1. Woche der Inklusion

Abbau von Barrieren

11.03.2014, Birgitt Eltzel

Foto: Frank Leiste

Lichtenberg. Eine Woche der Inklusion findet vom 12. bis. 22. März im Bezirk statt. Mit zahlreichen Veranstaltungen werden sich rund 50 Einrichtungen und Projekte vorstellen – Schulen, Kitas, Wohneinrichtungen und Werkstätten. Ziel ist nicht nur eine Information über das Angebot für Behinderte, sondern auch eine bessere Kooperation der verschiedenen Träger. Nach Recherchen der aus Lichtenberg stammenden SPD-Abgeordneten Birgit Monteiro ist es die erste Inklusionswoche bundesweit.

Selbstverständliches Miteinander
“Inklusion bedeutet das gemeinsame selbstverständliche Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderungen”, sagte Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Andreas Geisel (SPD) am Montag, 10. März. Seit die Behindertenrechtskonvention in Deutschland im Jahr 2009 in Kraft getreten ist, sei das Thema in aller Munde, so Geisel. Vielerorts würden große Anstrengungen unternommen, um Barrieren abzubauen, aber die praktischen Ergebnisse sowie auch Probleme seien noch vielen Bürgern unbekannt.

Viele Menschen betroffen
“Das Thema betrifft viele Bürger”, sagt Birgit Monteiro, die in der SPD-Fraktion Sprecherin für Menschen mit Behinderungen ist. Behinderungen seien entweder angeboren, im Laufe des Lebens erworben oder kommen wie beispielsweise Demenz mit dem Alter. “Alle diese Menschen müssen teilhaben können an der Gemeinschaft”, sagt sie. Noch zu oft würden sie in Sondereinrichtungen abgeschoben. Von Inklusion profitiere die gesamte Gesellschaft. Es brauche dafür beispielsweise Maßnahmen wie die Einführung Leichter Sprache in Verwaltungen, aber auch die Förderung der Mobilität. Auch die Behinderteneinrichtungen, so Monteiro, müssten sich “in die Gesellschaft öffnen”.

Jeden Tag einen kleinen Schritt
Noch wird über ein milliardenschweres Paket zur Inklusion in Berlin in den verschiedenen Senatsverwaltungen beraten. Doch Geisel will nicht warten bis die Gelder bereitstehen, um Menschen mit den verschiedensten Behinderungen – von Rollstuhlfahrern über Autisten, Diabetiker und Krebskranke bis hin zu Blinden und Gehörlosen – besser einzubeziehen. “Wenn wir warten bis alles perfekt ist, dauert das noch viele Jahre.” Es sei besser, jeden Tag einen kleinen Schritt zu gehen, sagt er.

111 Mal Signet “barrierefrei”
Bereits jetzt gibt es erste Erfolge, beispielsweise bei der Barrierefreiheit. Mit 111 vergebenen Signets an verschiedene Einrichtungen ist Lichtenberg derjenige unter den Berliner Bezirken, der über die meisten Barrierefrei-Siegel verfügt. Allerdings gibt es noch viel zu tun – faktisch alle historischen Gebäude und sehr viele Wohnhäuser entsprechen den Anforderungen noch nicht. Und auch so etwas passiert: Nach der 1,1 Millionen Euro teuren Sanierung der Schwimmhalle Sewanstraße durch die Berliner Bäder-Betriebe 2012 ist diese weiterhin nicht einfach für Rollstuhlfahrer zugänglich. Es gibt zwar einen Lift ins Wasser, aber in die Schwimmhalle kommen Rolli-Fahrer nicht ohne fremde Hilfe. “So etwas darf nicht vorkommen”, sagt Geisel. Alle öffentlichen Baumaßnahmen im Bezirk würden auf Behindertengerechtigkeit geprüft. So werde es in den fünf sogenannten Containerschulen, die jetzt aufgestellt werden, selbstverständlich Aufzüge geben.

Schulen sollen sich weiter öffnen
Detlef Schmidt-Ihlen, der Schulleiter des Barnim-Gymnasiums, das einer der Vorreiter beim Thema Inklusion im Bezirk ist, sagt, dass auch dieses Schulgebäude noch nicht völlig barrierefrei ist. “Wir sind aber ein behindertenfreundliches Gymnasium”, sagt Schmidt-Ihlen, selbst Vater eines behinderten Sohnes. Bereits 1995 habe man begonnen, Maßnahmen zur Inklusion zu entwickeln. “Ich wünsche mir, dass sich alle Schulen diesbezüglich noch weiter öffnen”, so der Schulleiter. Dazu müsse sich allerdings das Denken ändern. “Man kann Inklusion nicht dienstlich anweisen.” Laut Geisel gibt es an allen Lichtenberger Schulen nicht nur Schüler mit Behinderungen, sondern auch 176 Beschäftigte, darunter 100 Lehrkräfte. Eine regelrechte inklusive Schule, die alle Anforderungen der Behindertenrechtskonvention erfüllt, existiert noch nicht.

Die Eröffnungsveranstaltung zur 1. Lichtenberger Inklusionswoche findet am Mittwoch, 12. März, um 15 Uhr, im Barnim-Gymnasium, Ahrensfelder Chaussee 41, statt. Weitere Informationen: www.inwo-lichtenberg.de

 

 

 

 

 

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