An der Zossener Straße entstanden Tempohomes für Geflüchtete

Wohncontainer statt Turnhallen

14.10.2016, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Hellersdorf. Tempohomes sind Wohnanlagen in Containerbauweise, ein Pilotprojekt des Berliner Senates für die Unterbringung Geflüchteter. Sie werden an derzeit 30 Standorten in Berlin mit rund 15.000 Plätzen errichtet. Einer der Wohncontainer wurde  an der Zossener Straße 138 in Hellersdorf aufgebaut. In der nächsten Woche ziehen dort die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ein. Am Donnerstag, 13. Oktober, konnte der Standort erstmals besichtigt werden.

Tag der offenen Tür
Schön sind sie ja nicht gerade, aber praktisch und schnell zu bauen – die Tempohomes. Bis auf ein paar Kleinigkeiten sind die Container an der Zossener Straße 138 bereits eingerichtet, sodass sich Besucherinnen und Besucher zum Tag der offenen Tür schon mal ein Bild machen können, wie die neuen Nachbarn untergebracht werden. „Das war uns wichtig, das hatten wir ja zugesagt“, betont Gesundheits- und Sozialstadträtin Dagmar Pohle (Linke).

Endlich etwas Privatsphäre
Viel Aufwand wurde für den Bau der Unterkünfte nicht betrieben, schließlich haben sie nur eine ungefähre Lebensdauer von drei Jahren. Aber die acht Wohngebäude mit insgesamt 64 Wohneinheiten für vier bis acht Personen bieten alles Notwendige: Betten, Tische, Schränke, Kühlschrank, Bad mit Dusche und eine kleine Küche. Man mag die Einrichtung als karg empfinden und die Außenansicht als etwas trostlos, aber für die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner ist es eine enorme Verbesserung der Lebensbedingungen. Sie kommen aus den letzten beiden belegten Turnhallen in Marzahn-Hellersdorf und einer in Lichtenberg. „Ich glaube, sie werden froh sein, endlich etwas Privatsphäre zu haben, einen eigenen Raum, eine eigene Dusche und Toilette und die Möglichkeit, selbst zu kochen“, ist sich Dagmar Pohle sicher. Für sie ist es auch wichtig, dass die Geflüchteten aus dem näheren Umfeld kommen. „Sie haben ja bereits erste Kontakte geknüpft, sind mit ihrer Umgebung vertraut, ihre Kinder besuchen Willkommenseinrichtungen oder andere Einrichtungen“, erklärt sie.

Betreiber der Unterkunft für die nächsten neun Monate ist das Evangelische Jugend- und Fürsorgewerk EJF. Danach wird der Vertrag verlängert oder neu ausgeschrieben. Das EJF betreibt bereits 15 Einrichtungen für Geflüchtete in Berlin und Brandenburg mit derzeit 2.850 Plätzen, vier ambulante Dienste in Brandenburg, Clearingstellen und Wohngemeinschaft für unbegleitete minderjährige Asylsuchende sowie die Beratungs- und Vermittlungsstelle „Wohnungen für Flüchtlinge“ und das Deutsch-Arabische Zentrum als Begegnungsstätte. Hauptaufgabenfelder des EJF sind neben der Arbeit mit Geflüchteten die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe sowie die Alten- und Behindertenhilfe.

Freiwillige helfen bei den ersten Schritten
Fünf Sozial- und zwei Kinderbetreuungsstellen stehen für die Tempohomes zur Verfügung. Dazu kommen noch eine Hauswirtschafterin und ein Hausmeister sowie zwei Verwaltungskräfte, die den beiden Leitern Nayar Paknia und Christian Katzer zur Seite stehen. Sie hoffen, dass sich Bewohnerinnen und Bewohner finden, die sie bei der Betreuung der Geflüchteten unterstützen. Einen festen Unterstützerkreis wie an anderen Standorten gibt es in der Zossener Straße noch nicht. Aber einige der Helfer, die die Menschen aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und anderen Ländern im arabischen Raum schon in den Turnhallen betreuten, haben sich bereiterklärt, beim Umzug dabei zu sein und den Geflüchteten bei den ersten Schritten im neuen Zuhause beizustehen.

Kübelpflanzen machen es etwas wohnlicher
Noch ist alles kahl zwischen den weißen Wohnblöcken. Ganz in der Ecke leuchten zwei bunte Tretautos. Dahinter befindet sich das reichlich ausgestattete Spielzimmer. Für die älteren Schulkinder steht ein Hausaufgabenraum zur Verfügung, ihre Eltern können in einem Schulungsraum Deutsch lernen. Viel kann jetzt, kurz vor dem Winter, nicht an den Außenanlagen gemacht werden. Aber es werden einige Gehölze in Kübel gepflanzt, die dann neben den Eingangstüren stehen sollen. Die Erde dafür ist eine Spende der Pusteblume-Grundschule, freut sich die Chefin Nayar Paknia. Ihr Stellvertreter Christian Katzer fügt hinzu: Ja, die Container könnten auch bunt gestrichen oder bemalt werden, das werde noch mit den künftigen Bewohnerinnen und Bewohnern besprochen. Vielleicht zum Thema Welt oder Weltall, denn die „Straßen“ zwischen den Containerblöcken tragen Namen wie Milchstraße oder Merkurweg. Aber erst einmal müssen die 280 Menschen einziehen und sich in ihren zeitweiligen Unterkünften wohnlich einrichten.

 

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