Turnhalle muss Schulcontainer-Bau weichen / Bislang kein Ersatz

Weite Wege zum Sport

06.05.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Claudia Ahlrep (1), Birgitt Eltzel (2-4)

Kaulsdorf-Nord. Dringlicher Sanierungsbedarf wurde der Turnhalle der Grundschule an der Wuhle im Teterower Ring 79 seit Jahren attestiert. Diese wurde 1981 errichtet und nie modernisiert. Im Dezember 2016 wurde sie nun abgerissen, allerdings bislang nicht ersetzt. Auf der bisherigen Sportfläche entsteht ein Schulerweiterungsbau. Der sogenannte Modulare Ergänzungsbau( MEB) soll bereits zum nächsten Schuljahr in Betrieb gehen. Sport werden die Mädchen und Jungen, die dann dort lernen, allerdings in den nächsten zwei Jahren nicht auf dem Schulgelände treiben können. Wie die bisherigen Schüler der Grundschule an der Wuhle müssen sie dazu mehr als einen Kilometer weit laufen – Stangenklettern, Bockspringen und Turnen findet wohl noch für lange Zeit in der (Ausweich)Sporthalle Peter-Huchel-Straße 33 statt.

Baubeginn erst 2018

Denn die Aufstellung von neuen Schulcontainern koordiniert der Senat, er hatte die Baufreimachung der Fläche schon zum Dezember 2016 gefordert. Die neue Turnhalle ist in der Investitionsplanung des Bezirks. Und obwohl die Eltern der Grundschüler „Kein Abriss ohne Neubau!“ gefordert hatten, passierte genau das Gegenteil, kritisiert Claudia Ahlrep, deren beide Kinder die 3. und die 6. Klasse der Grundschule an der Wuhle besuchen. Auf eine Bürgeranfrage in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Daniela Palm, einer weiteren Elternvertreterin, teilte die für Immobilien zuständige Stadträtin Juliane Witt (Linke) nun sogar mit, dass ein (früher versprochener) Baubeginn im Jahr 2017 nicht möglich sei. Es gebe noch gar keine Baugenehmigung, eine Ausschreibung für die geplante neue Sporthalle sei in der zweiten Jahreshälfte 2017 vorgesehen. Als Baubeginn ist nun das Frühjahr 2018 avisiert. Mit der Fertigstellung wird laut Witt im Jahr 2019 gerechnet.

Hohe Kostensteigerungen

Bereits im Schulentwicklungsplan 2008-2012 wurde der Sanierungsbedarf der Sporthalle als dringlich bewertet. 2013 beschloss die BVV wegen gestiegener Kosten in Höhe von 100.000 Euro das Verschieben des Projekts in das Jahr 2015. In dem Jahr werden die Kosten im Schulentwicklungsplan (2013-2017) noch mit 3,6 Millionen Euro beziffert, in einer Vorlage zur Beschlussfassung durch das Abgeordnetenhaus vom Juni 2016 waren es schon 4,5 Millionen Euro.

Bus-Transport eingestellt

Die neue Zwei-Fach-Sporthalle soll ebenfalls auf dem Schulgelände entstehen, allerdings auf der nördlichen Seite. Bis dort Schulsport stattfinden kann, müssen die Kinder weiterhin zur Peter-Huchel-Straße laufen, über eine vielbefahrene Kreuzung. Denn der Transport der jüngeren Grundschüler mit Bussen, den Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD) von Januar bis März organisiert hatte, wurde eingestellt. Der Grund: Die Busse waren für die kleine Wohngebietsstraße zu groß, fanden oft keine Parkmöglichkeit in der Nähe, Schüler und Lehrer mussten sie dann im Wohngebiet suchen.

Viel Verlust an Sportunterricht

Claudia Ahlrep, Daniela Palm und Cornelia Lange, Mütter von Grundschülern der 1. bis 6. Klassen, die mit ihren Sorgen in die BVV gegangen waren, äußerten sich enttäuscht über die Antworten der Stadträte. Claudia Ahlrep sagt: „Wir glauben nicht an einen Baubeginn 2018.“ Sie kritisieren, dass die Kinder durch den etwa 40-minütigen Hin- und Rückmarsch viel an Sportunterricht verlieren.

Die Kinder haben inzwischen bunte Plakate gemalt. „Keine Turnhalle ist auch keine Lösung“, steht auf einem, auf einem anderen„Wir lernen gern an diesem Ort, leider gibt’s kaum Sport“. Und sie haben mit Hilfe ihrer Eltern ihre Meinungen aufgeschrieben. Aus der Klasse 6 heißt es: „Mit diesem Bericht möchten wir Ihnen zeigen, was bei uns ohne eigene Turnhalle los ist. Manchmal sind wir bei schlechtem Wetter losgegangen und das fanden wir nicht toll. Wir sind meistens den Umweg gegangen, dadurch war es auch anstrengend, zum größten Teil auch wegen der schweren Mappen. Da wir 5./6. Stunde Sport hatten, nahmen wir unsere Schulmappen mit zur Turnhalle der anderen Schule, weil wir nach dem Unterricht gleich nach Hause gingen. Wir müssten sonst über die Ampelkreuzung Cecilienstraße/Hellersdorfer Straße, wo wir oft in zwei Gruppen geteilt wurden, weil nicht lange genug grün war. Das war manchmal ganz schön gefährlich dort. Wir haben fast jeden Mittwoch seit Januar keinen Sport mehr, durch die Erkrankung der Sportlehrer, die den Weg ja sogar öfter am Tag zurücklegen sollen. Das finden wir eigentlich sehr doof, da wir Sport gerne machen. Die Sportstunden und Kompetenzen fehlen uns auch für den jetzt anstehenden Schulwechsel.“

 

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