Wolfgang Apel mit 65 Jahren gestorben

Trauer um Berliner Tierheim-Chef

06.02.2017, Marcel Gäding

Wolfgang Apel (1951-2017). Fotos: Marcel Gäding (Zum Vergrößern bitte auf das jeweilige Foto klicken)

Falkenberg/ Bremen. Die Berliner Tierfreunde trauern um Wolfgang Apel. Der Präsident des Tierschutzvereins für Berlin starb am Wochenende nach langer Krankheit im Alter von 65 Jahren. Der engagierte Tierschützer war unter anderem maßgeblich am Neubau des Tierheims Berlin beteiligt, das vom Tierschutzverein für Berlin betrieben wird. Ein persönlicher Nachruf.

Die letzten Bilder, auf denen Wolfgang Apel zu sehen ist, zeigen einen von der Krankheit gezeichneten Mann. Im September vergangenen Jahres ließ er es sich trotz der körperlichen Strapazen nicht nehmen, den Tag der offenen Tür im Tierheim Berlin, seiner „Stadt der Tiere“, zu eröffnen. So oft es ging, pendelte Apel zwischen seiner geliebten Heimatstadt Bremen und der Bundeshauptstadt. Meist war er in Doppelfunktion unterwegs: Mal als langjähriger Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, mal als Präsident des Berliner Tierschutzvereins. Wenn er in der Stadt war, übernachtete je nach Terminlage entweder in der City West oder in seinem Weißenseer Stammhotel. Dort ließ er sich gerne von mir morgens abholen – meist in aller Herrgottsfrühe, „dann können wir im Auto noch das eine oder andere besprechen“. Apel mochte es nicht, wenn man auch nur einige Minuten zu spät kam. Wenn es hieß, um 7 Uhr morgens geht es ins Tierheim, stand er meist schon deutlich früher vorm Hoteleingang. Bevor das Tierheim öffnete, ließ er es sich nicht nehmen, einen Rundgang durch die Tierhäuser zu machen – meist verbunden damit, dass er „seine“ Affen mit Äpfeln, Bananen oder Nüssen fütterte. Zu den Primaten hatte Wolfgang Apel eine besonders enge Beziehung – stammten die meisten doch aus Tierversuchen und verbrachten nun ein schönes Leben im Tierheim. Zeit seines tierschützerischen Wirkens, sein erstes Tierschutzamt übernahm er mit Ende 20, kämpfte der Hanseat an der Spitze der deutschen Tierschutzbewegung unermüdlich gegen die aus seiner Sicht verzichtbaren Experimente an Tieren. Und nicht nur das: Apel recherchierte verdeckt in Sachen Tiertransporte, trieb sich schon mal auf Madagaskar herum (dort wurden Jahrzehnte Affen für Versuche gefangen) oder lieferte sich mit Bundes- und Landespolitikern Wortgefechte, wenn es darum ging, die Situation sogenannter Nutztiere zu verbessern. Am liebsten aber genoss er es, in aller Seelenruhe durch eines der Tierheime in Bremen oder Berlin zu gehen.

Einen Feierabend kannte Wolfgang Apel nicht

Das Berliner Tierheim war sein ganzer Stolz, aber auch Fluch zugleich. Als sich am alten Standort in Lankwitz eine Vereinskrise um die damalige Vorsitzende Erna Graff abzeichnete, ließ sich Apel 1993 in den Vorstand des Berliner Tierschutzvereins wählen. Sieben Jahre später übernahm er als Präsident die Geschicke des Vereins, neben seinen Verpflichtungen als Vorsitzender des Bremer Tierschutzvereins und als Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Einen Feierabend kannte Apel nicht, zumal er in einer Phase an die Spitze des Vereins kam, als händeringend ein Grundstück gesucht wurde, das zehnmal so groß sein sollte wie das alte, in die Jahre gekommene Tierheim Lankwitz. Selbst im Urlaub ließ sich der Chef per Fax über wichtige Ereignisse informieren. Als Teile des alten Berliner Tierschutzvereinsvorstands und der Tierheim-Geschäftsführung in die Schlagzeilen gerieten, weil sie Spendengeld veruntreut haben sollen, lernten Apel und ich uns kennen. Damals berichtete ich für die Berliner Zeitung und blieb Apel in Erinnerung, weil ich zuweilen nicht nachließ, bohrende Fragen zu stellen, aus deren Antwort sich ableiten ließ, dass nahe stehende Tierfreunde sein Vertrauen missbrauchten. Keine drei Jahre nach dem Umzug von Lankwitz in das neue, moderne Tierheim Berlin musste Apel seinen Stab auswechseln. Am Ende übernahm ich, gemeinsam mit einer Kollegin, die Pressearbeit. Später berief er mich in die Geschäftsführung.

Späte Würdigung vom Regierenden Bürgermeister

Wolfgang Apel war nicht nur auf dem Papier Beamter (er wurde für sein Ehrenamt vom Bremer Landesdienst freigestellt), auch im beruflichen Tierschutz-Alltag mochte er die Ordnung. Manuskripte bearbeitete er wie Altkanzler Schmidt mit grüner Tinte. Er hasste es, wenn sich Papier auf den Schreibtischen seiner Mitarbeiter stapelte. Wenn es aber um die Tiere ging, entwickelte er auch schon mal unkonventionelle Ideen. Als das Abgeordnetenhaus im Berliner Hundegesetz Restriktionen gegen sogenannte Kampfhunde aufnahm, wollte er mit einer Hand voll Pflegern und Tieren ins Rote Rathaus, um dort zu protestieren. Er konnte und mochte nicht akzeptieren, dass Hunde bestimmter Rassen per Gesetz kriminalisiert und dadurch so gut wie unvermittelbar wurden. Apel war hartnäckig. Gegen die Kritik aus den eigenen Reihen setzte er den Bau einer Auffangstation im Berliner Tierheim durch. Ein Herzensanliegen war zudem der Bau des Tierischen Klassenzimmers, einer Einrichtung für den praktischen Tierschutzunterricht. Er wusste: Wenn schon Kinder Respekt zu Tieren entwickeln, kann sich das langfristig nur positiv auf die Mensch-Tier-Beziehung auswirken. Sein Engagement ging oft über die Landesgrenzen hinaus, etwa, um Streunertiere in der Ukraine oder im türkischen Turgutreis kastrieren zu lassen. Trotz aller Disziplin, die er von sich und seinen Vertrauten erwartete, blieb er immer menschlich und fair. Konflikte, in die er häufig (unverschuldet) geriet, hasste er. Sah er  sich zuweilen Kritik ausgesetzt, konnte ihn das sehr kränken. Im Herbst zeichnete Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) Apel mit dem Verdienstorden des Landes Berlin aus. Eine längst überfällige Würdigung. In den Jahren davor interessierte sich auf Landesebene kaum jemand für sein Engagement, während Apel auf Bundesebene längst den Titel „Deutschlands oberster Tierschützer“ verpasst bekam – immerhin stand er mehr als 700 Tierschutzvereinen vor.

Zuletzt wurde unser Kontakt rar. Wir schrieben uns aber Weihnachtskarten. Er packte mir meist noch einen Kalender mit Tierbildern aus dem Bremer Tierheim in den Umschlag. Nächstes Jahr klappt es bestimmt mal mit einem Kaffee, hatte er 2015/ 2016 als PS unter seinen Jahresendgruß geschrieben. Als der Briefkasten zum letzten Jahreswechsel leer blieb, wusste ich, dass es ihm schlecht gehen muss. Am Sonnabend starb er in seiner Bremer Wohnung.

Unser Autor war von 2006 bis 2011 Leiter der Pressestelle im Tierschutzverein für Berlin und Sprecher des Vorstandes, an dessen Spitze Wolfgang Apel als Präsident stand.

Lesen Sie hier:

Pressemeldung zum Tod von Wolfgang Apel

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