Das sanierte Schloss Biesdorf ist ein noch unentdecktes Kleinod

Zu wenig zahlende Besucher

27.03.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Marcel Gäding (1-4), Birgitt Eltzel (5-7)

Biesdorf. Rund 18.500 Besucher zählte das im September vergangenen Jahres nach umfangreicher Sanierung wieder eröffnete Schloss Biesdorf bisher. Das teilte Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) auf der Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 23. März in ihrer Antwort auf eine Mündliche Anfrage von Kathrin Bernikas (CDU) mit. Das Pikante aber: Nicht einmal jeder vierte Besucher der mit rund 10 Millionen Euro sanierten Einrichtung zahlte Eintrittsgeld. Seit September 2016 gab es lediglich 4.906 zahlende Gäste.

Rund 400.000 Euro jährlich vom Bezirk

Mit seiner Wiedereröffnung fungiert die spätklassizistische Turmvilla an der Bundesstraße 1/5 Alt-Biesdorf nun als Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum (ZKR), eine Galerie. Seit Anfang 2016 betreibt die landeseigene Grün Berlin GmbH das Haus im Auftrag des Bezirks und erhält von diesem jährlich dafür rund 400.000 Euro. Bei der Eröffnung hatte Grün-Berlin-Chef Christoph Schmidt gesagt, er rechne im ersten Jahr mit rund 30.000 Besuchern (wir berichteten). Später sollen bis zu 60.000 Gäste kommen. Zahlende, versteht sich.

Stadträtin verbreitet Optimismus

Danach sieht es derzeit nicht aus, auch weil Werbung für das Haus kaum stattfindet und dieses somit außerhalb des Bezirks ziemlich unbekannt ist. Doch Juliane Witt verbreitete vor den Bezirksverordneten Optimismus. Mit der bevorstehenden Internationalen Gartenausstellung (IGA) Berlin 2017, die bekanntlich in Marzahn-Hellersdorf stattfindet, werde die Zahl der Besucher steigen. Auch, weil ein Kombiticket für Schau und Schloss angeboten werde. Auf die Nachfrage des AfD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Keßler, wie sich denn die hohe Anzahl nicht-zahlender Besucher im Biesdorfer Schloss erkläre, antwortete die Stadträtin, das seien Teilnehmer an Projekten oder auch Gäste, die nur in das ebenfalls neu eingerichtete Schloss-Café gingen. Laut Witt werden bisher auch keine Arbeiten von Künstlern aus dem Bezirk gezeigt.

Zweite Ausstellung ab 27. April

Inzwischen bereitet nämlich ZKR-Direktorin Katja Aßmann die zweite Ausstellung im Haus vor. Diese wird unter dem Titel „Zwischen Räumen“ am 27. April eröffnet und soll künstlerische Perspektiven auf Stadt, Architektur und öffentlichen Raum zeigen. 15 internationale Künstlerinnen und Künstler stellen Arbeiten vor. In einem zweiten Teil, so die Ankündigung, werde die Stadtlandschaft Berlins in den Fokus genommen: „Hier treten Arbeiten von KünstlerInnen in der DDR in einen Dialog mit jungen Berliner Positionen. Im Fokus der Ausstellung steht der Stadtraum als soziales, künstlerisches und politisches Zentrum einer Gesellschaft “, heißt es. Die Schau wird gemeinsam mit dem Kunstarchiv in Beeskow realisiert, das eine große Sammlung von Kunstschätzen aus der DDR besitzt. Dass diese im Schloss Biesdorf präsentiert werden, war eine Voraussetzung für das Fließen von EU-Fördermitteln zur Sanierung des Gebäudes.

Schloss Biesdorf: Alt-Biesdorf 55, 12683 Berlin.

Geöffnet: bis 17. April: Di, Mi, Fr-So 10 bis 18 Uhr, Do 13- 21 Uhr, Montag Ruhetag. Ostern: Karfreitag bis Ostermontag 10-18 Uhr. Ab 28. April Mi, Fr-Mo 10 bis 18 Uhr, Do 13 bis 21 Uhr, Die: Ruhetag. Eintritt: 5 Euro, erm. 2,50 Euro. Führungen auf Anfrage.

Bis 17. April wird die gegenwärtige Ausstellung „Auftrag Landschaft“ verlängert, in der auch auf der IGA Berlin 2017 vertretene Künstlerinnen und Künstler Arbeiten zeigen.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden