Sozialbehörden übernehmen oft Kosten für Beerdigungen

Wenn der Staat die Beisetzung zahlt

03.11.2017, Marcel Gäding

Erinnerung auf einem Berliner Friedhof. Einen Grabstein sieht die Sozialbestattung nicht vor. Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf/ Lichtenberg. Das Grab von Hannelore Krüger* ist nur schwer zu finden. Kein Stein erinnert an die vor einem Jahr verstorbene Rentnerin, die zuletzt in Hohenschönhausen lebte. Ihre letzte Ruhe fand die alte Dame in einer sogenannten Urnengemeinschaftsanlage neben vielen anderen. Geld für ein Grab oder gar einen Grabstein hatte ihr Sohn Manfred* nicht. Mindestens 3.000 Euro hätte er aufbringen müssen, um die Kosten für die Beisetzung aufzubringen. Geld, das er nicht hatte. Und so stellte er beim Sozialamt in Lichtenberg den Antrag auf Übernahme der Kosten und Gebühren. Krüger ist kein Einzelfall: Allein im vergangenen Jahr stellten in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf 285 Angehörige mit geringem Einkommen einen Antrag auf Übernahme der Bestattungskosten.

Manfred Krüger lebt von 867 Euro Rente im Monat. Als seine Mutter im Alter von 93 Jahren starb, war da nicht nur die Trauer, sondern auch die quälende Sorge um die Kosten. „Meine Mutter hatte nur eine kleine Rente“, sagt Krüger. Und er selbst kommt gerade einmal so über die Runden. Im Seniorenheim, in dem seine Mutter zuletzt lebte, gab man ihm den Tipp, sich an die Sozialbehörde zu wenden. Denn nach dem Sozialgesetzbuch steht jedem Unterstützung zu, der die Kosten einer Bestattung aus eigener Kraft nicht aufbringen kann. Ein ganzes Bündel an Unterlagen reichte Krüger an das Sozialamt weiter – unter anderem seine Kontoauszüge und seine Rentenbescheide.

Nach dem Gesetz ist Krüger sogenannter Bestattungspflichtiger. Das sind Angehörige von Verstorbenen, die in der Regel alle Kosten einer Beisetzung zu tragen haben. Weil ihm – wie es im Beamtendeutsch heißt – die Kostenlast nicht zugemutet werden konnte, übernahm der Bezirk die Kosten: 750 Euro als Pauschale für die Dienstleistungen des Bestattungsinstituts, darüber hinaus die Friedhofsgebühren und weitere Entgelte. Marzahn-Hellersdorf brachte vergangenes Jahr fast 168.000 Euro auf; Lichtenberg rund 246.000 Euro. Gemessen an der Zahl der Todesfälle bewilligten die Behörden bei rund 6 Prozent einen Zuschuss. Tendenz: sinkend.

Markant ist jedoch, dass die Zahl der „ordnungsbehördlichen Bestattungen“ zunimmt. Dabei handelt es sich um die Beisetzung Verstorbener, die keine Angehörigen mehr haben. 2016 lag ihre Zahl in Marzahn-Hellersdorf bei 135 (2012: 88) und in Lichtenberg bei 122 (2012: 97). Die Bezirksämter haben diesbezüglich Rahmenverträge mit Bestattungsunternehmen. Abgewickelt werden derartige Beisetzungen über die Gesundheitsämter.

Dass die Zahl der Sozialbestattungen rückläufig ist, hat viele Gründe. Der wichtigste: Angehörige erfüllen die Kriterien nicht, um einen Zuschuss zu erhalten. Sie müssen die Kosten irgendwie selbst aufbringen. „Das Preisbewusstsein ist in unserer Region stark ausgeprägt“, sagt eine Bestatterin, die anonym bleiben möchte. Viele Angehörige entscheiden sich für eine preiswerte Urnenbestattung auf einem Gemeinschaftsfeld – mitunter auch im nahen Brandenburg. Dort sind die Gebühren für Grabstätten meist niedriger als in Berlin.

Informationen zum Thema gibt es auf der Internetseite des Landes Berlin.

(*Namen von der Redaktion geändert)

 

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