Alfred-Brehm-Haus: Tierparkdirektor will endlich richtig loslegen

Warten auf die Baugenehmigung

25.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Friedrichsfelde. Rund um die Außenkäfige am Alfred-Brehm-Haus sind Bauzäune aufgestellt, die ersten der für die Raubtiere viel zu kleinen Gehege werden abgebrochen. Die Umbauarbeiten am 1963 im Tierpark Berlin eröffneten Gebäude haben begonnen. Doch Andreas Knieriem geht das nicht rasch genug. Der 52-jährige promovierte Veterinär, der seit April 2014 Chef von Tierpark und Zoo Berlin ist, würde gern viel schneller bauen. Aber die Mühlen der Berliner Bürokratie mahlen langsam: „Wir haben immer noch keine Baugenehmigung für die Gesamtmaßnahme“, sagte Knieriem gegenüber LiMa+. So seien derzeit nur vorbereitende Arbeiten möglich. Knieriem drängt, er möchte rasch mit dem Umbau des Hauses starten, Ende nächsten Jahres fertig sein. Dann soll dort die Vielfalt der Tropenwelt gezeigt werden. Knapp acht Millionen Euro soll der Umbau kosten, das Geld kommt aus verschiedenen Förderprogrammen.

Tiergerechte Umgestaltung

Das als Raubtierhaus gebaute, denkmalgeschützte Gebäude, das seinerzeit als das modernste Europas galt, genügt den heutigen Anforderungen zur Haltung von Großkatzen nicht mehr. Deshalb werde es tiergerecht umgestaltet, sagt Knieriem. Auch der Bestand wird deshalb dort reduziert. Ein Schild am früheren Löwengehege informiert, dass die Tiere in Vorbereitung auf die anstehenden Umbauarbeiten in andere Zoos umgezogen sind. „Ein Löwenrudel braucht viel Platz, deshalb planen wir eine neue naturnahe Anlage in einem anderen Teil des Tierparks“, werden die Besucher informiert. Statt der Löwen werden künftig auch Malaienbären im Brehm-Haus zu sehen sein. Denn diese gehören ebenso wie die vom Aussterben bedrohten Hinterindischen und Sumatra-Tiger, Java-Leoparden, Nebelparder und Asiatische Großkatzen zu Bewohnern des tropischen Regenwaldes. Gegenwärtig sind die Bären noch im früheren Menschenaffenhaus nahe dem Tierpark-Eingang Schloss Friedrichsfelde untergebracht.

Etliche Neuerungen schon durchgesetzt

Seit seinem Amtsantritt vor dreieinhalb Jahren hat Knieriem bereits etliche Neuerungen im mit 160 Hektar Fläche größten Landschaftstiergarten Europas durchgesetzt. So wurde der Eingang Bärenschaufenster umgestaltet, gleich dahinter eine naturnahe Anlage für die Präriehunde errichtet. Neue Spielplätze entstanden, die beliebte Plansche wurde dabei in maritimem Stil gestaltet. Auch die Gastronomie wurde modernisiert. An etlichen Anlagen wie beispielsweise bei den Kängurus wurden Zäune und Hecken so platziert, dass die Besucher den Tieren zumindest optisch näher kommen.

Eine Reise durch fünf Kontinente

„Doch das sind die kleineren Dinge, mit den großen wollen wir jetzt endlich auch beginnen“, sagt Dr. Knieriem. Denn der Tierpark soll attraktiver werden und deutlich mehr Besucher anziehen. Ein Masterplan bis 2030 (wir berichteten) sieht die Umwandlung der Anlage in Friedrichsfelde zu einem geografischen Zoo vor – Tiere sollen in den Landschaften gezeigt werden, in denen sie in der Natur vorkommen. Eine Reise durch fünf Kontinente wird dann in Friedrichsfelde möglich sein. „Allein Afrika wird auf unserem Gelände so groß sein wie der ganze Zoo Köln“, sagt der Tierparkchef. Einige der etwa 100 Millionen Euro, die für die Realisierung des Masterplans notwendig sind, sind schon für konkrete Maßnahmen verplant. So zum Beispiel für die Schaffung einer Himalaya-Berglandschaft. Diese war ursprünglich etwa 30 Meter hoch geplant, wird nun jedoch niedriger. Denn sie sollte ursprünglich aus Schuttbergen entstehen, die Knieriem als Altlast übernommen hatte. Doch mehr als 50.000 Kubikmeter Erde waren so stark belastet, dass sie abtransportiert werden mussten. Rund zwei Millionen Euro kostete das – Geld, das der Tierpark aus eigenen Mitteln dafür aufbringen musste und eigentlich anderswo gebraucht hätte. Der Abtransport des schadstoffbelasteten Erdreichs läuft noch bis Ende September. „Ich ärgere mich noch immer, dass mein Vorgänger uns dieses belastende Erbe hinterlassen hat“, sagt Knieriem.

Ab 2018 werden Veränderungen deutlich sichtbarer

Der Tierparkchef verspricht, dass ab 2018 die Veränderungen im Tierpark noch deutlich sichtbarer werden. Dann soll u.a. auch mit den Planungen zum Elefantenhaus begonnen werden werden: „Die Tiere werden innen mehr Platz bekommen.“ Und auch die Verwaltung, ein DDR-Systembau im Stil der späten 60er, der schon äußerlich einen ziemlich heruntergewirtschafteten Eindruck macht, wird im nächsten Jahr saniert: „Das Haus bekommt dabei eine komplett neue Fassade“, sagt der Tierparkchef.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden