Straßenbahnhof Marzahn vor 35 Jahren eingeweiht

Als die Straßenbahnen Tatra hießen

20.04.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf. Ein kleines Jubiläum der lokalen Verkehrsgeschichte ist fast unbemerkt an uns vorbeigegangen. Denn vor 35 Jahren – am 1. April 1985 – wurde der Straßenbahnhof in Marzahn an der damaligen Leninallee, heute Landsberger Allee, eröffnet. Damit entstanden dort Abstellgleise für 200 Straßenbahnzüge und eine Werkstatt.

Schienennetz wurde erweitert

Mit dem Aufbau der neuen Wohngebiete in Marzahn und später dann in Hellersdorf mussten auch die öffentlichen Verkehrsmittel erweitert werden. Neben der S-Bahn für Marzahn und der U-Bahn für Hellersdorf setzten die Berliner Verkehrsbetriebe vor allem auf die Straßenbahn und den Bus. Das Schienennetz der Straßenbahn wurde stark erweitert. Während es noch 1978 nur rund 144 Kilometer Straßenbahngleise in Ost-Berlin gab, kamen bis zur politischen Wende rund 25 Kilometer dazu. Das Gleisnetz wurde 1985 auf 163 Kilometer und schließlich 1990 auf 168,8 Kilometer erweitert. Die erste Straßenbahnstrecke im eigenständigen Bezirk Marzahn ging vier Monate nach seiner Gründung, am 6. April 1979 in Betrieb (LiMa+ berichtete).

Große Abstell- und Reparaturanlage im Straßenbahnhof

Die Verkehrsbetriebe legten ein umfangreiches Programm zur Beschaffung von neuen Straßenbahnen auf. Für diese neuen Bahnen wurden Abstellflächen und vor allem Werkstätten benötigt. Der neue Betriebshof Marzahn erfüllte diese Funktion. Obwohl noch weiter gebaut wurde, konnten die ersten Bahnen im April 1985 untergebracht werden. Der Betriebshof umfasst heute eine 25-gleisige Freiluft-Abstellanlage, eine Instandsetzungshalle mit zehn Gleisen, ein Bremsprüfgleis, ein Mehrzweck – und ein Verwaltungsgebäude sowie mehrere Hallen für Maschinen und Geräte zur Reparatur der Fahrzeuge. Zusätzlich befindet sich am Eingang des Geländes eine dreigleisige Wendeschleife für den Linienbetrieb.

BVG-Betriebsleiter erinnert sich

In einer Broschüre hat sich der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf auch mit der Verkehrsgeschichte des Bezirkes beschäftigt. In einem Beitrag erinnert der ehemalige Betriebsleiter Straßenbahn der BVG, Klaus-Dietrich Matschke, an die Entstehung des Straßenbahnbetriebshofes Marzahn.

Dort, wo einst Schafe weideten wurde am 29. September 1982 der Grundstein für den neuen Betriebshof gelegt. Die Vorbereitungen dafür hatten schon im April 1981 begonnen. In Berlin gab es bis zu diesem Zeitpunkt bereits fünf Betriebshöfe für Straßenbahnen in Lichtenberg, Weißensee, Niederschönhausen, Köpenick und Schöneweide. Doch sie waren schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut worden. Ihre Kapazität war mit den damals vorhandenen Straßenbahnen erschöpft. Zudem mussten die alten Straßenbahnhöfe alle dringend saniert werden.

Für die neuen Tatra-Bahnen war es deshalb erforderlich, eine neue Anlage zu bauen. „Unmittelbar vor der Stadtgrenze – südlich der Leninalle (heute Landsberger Allee) und westlich der Wuhle wurde der Grundstein für einen der größten Straßenbahnbetriebshöfe (10,7 Hektar) der Berliner Verkehrsbetriebe gelegt“, schreibt Klaus-Dietrich Matschke in seinen Erinnerungen.

Straßenbahnhof für 240 Tatra-Fahrzeuge

In den drei Jahren nach der Eröffnung 1985 sei alles gleichzeitig geschehen, schreibt der Zeitzeuge: Der Straßenbahnhof wurde für den normalen Linienbetrieb genutzt. Gleichzeitig wurden dort die Bahnen repariert. Und es wurde weiter an dem Gebäudekomplex gebaut. „Das war nicht immer ganz einfach“, schreibt Klaus-Dietrich Matschke. „Der Betriebshof wurde von Betrieben aus Leipzig, Oelsnitz und Zwickau errichtet. Mitgewirkt haben auch künftige Bauingenieure aus Nikaragua.“

Das Bauvorhaben war Bestandteil eines ganzen Komplexes von Aufgaben. Erst im Dezember 1988 war der Betriebshof komplett fertiggestellt. Er war für etwa 240 Fahrzeuge des Typs Tatra KT4D mit einer Länge von je 19 Metern ausgelegt. Fuhren 1984 insgesamt 893 Straßenbahnen durch Ost-Berlin, sollten „Bis Ende der 1980 Jahre… 624 Tatrazüge beschafft und damit der Fahrzeugbestand auf über 1.000 Straßenbahnen erhöht werden“, schreibt Matschke.

Ab 1991 Tram bis Hellersdorf

Als Mitte der 1980er Jahre in der Neuruppiner Straße in Hellersdorf die Wohnhäuser bezogen wurden, hatten die Bewohner noch einen freien Blick über Äcker und Wiesen. In der Ferne sah man den Straßenbahnhof von Marzahn. Dort endeten die Bahnen an der Stadtgrenze von Berlin, die Marzahn mit dem Stadtzentrum verbanden. Von einer Straßenbahn in Hellersdorf war noch nicht die Rede. Wer zum Beispiel in die Neuruppiner Straße wollte, der kam mit dem Bus vom S-Bahnhof Kaulsdorf. Erst knapp sechs Jahre später fuhr die Tram auch bis nach Hellersdorf weiter. 1991 wurde die Straßenbahn zwischen dem Betriebshof Marzahn und der Wendeschleife in der Riesaer Straße eingeweiht.

In den 1990er Jahren erfolgte eine Modernisierung und Anpassung für Niederflurwagen. Das Sozialgebäude wurde abgerissen und die Kantine in den Anbau der Instandhaltungshalle verlegt. Auch der Anbau  sowie das Verwaltungsgebäude wurden nach weniger als 10 Jahren Nutzung modernisiert.


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