Kleine Geschäfte, ein Café und viel Grün:

Zoff um Zentrum

02.05.2017, Marcel Gäding

Foto: Architektenbüro „P R+P“ (1-2); Marcel Gäding (3-5)

Hohenschönhausen. Es gibt Hoffnung für das Zentrum von Hohenschönhausen: Mehr als drei Jahrzehnte nach ihrer Fertigstellung soll die Großsiedlung im Norden Lichtenbergs komplettiert werden – mit einem neuen Verbrauchermarkt, einem Wohn- und Geschäftshaus und einem ansprechend gestalteten Platz. Zumindest ist das der Plan eines Investors. Noch ist nichts in trockenen Tüchern – auch, weil Kommunalpolitiker der Linken dem Projekt skeptisch gegenüberstehen. Derweil sucht deren Fraktion nach eigenen Ideen für das Zentrum von Hohenschönhausen.

Ein richtiges Zentrum hat Hohenschönhausen bis heute nicht: Zwischen dem Bahnhof Hohenschönhausen und dem Prerower Platz mit dem Linden-Center klafft seit Jahrzehnten eine große Lücke. Zwar wurden schon vor einer Ewigkeit die Gebäude eines Instituts für Lehrerbildung abgerissen. Auch entstanden ein Multiplexkino und daneben ein kleiner Stadtplatz mit Springbrunnen. Das war es dann aber auch. Der größte Teil des Areals ist geprägt von einem überdimensionierten Parkplatz. Dabei hätte man nur nach Hellersdorf schauen müssen, dem einst jüngsten Bezirk Ostberlins: Dort entstand mit Hilfe millionenschwerer Investitionen das Zentrum „Helle Mitte“ auf einer riesigen Sandwüste.

Investor gibt auch Geld fürs Umfeld

Ganz so groß wie die „Helle Mitte“ wird das Zentrum von Hohenschönhausen nicht werden. Sicher ist aber, dass auch dort einige Millionen Euro zum Einsatz kommen. Eine Investorengruppe, vertreten durch das Architektenbüro „P R+P“ aus Braunschweig plant an der Wartenberger Straße nicht nur einen zweigeschossigen Verbrauchermarkt inklusive Parkdeck, sondern an der gegenüberliegenden Falkenberger Chaussee ein Wohn- und Geschäftshaus mit Arztpraxen. Oben sollen in erster Linie ältere beziehungsweise pflegebedürftige Menschen leben, während im Erdgeschoss eine Apotheke, ein Café, ein Betten- und Einrichtungsgeschäft sowie ein Zoo- und Heimtierfachmarkt entstehen. „Für das Wohnprojekt liegen bereits 110 Vormerkungen vor“, sagt der Architekt Jörg Papendieck. Die Anfragen kämen vor allem aus der Nachbarschaft. Der Verbrauchermarkt soll als Kaufland City geführt werden – die kleinste Variante einer Filiale der Kaufland-Gruppe. Papendieck gibt die Größe mit 2.500 Quadratmetern an. Über einen städtebaulichen Vertrag verpflichtet sich die Investorengruppe zudem, einen altersgerechten Übergang zur Falkenberger Chaussee zu gestalten. Die Rede ist unter anderem von Arkaden. „Wir rechnen zum Ende des Jahres mit der Planreife“, sagt Jörg Papendieck. Der Bau selbst werde anderthalb Jahre Zeit in Anspruch nehmen.

Doch zumindest bei den Linken im Bezirk hält sich die Freude über die Gestaltung des Zentrums von Hohenschönhausen in Grenzen. Zwar kritisierte Fraktionschef Norman Wolf erst kürzlich den Zustand sowohl der Flächen zwischen Wartenberger Straße und Falkenberger Chaussee, auch forderte er mehr Aufenthaltsqualität für den benachbarten Prerower Platz. Doch auf einem von der Linksfraktion einberufenen Bürgerforum, auf dem eigentlich Ideen für die Gestaltung des Kiezes gesammelt werden sollten, gab es Kritik an dem Projekt der privaten Investoren, vor allem an den Plänen für den Verbrauchermarkt. „Das ist und bleibt der Konfliktpunkt“, sagt Prof. Dr. Jürgen Hofmann (Die Linke), der Vorsitzende des Ausschusses für öffentliche Stadtentwicklung und Mieterschutz. „So einen großen Verbrauchermarkt brauchen wir eigentlich nicht.“ Und weil sich die Linke das Thema Bürgerbeteiligung groß auf ihre Fahnen geschrieben hat, fordert Hofmann zum Protest auf: „Hier müssen sich die Bürger einbringen.“

Falsche Versprechungen?

Auf welchem Wege man sich konkret einbringen kann, ließ Die Linke auf dem Bürgerforum vermissen. Die Bürgerbeteiligung gibt gesetzlich vorgeschrieben, wenn ein Bebauungsplanverfahren in die Wege geleitet wird. Derzeit steht die Stellungnahme der Fachämter zu den Bedenken von Privatleuten, aber auch Verbänden und öffentlichen Einrichtungen aus, ein direkter Einfluss ist also nicht mehr möglich. Liegt die Stellungnahme vor, muss das Bezirksparlament einen Beschluss fassen, was im günstigsten Fall eine Baugenehmigung nach sich zieht. Allein die 55 Mitglieder der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) könnten das für Hohenschönhausen wichtige Vorhaben zu Fall bringen. Spricht sich die BVV gegen das Projekt aus, kann der Investor Schadenersatz vom Bezirk fordern, worauf auch Jürgen Hofmann hinweist. „Bislang sind bereits 700.000 Euro in Planungen und Gutachten investiert worden“, rechnet Papendieck vor. Und: Der Kaufpreis von rund 5 Millionen Euro für das landeseigene Areal wird erst mit Erteilung einer Baugenehmigung fällig. Versagt der Bezirk das entsprechende Papier, entgeht der öffentlichen Hand Geld. Und: Das politische Hin und Her gibt es bereits seit Jahren. Ein Wunder, dass die Investoren bislang noch nicht abgesprungen sind.

Gern hätte Papendieck die Möglichkeit gehabt, die Fragen der Anwohner auf dem Bürgerforum der Linken zu beantworten. Auch, weil Jürgen Hofmann die Größe des geplanten Kauflands in der Veranstaltung mit 4.350 Quadratmetern angab, „dabei sind es nur noch 2.500 Quadratmeter“, wie Papendieck erklärt. Doch er wurde erst gar nicht eingeladen. Stattdessen referierte der Ausschussvorsitzende Hofmann eine halbe Stunde im Schnelldurchlauf, weil er im Anschluss zu einer Ausschusssitzung musste. Den Rest des Abends versorgte der Bezirksverordnete Roman Veressov die Anwesenden mit Informationen – in dem er aus Drucksachen der BVV ablas, aber kaum konkret auf Fragen eingehen konnte. Und so war es nicht verwunderlich, dass Elke Schuster – engagierte Hohenschönhausenerin – Kritik übte. „Wir hatten ja auch bereits einen Projektbeirat“, erinnert sie die Linke verärgert, weil davon jetzt gar keine Rede mehr ist. Und Ulrich Löffler, einst Mitglied jenes Beirats, ärgert es, dass der Investor erst gar nicht zu diesem Bürgerforum eingeladen wurde. Und so scheiterte am Ende auch der Versuch, weitere Ideen für die Gestaltung des Hohenschönhausener Zentrums zu sammeln daran, dass keine nennenswerten Vorschläge aus dem Publikum kamen.

 

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