Alte Hellersdorfer Straße wird neues QM-Gebiet

Beschlossene Sache

21.01.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Hier werden Privatsender wie RTLII und Co immer fündig, wenn es darum geht, Leute vorzustellen, die vom Leben gebeutelt sind: Im Dreh um die Alte Hellersdorfer Straße wohnen vor allem arme Leute, oft bildungsfern. Nach dem jüngsten Sozialbericht des Bezirksamts Marzahn-Hellersdorf ist im sogenannten Planungsraum Alte Hellersdorfer Straße, einem von insgesamt 33 im Bezirk, mit 35,5 Prozent die höchste Quote an Hartz-IV-Beziehern zu verzeichnen. Mehr als die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren (55,4 Prozent) lebt dort von der Stütze. Auch bei den Menschen ab 50 Jahren, die sich mit Hartz IV begnügen müssem, gibt es mit 20,9 Prozent die höchste Quote im Bezirk, ausführliche Informationen hier … Am vergangenen Dienstag, 14. Januar, beschloss der Senat deshalb, das Gebiet Alte Hellersdorfer Straße in die Förderkulisse des Programms Sozialer Zusammenhalt  (bis 2019 Soziale Stadt) aufzunehmen.

Start im Jahr 2021 geplant

Das Areal, das nicht nur die Alte Hellersdorfer Straße selbst umfasst, sondern sich bis zur Zossener/ Gothaer Straße zieht (siehe Karte), wird Quartiersmanagement-Gebiet (QM). Laut dem aus Marzahn-Hellersdorf stammenden Abgeordneten Kristian Ronneburg (Linke) wird der Start im 1. Quartal 2021 angestrebt. Zu Beginn sind Veranstaltungen vor Ort vorgesehen. Bis Ende 2021 sollen laut Ronneburg die Beteiligungsgremien wie der aus Bewohnern bestehende Quartiersrat eingerichtet sein. Ronneburg: „Damit werden sich neue Fördermöglichkeiten für den Kiez und seine Bewohnerinnen und Bewohner erschließen und hoffentlich ein Beitrag dafür geleistet werden, dass der soziale Zusammenhalt gestärkt wird. Viele Baustellen müssen angepackt werden: Die Unterstützung junger Alleinerziehender, die Sanierung und Neugestaltung von Spielplätzen, die Schaffung attraktiver Begegnungsorte im Kiez und vieles mehr.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Quartiersmanagements können nicht alle widrigen Lebensumstände für die Bewohner beseitigen. Aber sie dienen dazu, die Nachbarschaft für die Entwicklung des eigenen Kiezes zu aktivieren – und somit Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Dafür werden sie mit Bundes-, Landes- und Bezirksmitteln besonders gefördert.

Ein neues QM kommt, zwei laufen 2020 aus

Bisher gibt es in Marzahn-Hellersdorf vier QM-Gebiete: Marzahn NordWest, Mehrower Allee, Hellersdorfer Promenade und Boulevard Kastanienallee. Mit dem Ende 2020 läuft die Förderung für die Mehrower Allee und Marzahn NordWest aus, LiMa+ berichtete. Letzteres gibt es bereits seit 1999. Es gehört nicht nur zu den ältesten QM-Gebieten Berlins, sondern ist auch das größte. Denn es umfasst einen gesamten Stadtteil. Mehr als 24 Millionen Euro werden mit Abschluss dieses Jahres nach Marzahn NordWest geflossen sein – nicht nur aus der Sozialen Stadt, sondern auch aus anderen Programmen. Damit wurden, vor allem in der ersten Dekade, städtebauliche Aufwertungen realisiert, aber auch viele soziokulturelle Angebote geschaffen. Diese helfen den Bewohnern, ihre schwierige soziale Lage zu kompensieren, u.a. durch Bildungsofferten, sportliche und kulturelle Aktivitäten.

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