50 EUR. Gruppen können auch außerhalb der Öffnungszeiten Führungen vereinbaren.

 

 

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