Kleine Gärten in der Stadt: KGA „Am Ahrensfelder Berg“

Vorbereitung auf den 30. Geburtstag

07.10.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Junge Leute wollen gesundes Gemüse selber ziehen und ihren Kindern Platz zum Spielen im Grünen bieten. Manche machen das in Gemeinschafts- und Allmendegärten. Andere treten Kleingartenvereinen bei, die noch vor einigen Jahren als Ausbund der Spießigkeit galten. Denn das Gärtnern auf eigener Scholle ist längst wieder in Mode, fast alle Kleingartenvereine haben inzwischen lange Wartelisten für Parzellen. In einer Serie haben wir seit dem Frühjahr wir interessante Anlagen vorgestellt und auch auch einige Tipps zum Garten und zum Gärtnern gegeben.
Heute Teil 8 und Schluss: Die Kleingartenanlage „Am Ahrensfelder Berg“ in Ahrensfelde, Ortsteil Eiche.

Eiche/Marzahn. Die letzten Himbeeren hängen am Strauch, verspeisen wird sie wohl niemand mehr außer den Vögeln, die hier reichlich herumflattern. Der Beeren-Nasch-Garten am Asternweg bereitet sich auf die bevorstehende Winterruhe vor, so wie die gesamte Kleingartenanlage „Am Ahrensfelder Berg“. Anfang Oktober wurde sie für die Öffentlichkeit verschlossen. Jetzt kommen nur noch die Kleingärtner, die ihre Parzellen winterfest machen und immer mal wieder nach dem Rechten sehen. Ab März kommenden Jahres steht die Anlage wieder auch den zahlreichen Spaziergängern zur Verfügung. Und in der nächsten Saison können auch alle, die Lust darauf haben, wieder von frischen Beeren am Asternweg naschen.

Öffnung für die Allgemeinheit

„Wir streicheln hier nicht nur Gartenzwerge“, sagt Herbert Mayer (78). Der hochgewachsene, schlanke Mann sagt, dass sich Kleingartenvereine heute viel stärker als früher für die Allgemeinheit öffnen. Die Anlagen seien schließlich Teil des öffentlichen Grüns und damit für alle zugänglich. Dieser Philosophie folgte auch 2012 die Errichtung des Beeren-Naschgartens: „Jeder kann dort die Früchte pflücken.“ Der Garten mit 50 Meter Länge und 3 Meter Breite ist Teil des abschüssigen Asternweges, auf dem im Winter bei Schnee gern Kinder rodeln. Er wurde 2012 angelegt und zum Ökologischen Erlebnisweg mit Insektenhotels, Nistkästen und Vogeltränken ausgebaut.

Patenschaft mit Kita in Eiche

Doch das ist längst noch nicht alles, womit sich der Verein ins gesellschaftliche Leben einbringt, sagt Mayer. Insbesondere mit Eiche, einem Ortsteil der Gemeinde Ahrensfelde, wird eng zusammengearbeitet. Denn die Kleingartenanlage ist mit 550 Parzellen zwar die größte im Berliner Bezirksverband Marzahn, erstreckt sich aber über rund 250.000 Quadratmeter vollständig auf dem Gebiet der Brandenburger Gemeinde. Mit der Kita „Regenbogen“ aus Eiche, dessen Kirchturm man aus der Anlage sieht, gibt es einen Patenschaftsvertrag. Um die Kinder an die Natur heranzuführen, finden regelmäßig Spaziergänge durch die Anlage statt, die natürlich in der warmen Jahreszeit immer auch zum Naschgarten mit seinen verschiedenen Sträuchern – von Stachel- und Johannisbeeren über Heidel- und Himbeeren bis hin zu Exoten wie den vitaminreichen Josta- und Goji-Beeren – führen. Was die Kleingärtner durch einen Kuchenbasar bei Gemeindefesten verdienen, kommt ebenfalls der Kita zugute.

Streit ist längst Vergangenheit

Nicht immer war das Verhältnis zwischen dem Dorf und den Marzahner Kleingärtnern so gut. Denn nach der politischen Wende in der DDR und der Wiedervereinigung 1990 hatte die damals noch selbstständige Gemeinde Eiche das Ende der 1980er-Jahre per Vertrag zu Kleingartenzwecken abgetretene Land zu Bauzwecken zurückgefordert, vier Jahre lang gab es einen Baustopp in der Anlage. Beendet wurde die Auseinandersetzung durch das Gericht: Die Schrebergärtner konnten bleiben, allerdings mussten 50 Parzellen für den Bau von Eigenheimen abgegeben werden. „Das ist aber längst Vergangenheit“, sagt Herbert Mayer, „heute gibt es ein gutes Miteinander.“

Grüne Oasen

Inzwischen bereitet sich der 1988 gegründete Kleingartenverein auf sein 30. Jubiläum vor. Herbert Mayer, der in Friedrichsfelde wohnt, gehörte zu den Gründungsmitgliedern. Er erinnert sich: „Damals gab es hier Weizenfelder und Wiesen, auch brachliegendes Gelände.“ Während die Kleingärtner rackerten, um ihre Parzellen herzurichten, fuhr Lkw um Lkw an den Ahrensfelder Berg heran. Mit Bauschutt und Erdreich, das beim Bau der Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf anfiel, wurde die Erhebung mit ihrer Doppelspitze auf ihre heutige Höhe von 114 Meter aufgeschichtet. „Damals war er noch kahl“, sagt Mayer, der für seinen Verein die Chronik führt. Heute ist er dicht mit Grün bewachsen – eine grüne Lunge für Marzahn, so wie auch die zu seinen Füßen liegende Kleingartenanlage.

Hälfte der Mitglieder hat Migrationshintergrund

Von den einstigen Gründungsmitgliedern werkeln noch etwa 70 auf ihrer Scholle, erzählt Herbert Mayer. Vielfach hat die Belegung der 550 Parzellen schon gewechselt – Leute sind weggezogen, haben sich ein Haus gebaut oder wurden zu alt, um Unkraut zu jäten, Gemüse zu ziehen und die Ernte einzubringen. „Anfangs kamen die Kleingärtner aus ganz Ost-Berlin“, sagt Mayer, „jetzt sind es vor allem Marzahner und Hellersdorfer.“ Etwa die Hälfte hat einen Migrationshintergrund, vor allem Spätaussiedler aus dem Gebiet der früheren Sowjetunion haben dort ihr kleines Paradies im Grünen gefunden. Man kennt sich, unterhält sich – und lernt auch voneinander. Mayers Gartennachbarn beispielsweise bauen sibirische Zwiebeln an, etwas aus der alten Heimat. „Und die sind der Kracher“, sagt Herbert Mayer.

Die Jubiläumsfestlichkeiten zu 30 Jahre Kleingartenanlage „Am Ahrensfelder Berg“ im Jahr 2018 haben ihren Höhepunkt mit einem dreitägigen Gartenfest auf dem vereinseigenen Parkplatz an der Eicher Chaussee, das vom 29. Juni bis zum 1. Juli veranstaltet wird.

 

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