Wird BVG-Bad wieder fit gemacht?

04.01.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Emmanuele Contini

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Wohl nur noch Eingeweihte wissen, was sich zwischen dem Stadion an der Siegfriedstraße und dem Landschaftspark Herzberge verbirgt: ein traditionsreiches Freibad. Allerdings wird das Sommerbad schon seit Ende der 1980er-Jahre nicht mehr als solches genutzt. Es ist nur noch eine Ruine mit Schwimmbecken und Sprungturm sowie den Baracken für die Umkleidekabinen, verdeckt durch das südlich davor liegende Stadion und hochgewachsene Bäume.

Schon Ende der 1980er geschlossen

Die bei der Anlage des BVG-Stadions auf einer Fläche von rund 20.000 Quadratmetern errichtete Badanlage an der Siegfriedstraße (im Volksmund „BVG-Bad“ genannt) wurde zunächst bis zum Zweiten Weltkrieg genutzt, lag danach Jahre brach. Ende der 1960er/70er-Jahre wurde sie dann wieder in Ordnung gebracht und diente als Sommervolksbad. Das wurde dann BVB-Bad genannt (die Ost-Berliner Verkehrsbetriebe hatten seinerzeit vom traditionellen Kürzel BVG Abschied genommen). Kurz vor dem Ende der DDR wurde das damals schon sanierungsbedürftige Freibad geschlossen. Seitdem verfällt die Anlage immer mehr. Das Bad gehörte übrigens nie der BVG, sondern schon immer dem Bezirk Lichtenberg.

Reaktivierung möglich?

Weil es in Lichtenberg Bedarf an einem zusätzlichen Freibad gibt (bisher nur Orankesee in Alt.Hohenschönhausen), hat die Fraktion der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) jetzt in einem Antrag das Bezirksamt ersucht, mit dem Senat, den Berliner Bäderbetrieben (BBB) und dem Verein BVB Gespräche aufzunehmen. Geprüft werden soll dabei, ob und unter welchen finanziellen und städtebaulichen Voraussetzungen eine Reaktivierung des Freibades möglich ist. Davon könne auch der Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf profitieren, in dem es überhaupt kein Freibad mehr gibt, so Linken-Fraktionsvorsitzender Norman Wolf.

Prüfauftrag in Marzahn-Hellersdorf

Das sieht man in Marzahn-Hellersdorf nicht anders. Denn auch dort kam fast zeitgleich in der Dezember-BVV die Forderung auf, sich im Einvernehmen mit dem Bezirk Lichtenberg für eine mögliche Reaktivierung des BVG-Bades an den Berliner Senat zu wenden. Doch das ist nur einer von fünf Punkten in einem interfraktionellen Antrag an das Bezirksamt bezüglich der Freibadmisere in Marzahn-Hellersdorf, die seit der Schließung des beliebten Wernerbades im Jahr 2002 beklagt wird. So soll ebenfalls geprüft werden, welche landeseigenen Flächen im Bezirk (ohne Vorhaltebindung) grundsätzlich für die Errichtung eines Frei-/Multifunktionsbades zur Verfügung stünden und ob die Flächen um das Kinderbad „Platsch“ grundsätzlich zum Ausbau als Freibad geeignet wären. Ebenfalls geprüft werden sollen folgende Fragen: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, um das (bisher offiziell nicht gestattete) Baden im Biesdorfer Baggersee zu erlauben? Wäre die Errichtung eines Freibades innerhalb der „Gärten der Welt“ durch die Grün Berlin GmbH im Auftrag des Senats denkbar?

Zunächst wird im Ausschuss debattiert

Der Lichtenberger Antrag wurde zunächst in den Schul- und Sportausschuss verwiesen, auch weil die CDU Bedenken anmeldete: Heike Wessoly hob hervor, dass eine teure Totalsanierung für das BVG-Bad erforderlich wäre. Die Bäderbetriebe hätten eine Übernahme abgelehnt, es gebe keine Hoffnung auf einen privaten Investor. Statt sich um die Bad-Reaktivierung zu kümmern, sollte man sich lieber Gedanken darum machen, wie die Fläche sportlich genutzt werden kann. In Marzahn-Hellersdorf, wo es in der BVV eine extra gegründete interfraktionelle Arbeitsgruppe Freibad gibt, wollen die Bezirksverordneten bis Mai Antworten vom Bezirksamt zu ihrem Fünf-Punkte-Katalog haben. Man darf gespannt sein.

Unser Vorschlag von 2015

Sollte die Reaktivierung des BVG-Bades als Freibad für die Lichtenberger und Marzahn-Hellersdorfer nicht klappen, LiMa+ hatte schon 2015 einen Vorschlag parat, hier noch mal zum Nachlesen … Allerdings war das Erscheinungsdatum der erste Tag im Monat April, deshalb hatten wir noch einmal ernsthaft nachgelegt. Die letzten Worte des Artikels übrigens lauteten: Kommunalpolitiker, übernehmen Sie!

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Leserkommentare

  1. Bad
  2. Das Bad war ziemlich sicher auch noch einige Zeit nach der Wende in Betrieb.

  3. Unserer Erinnerung nach war es schon vor dem Ende der DDR außer Betrieb. Bestärkt werden wir darin auch durch einen Beitrag in Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/BVG-Stadion). Aber egal: Wir haben gern dort gebadet und würden es begrüßen, wenn das wieder möglich würde…

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