EmpFohlen: Besuch bei den Przewalski

20.09.2017, Pia Szecki

Foto: © 2017 Tierpark Berlin

Friedrichsfelde. Rund 1.335 Stunden Fußmarsch liegen nun zwischen ihnen und doch teilen die ehemaligen Tierpark-Gefährtinnen das gleiche Glück. Die Przewalski-Stuten Kokosa (im Foto mit Nachwuchs) und Barca sind in diesem Sommer beide Mutter geworden. Vier Jahre lang lebten sie in der Herde des Tierpark Berlin, bis Barca zur Retterin ihrer Art auserkoren wurde. Zusammen mit drei weiteren europäischen Stuten zog sie 2013 in den Nationalpark Gobi B in der Mongolei.

Während die eine noch immer Vollpension mit ärztlicher Rundumversorgung in Berlin genießt, muss die andere sich und ihren Nachwuchs nun gegen Wölfe verteidigen und bei Temperaturen bis zu -25 Grad selbst versorgen. So unterschiedlich die Bedingungen sind, eines verbindet die Stuten: Die liebevolle Fürsorge für ihre Fohlen, die sich beide prächtig entwickeln. Es war das erste Fohlen der jungen Barca, die am 21. Mai 2009 im Tierpark Berlin geboren wurde. Vater von Barcas Nachwuchs ist vermutlich der wildgeborene Hengst Mogoi. Knapp 7.000 km weiter westlich hat die erfahrene Mutter Kokosa erneut den Hengst Walc zum Vater ihres Fohlens auserkoren. Sie brachte ihr inzwischen siebtes Fohlen am 18. September im Tierpark Berlin zur Welt. „Die kleine Stute ist noch auf der Suche nach einem liebevollen Paten, dem der Artenschutz genauso sehr am Herzen liegt wie uns“, verrät die Zoologische Leiterin Nadja Niemann und berichtet von weiteren Erfolgen: „Im Juni 2017 konnte der Zoo Prag erneut vier Wildpferdstuten aus europäischen Tiergärten in die Gobi B umsiedeln. Dank der Unterstützung von Besuchern und Spendern war der Tierpark Berlin in der Lage, diesen Transport mit zu finanzieren. Das macht uns sehr stolz!“

„Ohne eine wissenschaftlich koordinierte Erhaltungszucht in Tiergärten gäbe es die wilden Herden in China und der Mongolei nicht mehr“, betont auch Tierparkdirektor Dr. Andreas Knieriem und macht deutlich: „Die Przewalskipferde galten seit 1969 in der Natur als ausgerottet. Nur durch Fachwissen, Mut und viel Geduld gelang es, die Pferde in ihrem ursprünglichen Lebensraum wieder heimisch werden zu lassen. Die Wiederansiedlung der Przewalskipferde gilt als eine der größten Erfolgsgeschichten bei der Erhaltung von Tierarten durch Zoologische Gärten.“ 25 Jahre nachdem mit den ersten Wiederansiedlungen von zoogeborenen Wildpferden begonnen wurde, leben heute wieder mehrere hundert Przewalski-Wildpferde in fünf Populationen in der Mongolei und China. In der Gobi B ist der Bestand dieses Jahr erstmals auf 200 Wildpferde angewachsen. So konnte die IUCN die Art auf der Roten Liste von der Kategorie „In der Natur ausgestorben“ auf „Vom Aussterben bedroht“ (1996) und 12 Jahre später auf die Kategorie „Stark bedroht“ (2008) herabstufen. Der Tierpark Berlin hat seit 1985 insgesamt 17 Wildpferde für die Wiederansiedlung und Zuchtzentren in China und der Mongolei zur Verfügung gestellt.

 

 

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