Wenn Planungsverfahren lange dauern: Beispiel Landsberger Allee

Warten auf neue Wohnungen

15.05.2018, Sabine Flatau

Fotos: Sabine Flatau

Lichtenberg. Zehntausende Autos rollen täglich an der großen Brache nahe der Landsberger Allee vorbei. Sie erstreckt sich zwischen Arendsweg und Ferdinand-Schultze-Straße. Ein Selfstorage-Gebäude erhebt sich zwischen Wiesen. Auf alten Betonfundamenten wachsen Gräser und kleine Bäume. Bis Ende Mai gastiert ein Dino-Park auf der großen, ungenutzten Fläche. Sie liegt gegenüber dem Möbelhaus Ikea und dem benachbarten Globus-Baumarkt.

Mehr als 2.000 Wohnungen geplant

Doch die Vorbereitungen für Neubauten laufen. Mehr als 2.000 Wohnungen sollen auf der Brache entstehen. Sie ist Teil des Gebiets „Weiße Taube“, auf dem sich einst Kleingärten befanden. Nördlich der Brache sind in den 90er-Jahren rund 1.100 Wohnungen entstanden. Die bislang unbebaute Fläche ist in mehrere Grundstücke aufgeteilt. Vier Bauanträge seien gestellt, sagte Stadtentwicklungsstadträtin Birgit Monteiro (SPD) auf Anfrage des CDU-Verordneten Martin Schaefer. Sie könnten jedoch noch nicht genehmigt werden und ruhen derzeit. Zunächst müssen die Bebauungspläne für die Grundstücke weiterentwickelt werden. Diese Verfahren seien sehr komplex, so Monteiro. Probleme wie Lärmschutz, Verkehr, Sicherung der In­frastruktur und Artenschutz „erfordern einen sehr hohen Arbeitsaufwand und Abstimmungs- und Klärungsbedarf“. Wann die vorhabenbezogenen B-Planverfahren abgeschlossen werden, könne man nicht sagen, so die Stadträtin.

Van Caem will vor allem kleine Appartements

Das größte Vorhaben auf der Brache sind die Neubauten auf dem Grundstück Landsberger Allee 341/343, das an die Ferdinand-Schultze-Straße grenzt. Es ist ein Projekt des holländischen Investors Harry van Caem. Architekt ist Marc Kocher. Zunächst waren 860 Wohnungen geplant. Ende 2017 stellte der Investor den Antrag, die Zahl der Wohnungen auf 1.600 zu erhöhen. Diese Erhöhung kommt dadurch zustande, dass statt größerer nun vor allem kleine Wohnungen vorgesehen sind. 45 Prozent sollen nur ein Zimmer haben, etwa 30 Prozent zwei Zimmer. Der Rest sind vor allem Dreiraumwohnungen, und ein geringer Anteil an Vierraumwohnungen. Das Bezirksamt hat das Anliegen geprüft und zugestimmt. Abgelehnt wurden jedoch die Souterrain-Wohnungen, die Teil der neuen Planung waren.

Maximal acht Etagen

Die städtebauliche Struktur und die architektonischen Elemente aus der ursprünglichen Planung bleiben weitgehend erhalten. Die Baumasse ändert sich nicht. Die Gebäude werden maximal acht Etagen haben, die oberste soll als Staffelgeschoss gebaut werden. Zwei ursprünglich vorgesehene Dreigeschosser entfallen jedoch. Dadurch kann ein Grünzug in Verlängerung der Heldburger Straße entstehen, der bis zur Ferdinand-Schultze-Straße reicht und als Fuß- und Radweg dient. Durch die vom Investor gewünschte Änderung ist jetzt eine erneute, eingeschränkte Beteiligung der Behörden im Rahmen des B-Plan-Verfahrens erforderlich.

BVV debattiert am Donnerstag

Auf dem Grundstück Landsberger Allee 341/343 ist auch eine Tiefgarage mit 350 Stellplätzen geplant. Eine neue Kindertagesstätte wird im Sockel eines Gebäuderiegels Platz finden, der nahe der Hofheimer Straße entsteht. Im Vorhaben ist ein Anteil von 30 Prozent an Sozialwohnungen vorgesehen.

Die geänderten Pläne für die Landsberger Allee 341/343 sind Thema auf der Sitzung der BVV am 17. Mai. Er habe keine Sorge, dass es Leerstand in den Neubauten geben könnte, sagt Martin Schaefer. „Ein- und Zweiraum-Wohnungen lassen sich sehr gut vermieten.“

Auf dem Grundstück Landsberger Allee 315/319, auch ein Van-Caem-Projekt, werden 171 Wohnungen gebaut. Deluse architects planen die Anlage. Der Neubau soll unmittelbar am Selfstorage-Gebäude anschließen. Nächster Schritt im B-Planverfahren für dieses Projekt ist die öffentliche Auslegung der Unterlagen. Ein Vertrag zur Durchführung des Vorhabens liegt bereits im Entwurf vor. Das trifft auch für das Bauvorhaben auf dem Grundstück an Schleizer Straße und Ferdinand-Schultze-Straße zu. Dort sind 337 neue Wohnungen geplant.

Naheversorgungszentrum soll entstehen

Für das Grundstück der Firma Max Aicher Immobilien an der Landsberger Allee 323/339 gebe es noch keinen Bauantrag, sagt der Bezirksverordnete Martin Schaefer. Dort sei neben neuen Wohnungen auch ein großes Nahversorgungszentrum mit bis zu 3.600 Quadratmetern geplant. „Das wird hier dringend gebraucht.“ In der Umgebung fehle bislang ein Lebensmittelmarkt.

„Wir freuen uns sehr über die Bebauung der Brache“, sagt Martin Schaefer, der Mitglied im Ausschuss für ökologische Stadtentwicklung ist. Wohnraum sei dringend erforderlich. „Durch die Straßenbahn haben die künftigen Bewohner eine gute Verkehrsanbindung.“ Er hoffe, so der Verordnete, „dass die B-Pläne innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden“.

 

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Leserkommentare

  1. Warten auf neue Wohnungen
  2. Erst einmal finde ich die Idee mit verstärktem Wohnungsbau sehr gut. Wenn die Wohnungen bezahlbar sind wäre das sehr zu begrüßen.
    Bei den Einraum-Wohnungen wäre es trotzdem sinnvoll, eine kleine Ecke/Nische mit Fenster zum Schlafen extra zu konzipieren. Jeder möchte sich gern in seiner Wohnung etwas zurück ziehen können.

    Zu dem Text: “Auf dem Grundstück Landsberger Allee 341/343 ist auch eine Tiefgarage mit 350 Stellplätzen geplant. ” gebe ich zu bedenken, dass wir hier in der Gegend viel mit Schichtenwasser zu tun haben. Ein Parkhaus ist viel sinnvoller als Tiefgaragen. Vielleicht kann man an dieser Planung noch etwas ändern?

    Viel Erfolg ansonsten mit der schnellen Planung und realisierung

    Uta

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