Zehn Jahre Modellpark Berlin Brandenburg

Zu Fuß von Neuruppin zum Reichstag

10.07.2017, Marcel Gäding

Siegessäule, Brandenburger Tor, Frankfurter Tor und das Jüdische Museum sind im Modellpark nah beieinander. Foto: Marcel Gäding

Seit zehn Jahren gibt es in der Wuhlheide den Modellpark Berlin-Brandenburg. Besucher erleben dort rund 70 Sehenswürdigkeiten im Maßstab 1:25. Gleichzeitig erhalten Langzeitarbeitslose die Chance auf eine sinnvolle Beschäftigung.

Die Fenster vom Rathaus Spandau sind in die Jahre gekommen. Auch die Fassade hat bereits etwas gelitten. Und dennoch hält sich der Aufwand, das Gebäude zu sanieren, in Grenzen. Denn jenes Rathaus, an dem gerade verschlissene Teile ausgetauscht werden, ist nur eine Miniaturversion und befindet sich im Modellpark Berlin-Brandenburg. Dort, mitten in der Wuhlheide, steht es neben rund 70 anderen Exponaten auf dem Gelände des einstigen Ernst-Thälmann-Stadions. Dass zehn Jahre nach dessen Eröffnung als Miniaturwelt einzelne Gebäude eine Schönheitsreparatur benötigen, verwundert nicht.

Sehenswürdigkeiten, die Pflege brauchen

„Wind oder Sonne machen den Modellen nichts aus“, sagt Marcus Sydow. Allerdings seien die Mini-Ausgaben von Reichstag, Gedächtniskirche oder dem Rathaus in Lichtenberg starken Temperaturschwankungen ausgesetzt. „Teilweise gibt es Unterschiede von bis zu 70 Grad Celsius“, erklärt Sydow. Durch die Wärme der Sonne staut sich im Inneren der nachgebildeten Sehenswürdigkeiten die Hitze. Das setzt so manchem Modell zu.

Sydow ist Fachgebietsleiter und arbeitet für die Union Sozialer Einrichtungen, kurz USE. Das gemeinnützige Unternehmen betreibt den Modellpark Berlin-Brandenburg seit 2007 in der Wuhlheide. Alles, was auf einer Fläche von drei Hektar ausgestellt ist, stammt aus den Händen von Langzeitarbeitslosen oder Menschen mit Handicap. Sie finden in den Werkstätten der USE in fünf über ganz Berlin verteilte Modellbauwerkstätten eine sinnvolle Beschäftigung. Als der Modellpark vor zehn Jahren seine Tore öffnete, konnten bereits 45 Modelle von berühmten Gebäuden aus Berlin-Brandenburg der Öffentlichkeit präsentiert werden. Heute sind 70 Bauwerke zu sehen – darunter der Reichstag, das Pergamonmuseum, die Siegessäule, die Gedächtniskirche, das Brandenburger Tor, Schloss Oranienburg oder die Stadtkirche von Köpenick. Von der Schinkelkirche in Neuruppin und dem Reichstag sind es dann auch nur wenige Schritte.

30.000 Besucher pro Saison im Modellpark

Rund 30.000 Menschen besuchen den Modellpark pro Saison. Sie kommen aus der ganzen Stadt, aus Brandenburg, Polen, Russland oder England. „Berlin-Besucher kommen während ihres Aufenthalts gezielt zu uns“, sagt Marcus Sydow. Begeistert schießen sie Fotos oder bleiben minutenlang vor den Modellen stehen, denen man die Liebe zum Detail ansieht. Kein Wunder, denn in jedem der kleinen Häuser steckt viel Arbeit. „Allein am Reichstag haben zehn Leute rund drei Jahre gearbeitet“, erklärt der Modellpark-Chef. Fachlich eingeleitet werden die Männer und Frauen von einem Modellbauer. Aktuell arbeiten im Park zwölf Menschen aus Lichtenberg und Treptow-Köpenick, die lange ohne Arbeit waren. Dafür gibt es eine Kooperationsvereinbarung mit den örtlichen Job-Centern. Während aktuell in den Werkstätten weitere Exponate für den Park entstehen, übernimmt die USE aber auch Aufträge von Architekten, Privatleuten oder Unternehmen. Die gute Umsetzung der Arbeit hat sich herumgesprochen. Der eine oder andere Beschäftigte konnte über das Projekt inzwischen auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Vorbild für den Modellpark war die Miniaturenwelt Madurodam im niederländischen Den Haag. Dorthin hatte es einst einen Mitarbeiter des Jobcenters Berlin Mitte verschlagen. So etwas könne man auch bei uns machen und dabei Menschen eine sinnvolle Beschäftigung geben, dachte er sich. Mit der USE, die sich auch auf Arbeitsförder- und Qualifizierungsmaßnahmen spezialisiert hat, fand man einen guten Partner. Der Bezirk Treptow-Köpenick stellte das entsprechende Grundstück zur Verfügung. „Damals war nicht absehbar, dass sich der Modellpark zu solch einer Erfolgsgeschichte entwickelt“, sagt Marcus Sydow. Inzwischen gibt es vor Ort auch einen Tast- und Kräutergarten, eine Schauwerkstatt, eine Spielwiese, einen Spielplatz und ab dem kommenden Jahr ein Ausflugslokal in einer Stralauer Gondel, einem Nachbau eines Kahns von 1892. Dort sollen die Gäste dann unter freiem Himmel Kaffee trinken können.

Stolz berichtet Marcus Sydow, dass Treptow-Köpenicks Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) den Modellpark erst kürzlich in einer Reihe mit dem Müggelturm und dem Strandbad Müggelsee nannte, als er die touristischen „Leuchttürme“ seines Bezirks aufzählte. Gern würde Marcus Sydow die Zahl der Besucher im Modellpark steigern – doch das ist, allein wegen der Lage in der Wuhlheide, nicht ganz so einfach. Besucher müssen lange laufen, um auf das Gelände zu gelangen. Parkplätze vor der Tür gibt es keine. Bis vor Kurzem fehlten zudem Hinweisschilder auf die kleine Attraktion, weil sich die Forstverwaltung lange dagegen wehrte.

Weitere Informationen:

Modellpark Berlin-Brandenburg

An der Wuhlheide 81, 12459 Berlin

Zugang über Treskowallee, geöffnet April-September tgl. 10-18 Uhr, Oktober 10-17 Uhr, Eintritt: Erwachsene 4,50 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei, Kinder/ Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren: 2,50 Euro. Internet: www.modellparkberlin.de

 

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