Ausstellung im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf wurde erweitert

Wie seinerzeit bei Zille

08.09.2017, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf. Am bundesweiten Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 begangen wird, laden in Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg am kommenden Wochenende insgesamt 32 Denkmale zur Besichtigung ein. In diesem Rahmen werden im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf am Sonntag, 10. September, zwei neue Museumsräume vorgestellt. Sie konnten nach dem Umbau der sanitären Anlagen im Keller des alten Gutshauses am Hultschiner Damm 333 eingerichtet werden. Dort werden nun eine herrschaftliche Küche und eine Mägdekammer gezeigt. Die herrschaftliche Küche wurde umgebaut, die Mägdestube ist neu in der Ausstellung.

Durch Umbau zwei zusätzliche Ausstellungsräume

Museumsleiterin Monika Schulz-Pusch und Detlef Pusch haben die Zimmer in den vergangenen zwei Wochen eingerichtet. „Wir konnten die Sanitärräume mit Fördermitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin umbauen und haben dadurch zwei zusätzliche Ausstellungsräume gewonnen.“ Mit dem Dienstmädchenzimmer soll auch an die Lebensumstände der armen Schichten der Bevölkerung erinnert werden, so Monika Schulz-Pusch. „Bisher waren im Gründerzeitmuseum hauptsächlich die Salons der wohlhabenden Berliner ausgestellt.“

In den vergangenen fünf Jahren haben die Mitglieder des Förderverein fünf neue Museumsräume geschaffen. Bereits seit 2014 ist die Waschküche ausgestellt und ab 2012 war schon in einem anderen Raum eine herrschaftliche Küche zu sehen. Dort wird nun eine Arbeiterwohnküche gezeigt. Auch die Küche aus der berüchtigten Lesben- und Schwulenkneipe „Mulackritze“ kann besichtigt werden.

Wenn die Herrschaft klingelte…

Attraktion im Dienstmädchenzimmer ist die Rufanlage. „Die Herrschaften haben eine Klingelanlage betätigt“, erklärte Monika Schulz-Pusch. „In dieser Anlage klappte eine Karte um mit der Aufschrift ‚Küche’, ‚Bad’ oder ‚Salon’. So konnte das Dienstmädchen gleich erkennen, aus welchem Raum der Ruf kam.“ Das funktionierte damals schon elektrisch, die Karten wurden mit Hilfe eines Magneten geklappt. Anschließend stellte das Dienstmädchen per Hand dann die Anlage wieder zurück.

Museumsgründerin Charlotte von Mahlsdorf (1928 – 2002) hatte neben den Salons und den vielen mechanischen Musikautomaten auch Kücheneinrichtungen, eine Waschküche und die Möbel des Dienstmädchenzimmers gesammelt. Nun werden viele dieser Museumsstücke zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. „Charlotte brauchte eigentlich kein Dienstmädchenzimmer“, meint Monika Schulz-Pusch. „Sie war ja alles in einer Person, sie war Gutsherrin, Museumsdirektorin und ihr eigenes Dienstmädchen.“ Sie erklärt:„In der Arbeiterwohnküche finden wir das Zille-Milljöh. In diesem Raum spielte sich das ganze Familienleben ab.“ Die Mutter arbeitete in der Küche, auf dem Kohlenkasten saßen die Kinder spielten oder machten Schularbeiten und im Bett schlief der Schlafbursche. „Wir wollen mit den neuen Räume auch den Kontrast zwischen Arm und Reich in der Gründerzeit stärker hervorheben“, erklärt die Museumsleiterin.

Museum hat nun 17 möblierte Zimmer

Neben der Küchenausstellung steht noch ein weiterer Raum zur Verfügung. Dort wird eine Waschküche mit einer Pumpe, einer Trommelwaschmaschine und einer Wäschemangel ausgestellt– Zeugnis darüber, wie schwer seinerzeit das Leben einer Hausfrau und Mutter gewesen ist. „Damit bekommen unsere Besucher einen noch besseren Einblick in das Leben der Berliner um 1900“, sagte Monika Schulz-Pusch. Mit der neuen Ausstellung können die Besucher nun insgesamt 17 Zimmer im Gründerzeitmuseum besichtigen.

Das Museum hat am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 10. September, von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist an diesem Tag frei. Mitglieder des Fördervereins werden in den Museumsräumen den Besuchern die mechanischen Musikmaschinen vorspielen und aus dem Leben von Charlotte von Mahlsdorf berichten.
Gründerzeitmuseum Mahlsdorf, Hultschiner Damm 333, Tel. 5 67 83 29, Öffnungszeiten Sonntag und Mittwoch von 10 bis 18 Uhr. Gruppen können auch außerhalb dieser Zeit Termine vereinbaren.

Informationen über den Tag des offenen Denkmals, der in Berlin  am 9. und 10. September begangen wird, hier…

 

 

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