Neue Ausstellung in der Galerie M: „Entartete Kunst –ein Metaxyum“

Warhols Debbie und Hitlers Blondie

24.06.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Die neueste Ausstellung in der Marzahner Galerie M, die am Sonntag, 25. Juni, mit einer Vernissage eröffnet wird, wurde so noch nie in Deutschland gezeigt: „Entartete Kunst – ein Metaxyum“ stellt Kunst in Frage und Fragen zur Kunst. Jeder kann, soll sich ein eigenes Bild machen, Ursprünge und Hintergründe aufdecken, Zusammenhängen hinterherspüren. 1.300 Artefakte, also Gegenstände verschiedenster Art, hat die W.A.S. dafür zusammengetragen. Die Buchstaben stehen für World Anonymus Society. Die seit 1968 bestehende Gesellschaft arbeitet anonym. Im Vordergrund stehen nicht die in ihr wirkenden Künstler, wurde uns bei der Pressevorbesichtigung am Freitag, 23. Juni, erklärt – es gehe um die Werke und um die Wissensvermittlung. Sie sieht sich in aufklärerischer Mission, indem sie durch ihre raumfüllende Präsentation eine neue, ungewöhnliche Perspektive auf die Geschichte der Menschheit (und deren Kunst) zeigt. Aus Kunstwerken entstehe die Kunstgeschichte, aus dieser ein Kunstwerk. Um von einem Zustand in den nächsten zu kommen, durchlaufe der Prozess einen Zwischenzustand – das Metaxyum (altgriechisch). Dieses ist etwas zwischen Museum und Wunderkammer, Original und Kopie, real und fiktiv…

Zusammenhänge und Differenzen

Es geht um Zusammenhänge und um Differenzen. So sind gleich nahe dem Eingang der Galerie an einer Wand Stücke zu sehen, die den ersten Teil des Ausstellungsmottos repräsentieren: Fotos und Plakate zum Thema „Entartete Kunst“. Als solche bezeichneten die Nationalsozialisten Werke von Künstler, die sie als „unwert“ diffamierten. Teils wurden die Bilder, Grafiken und Plastiken/Skulpturen beschlagnahmt, manche zerstört, teilweise ist ihr Verbleib noch heute ungeklärt. Bevor sie aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwanden, wurden viele ab dem 19. Juli 1937 noch einmal in einer großen NS-Propaganda-Ausstellung unter dem Titel „Entartete Kunst“ in München gezeigt. Mit der Schau sollte das gesamte Spektrum moderner Kunst in Deutschland aus dem sozialen und kulturellen Leben ausgeschlossen werden. Bei entsprechenden „Säuberungsaktionen“ der Nazis wurden über 20.000 Kunstwerke von etwa 1.400 Künstlern beschlagnahmt, so die Bundeszentrale für Politische Bildung.

Welche Verbindungen gibt es?

In der Galerie M werden zum Thema aber auch Reproduktionen von Aquarellen Adolf Hitlers gezeigt, die dessen malerische Minderbegabung beweisen. Gerade, wenn man die gegenüberliegende Wand betrachtet, die Werken der Renaissance gewidmet ist. Auch Blondie ist übrigens zu sehen, Hitlers Schäferhund – gegenübergestellt dem berühmten Porträt Andy Warhols der blonden Debbie Harry (1980). Gibt es da Verbindungen? Und wenn ja, welche?

„Es ist spannend, sich solche Fragen zu stellen“, sagt Galerieleiterin Karin Scheel. Sie sagt, dass der Besucher eine Zeitreise quasi von der Steinzeit bis in die Gegenwart machen könne – von der Mumie hinter Glas über eine klassische Diskuswerfer-Statuette bis hin zum in 3D gedruckten Sklaven Michelangelos. Dass die Ausstellung die falschen Besucher anzieht, erwartet sie nicht: „Es ist keine Devotionalien-Schau des Dritten Reichs, sie setzt sich im Gegenteil mit dessen Kunstverachtung und rassistischer Ideologie auseinander.“

Die Vernissage in der Galerie M, Marzahner Promenade 46, am Sonntag, 25.6., beginnt um 18 Uhr.
Die kommunale Galerie M hat bei freiem Eintritt montags bis freitags sowie sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. 

Zur Ausstellung gibt es ein Begleitprogramm von Labor M, dem Kunstvermittlungsprojekt in Marzahn, dessen Programm ab Sonntagabend online steht.
Eine Diskussionsrunde zum Thema „Entartet? – Kunstwerke und Kunstgeschichte“ mit Joachim Stein (Pecha Kucha Berlin), Dr. Andreas Hüneke (FU Berlin, Forschungsstelle Entartete Kunst), Karin Scheel (Galerie M) findet am Donnerstag, 27. Juli, um 19 Uhr statt.

 

 

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