Neue Initiative für ein Freibad für Marzahn-Hellersdorf

Zuerst mal eine Studie…

09.04.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Wie bereits kurz in unserem Bericht von der März-BVV beschrieben, will das Bezirksamt einen neuen Anlauf für ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf starten. Über die Details informierte jetzt der zuständige Sportstadtrat Gordon Lemm (SPD) ausführlich. In Anlehnung an ein Gespräch von Lemm mit Vertretern der Berliner Bäderbetriebe (BBB) will der Bezirk nochmals alle möglichen Standorte im Bezirk auf eine mögliche Nutzung als Freibad prüfen. Auch die Bezirksverordneten und aus dem Bezirk stammenden Abgeordneten seien aufgerufen, mögliche Standorte zu benennen. Das Bezirksamt wird die Vorschläge auswerten und öffentlich machen. Realisierbar erscheinende Vorschläge sollen laut Lemm dann innerhalb einer Machbarkeitsstudie geprüft werden, die das Bezirksamt in Auftrag geben will. Dabei soll auf Ergebnisse einer bereits im Jahr 2013 beauftragten Studie aufgebaut werden. Diese soll nun erweitert und aktualisiert werden.

2013 hieß es noch: unmöglich

Die Prüfung im Jahr 2013 war zum Schluss gekommen, dass es keine geeignete Fläche für ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf gibt. Damals hieß es, lediglich ein Freibad ließe sich nicht wirtschaftlich betreiben. Deshalb will das Land Berlin vier sogenannte Kombibäder (Frei- und Hallenbad) bauen. Bisher gibt es jedoch nur für zwei solcher Projekte, in Mariendorf und Pankow, eine Finanzierungszusage des Senats. Ursprünglich galt ein Standort nahe der Grenze zu Lichtenberg (Nähe Tierpark) als Möglichkeit, ein Kombibad für Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf zu schaffen. Bisher blieb es lediglich bei der Idee, von der inzwischen niemand mehr spricht.

Bezirk will kämpfen

Deshalb will der Bezirk jetzt weiter für ein (weitaus kostengünstigeres) Freibad kämpfen. „In Zusammenarbeit mit der AG Freibad des Bezirksparlaments und den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses unseres Bezirks wird sich das Bezirksamt für die Finanzierung und Realisierung durch das Land einsetzten“, kündigt Lemm an. Auch das Bezirksamt werde eigene Vorschläge, u.a. auf sogenannten Sportvorhalteflächen, prüfen. Nach der Rücksprache mit den Bäderbetrieben gibt es folgende Vorgaben: eine ausreichend große Fläche, möglichst in Bezirks- oder Landeseigentum (inklusive Liegeweise von 10.000 bis 25.000 Quadratmeter); verkehrsgünstig gelegen (Straßenbahn, U- oder S-Bahnnähe), ohne unmittelbare Wohnbebauung.

Aufmerksamkeit für die Außenbezirke!

„Es wurde viel öffentlich diskutiert, ob die Randbezirke der Stadt die gleiche Aufmerksamkeit für ihre Bedürfnisse erhalten wie die Innenstadtbezirke“, hebt Lemm hervor: „Hier wäre eine gute Möglichkeit für das Land Berlin, ein Zeichen zu setzen, dass selbstverständlich auch die Außenbezirke im Fokus unserer Regierung stehen.“ Die Finanzierung könne durch die Siwana-Mittel des Landes erfolgen. (Die Abkürzung steht für das Gesetz „Errichtung eines Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt und Errichtung eines Nachhaltigkeitsfonds“.) Laut Lemm sollen Mitte 2018 Standortvorschläge für ein Freibad vorliegen.

Wernerbad dicht, Elsensee nicht realisiert

Marzahn-Hellersdorf ist der einzige Berliner Bezirk ohne Freibad. Denn bereits 2002 wurde das traditionsreiche Freibad Wernersee in Kaulsdorf wegen hohem Sanierungsbedarf geschlossen, 2013 als Bad entwidmet. Dort ist kein Freibadbetrieb mehr möglich. Der See wird noch in diesem Jahr durch die Berliner Wasserbetriebe renaturiert, auf dem Gelände ist Wohnen für Demenzkranke geplant. Auch der Bau eines privat betriebenen Freibades mit Wasserskianlage am Elsensee in Mahlsdorf scheiterte, vor allem am Widerstand von CDU und Grünen, später auch der SPD.

BVV-Beschluss zur Freibad-Suche

Bereits seit Jahren gibt es deshalb die Forderung nach einem Freibad für Marzahn-Hellersdorf. Insbesondere die Partei die Linke engagiert sich seit langem dafür. Unter anderem tritt sie mit den Lichtenberger Linken dafür ein, zu prüfen, ob eine Reaktivierung des früheren BVG-Bades an der Siegfriedstraße machbar ist. Im Dezember vergangenen Jahres beschloss die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf einen Antrag aller Fraktionen zur Prüfung möglicher Freibadstandorte – die Initiative des Stadtrates scheint nun eine Antwort darauf zu sein. In dem einstimmig beschlossenen Antrag heißt es unter anderem auch, zu prüfen, „welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um das Baden im Biesdorfer Baggersee zu gestatten“ . Denn dieser, eigentlich lediglich ein Regenrückhaltebecken, wird ebenso wie die im Trinkwasserschutzgebiet gelegenen Kaulsdorfer Seen im Sommer regelmäßig von vielen Badegästen bevölkert. Mangels anderer Gelegenheit wird das auch in diesem und in folgenden Jahren noch so sein – und vom Bezirk geduldet werden. Denn selbst wenn die Standortsuche erfolgreich ist und das Land Geld für ein Freibad gibt – so schnell wird schließlich erfahrungsgemäß in Berlin nicht gebaut.

 

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