Kulturhaus Karlshorst: Seit vier Jahrzehnten Mekka der Jazzfans

Von Dixieland bis Boogie Woogie

13.12.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Volkhard Kühl (1-10), Birgitt Eltzel (11)

Karlshorst. Mit einem Superlativ wartet der Jazz Treff Karlshorst im Advent auf: Am Sonntag, 17. Dezember, um 19 Uhr sind EB Davis & the Superband Gast im Kulturhaus an der Treskowallee. EB Davies stand mit Legenden des Jazz wie Ray Charles oder Isaac Hayes auf der Bühne. Der US-amerikanische Soul-Blues-Sänger, der seit langem in Berlin lebt und 2008 als Ambassador of Blues in die Hall of Fame in Arkansas aufgenommen wurde, hat sein Repertoire um einige eigenwillige Weihnachtssongs erweitert. Man darf gespannt sein…

Besucher aus ganz Berlin

Seit Anfang der 1970er-Jahre ist das Kulturhaus Karlshorst ein Mekka für Jazzfans. Begannen die Veranstaltungen (stets zum Hören und Tanzen) mit Oldtime-Jazz und Dixieland, wurde das Repertoire in den vergangenen Jahren um weitere Stilarten erweitert. Zur Tradition gesellten sich Blues, Swing und Moderne. Die zunächst umstrittene Vielfalt wird inzwischen von den Jazzfreunden, die nicht nur aus Karlshorst und Lichtenberg, sondern aus ganz Berlin kommen, akzeptiert.

Gefördert durch den Bezirk

Dass die Veranstaltungen mit nationalen und internationalen Künstlern im Kulturhaus zum Kult wurden, ist vor allem dem heutigen Ehrenvorsitzenden des Vereins Jazz Treff Karlshorst e.V., Karl-Heinz Drechsel, zu verdanken. Dieser, eine Größe in der DDR-Jazzszene, moderierte die anfangs nur halbjährlich, dann vierteljährlich stattfindenden Abende seit 1978. Bald waren es monatliche Dixielandveranstaltungen, die immer ausverkauft waren. Nach der politischen Wende gründete sich 1992, auch auf Initiative des damaligen Kulturhausleiters Jürgen Ast, der Jazz Treff Karlshorst e.V. War vorher, zu ökonomisch sicheren Zeiten als DDR-Kreiskulturhaus, die Veranstaltungstätigkeit nie ein monetäres Problem, muss der Verein seit seiner Gründung das Geld für Veranstaltungen, Saalmiete etc. selbst verdienen. Gefördert wird seine Tätigkeit durch den Bezirk Lichtenberg. Vorsitzender ist seit 2012 Dr. Frank Welskop.

Zwei Veranstaltungen im Monat

Michael Leonhardt ist seit 1993 im Verein aktiv als „Mann der Finanzen“. Er sagt, dass es mittlerweile zwei Jazz-Veranstaltungen im Monat gibt. Der 71-jährige diplomierte Ingenieur und Ökonom, der in seiner Jugend selbst Schlagzeug spielte und schon während seiner Abiturientenzeit sein „Jazz-Erweckungserlebnis“ hatte, war 1980 nach Marzahn gezogen. Sein Nachbar, ein Jazzfan, lud ihn kurz danach einmal ins Karlshorster Kulturhaus ein. Leonhardts „Jazzkarriere“ begann – erst als regelmäßiger Veranstaltungsgast, einige Jahre später als leitendes Mitglied im Verein.

Schwierige Jahre im Ausweichquartier

Leonhardt erzählt, dass sich insbesondere die Jahre zwischen 2010 und 2012 als schwierig für den Jazz Treff gestalteten. Das um 1900 als Restaurant mit Festsälen erbaute Kulturhaus, das nach 1945 von der Sowjetarmee genutzt, und erst 1966 wieder der Öffentlichkeit übergeben wurde, musste 2010 wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Als Ausweichquartier nutzte der Jazz Treff die Max-Taut-Aula am Nöldnerplatz. Diese war allerdings wegen ihrer Größe und Akustik nicht sonderlich geeignet. Mit der Fertigstellung des neuen Kulturhauses im Jahr 2012 wurden anfangs beide Einrichtungen parallel bespielt, seit 2016 finden inzwischen alle Veranstaltungen im Haus an der Treskowallee 112 statt.

Jährlicher „Monat des Jazz“

Dort wird seit 2013 im April jährlich der „Monat des Jazz“ zelebriert. Eine Fotoausstellung zeigt dann Bilder von Größen der internationalen Jazzszene, aufgenommen von den drei professionellen Fotografen des Vereins. Einer davon ist Volkhard Kühl, langjähriger Bildreporter bei „BZ am Abend“ und „Berliner Kurier“. Kühl sagt, dass seine Faszination für den Jazz als Jugendlicher nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. „Das ist eine Musik, die mich mehr als alle andere berührt.“

Ideen für neue Formate

„Wir haben eine Menge Ideen“, sagt Leonhardt. So sei im ersten Halbjahr 2018 ein Projekt „Jazz versus Beethoven“ geplant, auch das Format „Jazz meets Prosa“ soll ein- bis zweimal jährlich stattfinden. Mit dem Verein Lyra e.V. ist an Open-Air-Veranstaltungen auf dem Gelände der Kultschule an der Sewanstraße gedacht, mit der Evangelischen Kirche und dem Förderverein Freunde Amalienorgel fanden schon Veranstaltungen „Amalienorgel und Jazz“ statt. Zur Fête de la musique („umsonst und draußen“), die 2018 nach zwei Jahren Pause auch wieder in Karlshorst stattfinden soll, will der Jazz Treff ebenfalls beitragen. Und natürlich steht auch schon ein Großteil des Programms im Kulturhaus. Dort tritt im neuen Jahr als erste die Blue Wonder Jazzband aus Dresden auf (13. Januar), am 3. März 2 gegen 2 aus Leipzig. Special Guest ist dann Pascal von Wroblewski. Die bekannte Jazz-Sängerin und Schauspielerin war schon in den Anfangszeiten des Jazz Treffs Karlshorst häufig dort aufgetreten.

Mehr zum Programm und zum Jazztreff hier…

 

 

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