THEATER AN DER PARKAUE: Sanierung (fast) geschafft

Zum Auftakt eine Doppelpremiere

05.10.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Die Gerüste von der Fassade sind entfernt, die rote Leuchtschrift, deren Abschluss ein kleines Flugzeug bildet, ist wie neu: Im THEATER AN DER PARKAUE steht die Sanierung vor ihrem Abschluss. Nur noch einige Restarbeiten finden im Innern des Gebäudes statt, dann werden die Bühnen 2 und 1 mit einer großen Theaterwoche wiedereröffnet. Vom 10. bis 18. November soll es in dem Haus an der Parkaue richtig rund gehen. Am 10. November wird dort sogar eine Doppelpremiere gefeiert: „Die unendliche Geschichte“ (Eröffnung Bühne 1) und „In Dir schläft ein Tier“ (Eröffnung Bühne 2). Eine andere Premiere gab es bereits zum Spielzeitstart am 16. September mit dem Stück „Beben“ von Maria Milisavljevic auf Bühne 3. In der Eröffnungswoche wird auch der 67. Theatergeburtstag gefeiert (16. November).

17,6 Millionen Euro für die Sanierung

Die Bühne 3 wurde im Rahmen der ersten Umbauarbeiten bereits 2015 fertiggestellt. Damals waren ein altes Hofgebäude abgerissen worden, es entstanden ein neues Funktions- und Lagergebäude (Magazin) und der Neubau der barrierefreien Bühne 3, der ins historische Haus integriert wurde. Die Verbindung zum Altbau erfolgt über ein verglastes Atrium. Nachdem diese Spielstätte zur Verfügung stand, ging es an die Sanierungsarbeiten im Altbau, wobei auch der historische große Theatersaal mit mehr als 400 Plätzen modernisiert wurde. Wegen unvorhergesehener Schwierigkeiten – unter anderem war beim Ausbau des Gestühls die darunter liegende Decke zusammengebrochen – verzögerte sich jedoch die Sanierung und wurde mit 17,6 Millionen Euro rund 5 Millionen Euro teurer als noch 2013 geplant. Das Ensemble nutzte in dieser Zeit mehrere Bühnen Berlins als Ausweichstandorte. Im September diesen Jahres wurde letztmalig der „Prater“ in Prenzlauer Berg bespielt, mit den Gerhart-Hauptmann-Inszenierungen „Vor Sonnenaufgang“ und „Die Ratten“.

Schulden bis 2010 abgebaut

Das Theater-Gebäude war 1911 als Knabengymnasium Lichtenberg errichtet worden, der große Saal (Bühne 1) diente einst als Aula. 1950 wurde das „Theater der Freundschaft“ eröffnet, im anderen Gebäudeteil befand sich bis Ende der 1970er-Jahre das Zentrale Haus der Pioniere „German Titow“. Nach der Wende und der deutschen Wiedervereinigung erfolgte eine neue Ausrichtung des Theaters, das 1991 unter dem Intendanten Manuel Schöbel, damals jüngster Intendant Deutschlands, in „carrousel Theater an der Parkaue“ umbenannt wurde. Als 2004 der Berliner Senat die Zuschüsse für das Kinder- und Jugendtheater um die Hälfte kürzen wollte, stieß das auf großen Widerspruch unter Mitarbeitern, Zuschauern und Freunden der Bühne – die Pläne wurden letztlich zurückgezogen. 2005 wurde Kay Wuschek Intendant, seitdem heißt die Einrichtung „THEATER AN DER PARKAUE“. Die fünf Millionen Schulden, die Wuschek übernahm, wurden bis 2010 abgebaut.

Meistgespieltes Stück: „Die Schneekönigin“

Kay Wuschek verweist auf eine hohe Auslastung des kleinsten Staatstheaters der Hauptstadt: Im Durchschnitt sind rund 90 Prozent der Plätze besetzt. Voraussichtlich im März 2018 wird der 8,5-millionste Besucher empfangen. Die Gäste – gespielt wird für Kinder und Jugendliche, aber auch für Familien und andere Besucherinnen und Besucher – kommen aus ganz Berlin und aus Brandenburg. Es werden neue und moderne Stücke aufgeführt, ebenfalls natürlich Klassiker. „Das mit Abstand meistgezeigte Stück ist ‚Die Schneekönigin’ nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Es wurde am 4. November 1957 erstmals aufgeführt, seitdem gab es insgesamt sieben verschiedene Inszenierungen“, berichtet Wuschek.

Für viele Kinder die Erstbegegnung mit Theater

„Wir sind für viele Kinder die Erstbegegnung mit Theater“, sagt der 54-Jährige. Und er erzählt eine Anekdote vom Linken-Politiker Gregor Gysi. Auch dieser hatte seine erste Berührung mit den Brettern, die die Welt bedeuten, im „Theater der Freundschaft“, bei einer der Schneekönigin-Inszenierungen. Dem Knaben Gregor, so habe dieser berichtet, wäre aber ein anderes Stück lieber gewesen, etwas „für Ältere“. Und weil sein Vater Klaus Gysi damals DDR-Kulturminister war und Mitglied des Zentralkomitees der SED, habe er eben einen Beschwerdebrief an das ZK geschrieben. „Was ihm allerdings nicht half“, schmunzelt Wuschek. Es sei bei der „Schneekönigin“ geblieben.

Die Fantasie soll fliegen

Wuschek erinnert an Bertolt Brecht, der in einer Rede an die jungen Zuschauer sagte, diese müssten von ihrer Fantasie verlangen, dass sie fliegt. Nicht umsonst heißt das Motto der Spielzeit 2017/2018 an der Parkaue „Utopien – Pioniere – Zukunft“. Er selbst sieht das Theater als „Möglichkeitsraum“, als besonderen Ort der Begegnung. Diesen zu vervollkommnen, dazu werden auch weitere geplante Sanierungsarbeiten beitragen. Denn in einem zweiten Abschnitt sollen ab Ende 2019 die Ober- und Untermaschinerie von Bühne 1 erneuert werden. Auch der 28 Meter hohe Bühnenturm, der 1948/49 aus Trümmern der Frankfurter Allee entstanden ist, wird ertüchtigt. Und wenn Ende 2018 die Schauspielschüler der Hochschule „Ernst Busch“ in ihr dann endlich fertiggestelltes neues Domizil in Mitte ziehen, bekommt der Intendant auch seine seit langem ersehnte Probebühne. Parallel dazu wird die gesamte IT erneuert: „Dann können wir auch mal Dinosaurier über die Bühne laufen lassen“, sagt Kay Wuschek. Natürliche virtuelle. Aber man wird ja mal träumen dürfen…

Theater an der Parkaue, Parkaue 29
Hier zum Programm der neuen Spielzeit…

 

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