Wagenburgler haben neuen Wohnplatz am Hegemeisterweg bezogen

Bunt und abwechslungsreich

12.03.2018, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Karlshorst. Was für die Betroffenen zeitweise aussichtlos erschien, ist nun doch gelungen: Die Lichtenberger Wagenburgler, die ihre bisherigen Plätze verlassen mussten, haben einen unbefristeten Mietvertrag für ein Grundstück am Hegemeisterweg erhalten. „Es ist so ein tolles Gefühl, anfangs konnten wir nicht glauben, dass wir endlich eine feste Bleibe für unsere alternative Wohnform bekommen“, sagt Fine. Die 21-jährige Studentin ist die Jüngste im Team, gehört zum Vorstand des Vereins Kosmolaut und damit zu den Unterzeichnern des Vertrages mit der landeseigenen BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH. „Ein Jahr lang haben wir für einen festen Platz im Bezirk gekämpft“, ergänzt Line. Wegen der Grundstücksknappheit in Berlin ein schwieriges Unterfangen. „Ohne die Hilfe von den Bezirksverbänden der Grünen und der Linken wäre der Erfolg ausgeblieben“, sind sich die beiden jungen Frauen sicher.

Raum für Projekte

Seit ein paar Wochen ist das Grundstück im Karlshorster Hegemeisterweg 68 jedenfalls aus seinem Tiefschlaf erwacht. Nachdem es fast 30 Jahre brach lag, kommt jetzt wieder Leben auf rund 4.000 Quadratmeter. Großzügig verteilt stehen 20 Wohnwagen, Fahrräder lehnen an den Wänden, Holz stapelt sich vor einigen Mobilen, und bei jedem Wetter halten sich Bewohner draußen auf. Schon jetzt steht fest: Es wird bunt, abwechslungsreich und für viele Außenstehende wahrscheinlich überraschend anders.

Das bezieht sich vor allem auf die Angebote, die die neuen Bewohner machen möchten. Schließlich wollen sie nicht isoliert leben, sondern ihre Ideen in Form von Stadtteilarbeit einbringen. „Wir schaffen Raum für Projekte“ erklärt Fine. Geplant ist beispielsweise ein Kiezgarten mit Hochbeeten im vorderen Bereich des Areals. Zudem soll künftig einmal die Woche gemeinsam im noch aufzubauenden Küchenbereich unter dem Motto „Küche für alle“ gekocht werden. In einem Massagewagen wird Shiatsu angeboten und geplant sind Workshops zu verschiedenen Themen, unter anderem zu Metallbau. Auch eine offene Fahrradwerkstatt soll entstehen.

Guter Kontakt zu den Nachbarn

„Der gute Kontakt zu den Nachbarn ist uns sehr wichtig“, betont Psychologie-Studentin Line. Deshalb gab es bereits im vergangenen Jahr ein Sommerfest, zu dem viele Anwohner kamen. Auf dem Flohmarkt an der Trabrennbahn stellten die Wagenburgler ebenso ihr Projekt vor. „Erfreulicherweise war die Resonanz durchweg positiv“, sagt die 30-Jährige. „Die wollten wissen, wann wir endlich herziehen und brachten uns nützliche Geschenke wie einen Tisch“, ergänzt Fine.

Dass es vielerorts Vorbehalte gegen Wagenburgler gibt, haben die beiden jungen Frauen auf anderen Plätzen erlebt. Mit den Anwohnern reden und gemeinsame Erlebnisse schaffen, sei ein gutes Mittel dagegen. „Zu unserem Team gehören interessante Leute, die mit dem, was sie können, eine Bereicherung für alle sind“, betont Fine. Sozialarbeiter, Philosoph und Dozent, Biologe und Sporttherapeut sind unter anderem dabei.

Leben in der Gemeinschaft

Und was reizt an dieser alternativen Wohnform? „Für mich ist es ein schönes Gefühl in der Gemeinschaft zu leben“, sagt Line. Wie in einer WG, in der jeder die Möglichkeit hat, sich auch zurückzuziehen. „Mir geben die anderen Rückhalt und bei uns kann jeder sein, wie er ist“, erklärt Fine. Und alle mögen es, so oft wie möglich, an der frischen Luft zu sein. Ihre Energie wollen die Neuen am Hegemeisterweg zunächst für die Fertigstellung ihres Wagendorfes einsetzen. Eine Handvoll Leute mit Wohnwagen können sie auch noch aufnehmen. Mehr nicht – denn die Weitläufigkeit des Geländes soll erhalten bleiben. „Wir müssen dann genau schauen, ob die Interessenten ins Team passen“, erklären die Frauen.

Auf jeden Fall werde es im April ein Einweihungsfest mit allen interessierten Nachbarn geben.

 

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