2 Hochhäuser entstehen an der Dolgenseestraße – Anwohner enttäuscht

Zumutbar aber ohne Anwohner-Konsens

16.04.2018, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau (1-2,4) Volkmar Eltzel (3,5). Zum Vergößern Hauptbild anklicken.

Friedrichsfelde. Bagger und Lkw rollen auf der Baustelle an der Dolgenseestraße. Die alte Kaufhalle aus den 70er-Jahren, die auf der Fläche stand, ist verschwunden. Auch der benachbarte, ehemalige Dienstleistungswürfel wird abgerissen, in dem derzeit noch die Apotheke, der Jugendclub und das italienische Restaurant öffnen. Verschwinden wird auch das Gebäude der einstigen Clubgaststätte.

Zwei Hochhäuser sind auf dem 20.000 Quadratmeter großen Gelände des alten Dogensee-Centers geplant. Bauherr ist das Unternehmen OIB Projekt 23 GmbH & Co.KG aus Bayern. In den beiden Zehngeschossern an der Dolgenseestraße 8, 8A, 11 und 11A entstehen etwa 680 Mietwohnungen. Sie werden 30 bis 100 Quadratmeter groß sein und ein bis vier Zimmer haben. Vorgesehen ist, dass nach Fertigstellung die Gewobag alle Wohnungen übernimmt. Mindestens 25 Prozent bekommen eine Mietpreisbindung. Im Erdgeschoss der neuen Häuser entstehen Räume für Gastronomie, Einzelhandel und Dienstleister. Eine Kita mit 90 Plätzen zieht ein. In der Tiefgarage sind lediglich 71 Stellplätze vorgesehen. Mitte März hat die Bezirksverordnetenversammlung ihre Zustimmung erteilt und die Planreife des Vorhabens beschlossen. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die Genehmigung der Bebauung geschaffen.

Runder Tisch für Anwohner erfolglos

Das Projekt stößt bei vielen Anwohnern der Dolgenseestraße auf massive Kritik. Die Neubauten seien zu hoch, und zu dicht an den Nachbargebäuden geplant, so der Vorwurf. Verschattung der Wohnungen sei zu befürchten, ebenso eine Zunahme des Autoverkehrs im Quartier. Auch sei zu erwarten, dass die Stellplätze für PKW knapp würden. Eine Bürgerinitiative schlug als Kompromiss vor, dass eine Neubau-Variante mit terrassenförmigen Abstufungen zwischen viertem und zehntem Geschoss realisiert wird. Doch der Investor bestand auf seinen Plänen. Um Konsens zu erzielen, wurde ein Runder Tisch einberufen. Er tagte im Frühjahr und Sommer 2017. Ein Einvernehmen zwischen den Anwohnervertretern und dem Investor wurde nicht erzielt.

Die Bürgerinitiative hat sich unterdessen aufgelöst. Rainer Tschentscher gehörte ihr an, der seit Anfang der 70er-Jahre an der Dolgenseestraße wohnt. Er saß auch mit am Runden Tisch. „Der Investor hat sich nicht bewegt“, sagt er. „Keine Kulanzlösung, kein Kompromiss.“ Die Initiative habe in vielen Bezirksgremien ihr Anliegen vorgetragen, auch im Ausschuss für ökologische Stadtentwicklung, jedoch ohne Erfolg. „Ja, es müssen Wohnungen entstehen“, sagt Rainer Tschentscher. „Aber wir wollten eine vernünftige Lösung. Mit größeren Abständen zu den vorhandenen Bauten.“ Dass die Anwohnervorschläge nicht berücksichtigt werden, enttäuscht ihn schwer. „Von Mitsprache kann keine Rede sein“, sagt er. In diesem Fall habe die Bürgerbeteiligung versagt.

In der Abwägung alle Vorschläge abgewiesen

Die Pläne waren im Herbst 2017 öffentlich ausgelegt worden. 47 Stellungnahmen gingen beim Bezirksamt ein. Sie stammen hauptsächlich von Anwohnern, die sich kritisch äußerten. Doch nicht eine einzige Stellungnahme hat in der Abwägung des Bezirksamtes zu Änderungen in den Plänen geführt. Die Argumente der Verwaltung: Viele preisgünstige, neue Wohnungen könnten errichtet werden. Die Nahversorgung des Quartiers werde gesichert. Das alte Dolgensee-Center sei ein städtebaulicher Missstand, der nun beseitigt werde. Es entstehe ein belebter urbaner Raum. Die Innenverdichtung, wie an der Dolgenseestraße vorgesehen, sei im Sinne des sparsamen Umgangs mit Grund und Boden. Das Bezirksamt erachte deshalb „das Vorhaben als sinnvoll und in seinen Auswirkungen als zumutbar“. Fachgutachten hätten zwar negative Auswirkungen des Vorhabens festgestellt. Dennoch seien gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse weiterhin gegeben. Auch die Grünen begrüßen das Projekt. „Wir haben uns die Entscheidung für die Planreife nicht leicht gemacht“, sagt der Grünen-Verordnete Robert Pohle. „Uns sind die Kritikpunkte an der Planung durchaus bewusst.“

Ärger über mögliche Schatten

Nun finden sich die meisten betroffenen Anwohner damit ab. „Wir sind in einem Alter, in dem wir nicht noch einmal umziehen können“, sagt eine alte Dame, die an der Dolgenseestraße 6 wohnt. Doch sie ärgert sich über die künftige Verschattung ihrer Wohnung. „Ich finde das unmöglich.“ Auch sie hatte die Alternativvorschläge der Bürgerinitiative unterzeichnet. Es habe nichts genützt. „Das hätten wir bleiben lassen können.“

Etwas weiter entfernt von der Baustelle, an der Mellenseestraße, wohnt Margarete Degener. „Wichtig ist, dass in den Neubauten an der Dolgenseestraße schnell ein Lebensmittelmarkt öffnet“, sagt sie. „Hier wohnen viele alte Leute. Seit dem Abriss der Kaufhalle müssen sie weit laufen, um sich zu versorgen.“

 

 

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