Das Wuhletal im Wandel der Zeit

Von Rieselfeldern zum Erholungsraum

27.07.2015, Linna Schererz

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Die Arbeiten für die IGA Berlin 2017 gehen für jedermann sichtbar voran: In den „Gärten der Welt“ sieht es an manchen Stellen ein wenig nach einer Mondlandschaft aus – große Erdmassen müssen unter anderem für den Bau des künftigen Empfangsgebäudes am Blumberger Damm bewegt werden, auch an der vorgesehenen Freilichtbühne und den internationalen Gartenkabinetten wird gearbeitet. Auf dem Kienberg-Gipfel haben die Vorbereitungen für das Aussichtsbauwerk Wolkenhain begonnen, der Wuhleteich bekommt ein neues, sanft verlaufendes Ufer. Nicht jedem gefallen die Aktivitäten, manchem Anwohner hätte im Wuhletal die bisher vorherrschende (Fast-)Wildnis gereicht. Doch war das eiszeitlich geprägte Gebiet schon immer Veränderungen durch Menschenhand unterworfen – es wurde schließlich lange als Acker- und Rieselfeldfläche genutzt. Mit den Planungen für die Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf Anfang der 1970er-Jahre wurde das Tal dann als Freizeit- und Erholungsgebiet für die rund 300.000 Bewohner, die in die Plattenbausiedlungen links und rechts der Wuhle zogen, ausgewiesen. Interessante Details dazu finden sich in dem Bändchen „Von der Berliner Gartenschau zu den Gärten der Welt – Geschichte und Geschichten“, in dem der Verein „Freunde der Gärten der Welt“ Vorträge aus seinen Workshops in den Jahren 2010 bis 2013 zusammengefasst hat.

Kienberg fast verdoppelt
Wer weiß noch, dass der Kienberg, mit 102 Meter Höhe heute die sechshöchste Erhebung Berlins, einst ein sogenannter Kegelberg mit einer Höhe von lediglich 50 Metern war? Zunächst diente er, wie auch die heutige Biesdorfer Höhe (82 m) und die Ahrensfelder Berge (114,5 m), als Bauschuttkippe. Doch bereits in den Planungen 1974/75, berichtet Roland Korn, seinerzeit Chefarchitekt der DDR-Hauptstadt, „wurde die sogenannte Hellersdorfer Kippe (heute der Kienberg) mit Baumpflanzungen, Sträuchern, Wanderwegen und Ruheplätzen als Berg mit Blick auf Marzahn ausgewiesen“. Allerdings dauerte es bis zur massenhaften Erholungsnutzung, der Bau von Spazierwegen auf die Erhebung wurde beispielsweise erst in den 1990er-Jahren realisiert. Hans Georg Büchner, Bereichsleiter Freiflächen im Büro für Städtebau des Ost-Berliner Magistrats, später Gruppenleiter in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, erinnert daran, dass sowohl der Kienberg als auch die anderen beiden Berge mit einem Gegenhang versehen wurden – gedacht für Rodel- und Skinutzung. Der Gegenhang des Kienbergs wurde dann allerdings in die 1987 eröffnete Berliner Gartenschau (heute „Gärten der Welt“) integriert (Marzahner Ausguck) und steht nicht mehr für eine solche Nutzung zur Verfügung. Im Zuge der IGA 2017 könnte jedoch am Kienberg eine Sommerrodelbahn entstehen. Bisher ist aber unklar, ob das Projekt realisiert wird.

Leider doch kein Badespaß
110 Millionen DDR-Mark waren nach mehreren Magistratsbeschlüssen für die Gestaltung des Wuhletals vorgesehen, so Büchner. „Tatsächlich wurde von diesen Planungen bis 1990 kaum etwas verwirklich, soweit es nicht im Komplexen Wohnungsbau der angrenzenden Wohngebiete erfolgte.“ Denn Geld und vor allem Material waren knapp. Arbeitskräfte ebenfalls, deshalb fanden Pflanzungen vor allem im Rahmen der sogenannte Volkswirtschaftlichen Masseninitiative (VMI, kurz „Mach mit!“-Wettbewerb genannt) statt. Die Armee wurde ebenfalls eingesetzt, unter anderem zum Bau von zwei Pontonbrücken über die Wuhle. Ein vorgesehenes großes Freibad westlich des Kienberges fiel mangels Finanzen ebenfalls dem Rotstift zum Opfer. Bei den ersten Planungen für die IGA 2017 gab es – immerhin ist Marzahn-Hellersdorf der einzige Berliner Bezirk ohne Freibad – deshalb die Idee eines Trogbades (ähnlich dem Badeschiff in der Spree bei den Treptowers). Doch sie wurde rasch wieder verworfen. Das Projekt scheiterte aber nicht am Geld, sondern vor allem am Einspruch von Naturschützern. Denn das Wuhletal ist nicht nur Erholungsraum für die Anwohner und zunehmend auch für Besucher aus anderen Berliner Bezirken, sondern auch Natur- und Lebensraum für viele geschützte und schützenswerte Tiere und Pflanzen – ein Spagat, den es zu meistern gilt.

„Von der Berliner Gartenschau zu den Gärten der Welt – Geschichte und Geschichten, Teil 1.“ Erhältlich gegen eine Schutzgebühr beim Verein „Freunde der Gärten der Welt“.
E-Mail: info@freunde-der-gaerten-der-welt.de

 

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