Marzahn baut Standort für Bands und Musiker aus

Lizenz zum Krachmachen

31.01.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Wo,wenn nicht dort? An der einzigen Frank-Zappa-Straße Deutschlands entsteht ab Mai dieses Jahres ein weiteres Musikhaus: Im Zehngeschosser Frank-Zappa-Straße 11, bisher Sitz des Straßenbauunternehmens Eurovia, richtet die ARTtraktiv GmbH rund 200 Räume für Musiker verschiedener Genres und Nationalitäten ein. Das Haus befindet sich gegenüber dem Orwohaus (Frank-Zappa-Straße 19), das sich als „lauteste Platte Berlins“ bezeichnet, und in Anspruch nimmt, der größte selbstverwaltete Proberaumkomplex Europas zu sein. Es wird durch einen Verein, den Orwohaus e.V., verwaltet.

Ein Erfolgsmodell

Die ARTtraktiv GmbH ist ein privates Unternehmen. Dieses unterhält bereits in der Beilsteiner Straße 121, ebenfalls im Marzahner Gewerbegebiet zwischen Landsberger Allee und Allee der Kosmonauten, einen Proberaum-Standort. In diesem Plattenbau, früher ein Bürohaus, bietet sie Künstlern 12 bis 60 Quadratmeter große Räume zur Miete, nach eigener Aussage „zu günstigem Pauschalbonus“. Rund um die Uhr, sieben Tage pro Woche, kann dort geübt werden. Die Lage macht es möglich, wie auch im Orwohaus und im kommenden Haus an der Frank-Zappa-Straße. Denn im Gewerbegebiet können keine Anwohner gestört werden, auch wenn es einmal lauter wird. „Seit vielen Jahren gestaltet sich die Suche nach einem bezahlbaren, sicheren und gut erreichbaren Proberaum für viele Musikschaffende in Berlin zu einer großen Herausforderung. Immer mehr Räume… werden anders genutzt oder zur Nutzung gestrichen“, sagt Aline Freifrau von Godin, die Geschäftsführerin der ARTtraktiv GmbH. Das Erfolgsmodell des Unternehmens habe sich seit seiner Gründung bewiesen: In den vier Jahren habe es ohne öffentliche Fördermittel oder Subventionen eine Community aus internationalen Bands, Solomusikern, DJs und Producern, aus allen Kontinenten und allen Genres erschaffen, sagt von Godin.

“Musikfabrik” Orwohaus

Schon weitaus länger, nämlich seit 2004, gibt es das Orwohaus in seiner heutigen Form. Das ehemalige Gebäude der Filmfabrik Wolfen (Orwo=Original Wolfen), in dem schon vor diesem Zeitpunkt Bands ihre Räume hatten, sollte vor 14 Jahren vom damaligen Eigentümer Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) wegen Mängeln beim Brandschutz geschlossen werden. Durch viele Proteste, mit der Solidarisierung namhafter Künstler und auch der politischen Öffentlichkeit Berlins wurde das verhindert. Der in diesem Zuge gegründete Orwohaus e.V. konnte die „Musikfabrik“ dann mittels eines Kredits der Bank für Sozialwirtschaft erwerben. In den Jahren danach wurde das siebengeschossige Industriegebäude umfangreich saniert. Dafür flossen Mittel der Stiftung Deutsche Klasselotterie. Erst im vergangenen Jahr wurde die frühere Produktionshalle zu einer bis 800 Personen fassenden Mehrzweckhalle umgebaut. Denn im Orwohaus wird nicht nur geprobt – dort gibt es auch regelmäßig öffentliche Veranstaltungen und Konzerte, im Sommer sogar ein Festival.

Würde Frank Zappa gefallen

Internationales Aufsehen erregte im Jahr 2007 die Umbenennung der bisherigen Straße Nr. 13 zur Frank-Zappa-Straße, initiiert von den jungen Musikern im Orwohaus. In vier Monaten werden sich mit dem ARTtraktiv-Projekt nun weitere Bands und Solisten dort ansiedeln. Anzunehmen, dass das Frank Zappa gefallen würde: Die Straße, die seinen Namen trägt, wird zum Eldorado von, meist jungen, Musikern.

Bereits jetzt mehr als 1.200 Musiker

Nach Angaben von Godin beherbergt das ARTtraktiv-Haus in der Beilsteiner Straße 121 etwa 500 Musiker in 200 Räumen, in der Filiale an der Frank-Zappa-Straße 11 dürften es ebenso viele werden. Im Orwohaus gibt es rund 100 Proberäume und  über 700 Musiker in 200 Bands. Insgesamt sind das bereits jetzt mehr als 1.200 Musiker auf eine Distanz von einem knappen Kilometer – berlinweit Spitze.

 

 

 

 

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