Filmpremiere von „True Love Ways“ in Hof

Vom Wuhletal in die bayrischen Berge

22.10.2014, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf/Lichtenberg. “Ruhe bitte – wir drehen” hieß es im September vor zwei Jahren tagelang im Gründerzeitmuseum Mahlsdorf und im Museum Kesselhaus Herzberge auf dem Gelände des Evangelischen Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge. An beiden historischen Orten entstanden wichtige Szenen für einen Krimi – oder wie es heute heißt, für einen Thriller.

Hauptdarstellerin Anna Hausburg
Der Film „True Love Ways“ von Regisseur Mathieu Seiler und Kameramann Oliver Geissler hat heute Abend, Mittwoch, 22. Oktober, um 22:45 Uhr bei den 48. Internationalen Hofer Filmtagen im Kino City seine Premiere. Hauptdarstellerin Anna Hausburg fiebert dem Ereignis schon entgegen. Zwei Tage vor der Premiere meinte sie, „Ich bin schon ganz aufgeregt und freue mich auf die Premiere.“ Am Montag war die Schauspielerin damit beschäftigt, das richtige Kleid für die Premierenfeier zu finden. „Das kleine Schwarze wird es nicht sein“, soviel verriet sie schon mal. „Laßt Euch überraschen, ich schicke Euch ein Bild von der Premierenfeier“. Die junge Berliner Schauspielerin stand schon für viele Filme vor der Kamera. Erst in der vergangenen Woche war sie bei RTL in der neuen Folge für ‚Kobra 11’ zu sehen. Zurzeit dreht sie an der Ostseeküste für die ZDF-Krimi-Serie „Soko Wismar“.

Intensive Dreharbeiten
Doch für Anna Hausburg waren die Dreharbeiten für „True Love Ways“ etwas ganz Besonderes. „Ich bin über meine Agentur zu den Dreharbeiten gekommen“, erzählt die Darstellerin. Sehr schnell war für Regisseur Mathieu Seiler klar, „das ist die Richtige für die Hauptrolle“, doch das wusste die Schauspielerin lange nicht. „Ich kam damals von anderen Dreharbeiten nach Berlin zurück“, erinnert sich Anna. „Im Flugzeug habe ich das Drehbuch gelesen und war sofort begeistert. Es waren die intensivsten Dreharbeiten, die ich bis dahin erlebt habe“, sagte sie. „Doch wir haben uns alle sofort gut verstanden und uns auch noch nach den Dreharbeiten getroffen.“ Anna Hausburg freut sich auf die Premiere bei den Festspielen. „Hof hat einen ganz besonderen Ruf, wenn ein Film für die Festspiele nominiert ist, dann ist das schon außerordentlich.“ Für sie habe dieses Filmfestival den höchsten Stellenwert nach der Berlinale, so die stets jugendlich und frisch wirkende Künstlerin.

Krimi mit Mord und Totschlag
Der Film „True Love Ways“ wird noch in zwei weiteren Vorstellungen – am Donnerstag, 23. Oktober, um 19:45 Uhr im Kino Regina und am Sonnabend, 25. Oktober, um 0.15 Uhr im Kino Central – zu sehen sein. Es ist ein waschechter Krimi mit Mord und Totschlag, mit Intrigen und falschem Spiel. Wie immer geht es um Liebe, Treue und Eifersucht. Im Mittelpunkt des Films steht Séverine – gespielt von Anna Hausburg. Sie ist jung, selbstbewusst und müsste eigentlich mit ihrem Leben zufrieden sein. Mit ihrem Freund Tom – gespielt von Kai-Michael Müller – führt sie ein glückliches Leben. Doch Séverine zweifelt an ihrem Glück und an der Beziehung zu Tom. Sie will ihn auf die Probe stellen. Sie kündigt ihrem Freund die Trennung an, der sich daraufhin in einer Kneipe fürchterlich betrinkt. Dabei trifft Tom einen Mann – gespielt von David C. Bunners – der ihm „die Lösung“ für seine Probleme anbietet, in Wirklichkeit aber ganz andere Interessen verfolgt. Bald fühlt sich Séverine beobachtet und will einige Tage in einem Haus am Meer ausspannen. Damit nimmt das Unglück seinen Lauf und endet anders als es sich der Zuschauer vorstellen kann. Aus der Fahrt ans blaue Meer wird eine Fahrt ins Grüne. Sie endet in einem dunklen Wald mit einem mysteriösen Haus.

Regisseur und Kameramann – Schweizer
Das schreckliche Spiel beginnt, meisterlich in Szene gesetzt von Regisseur Mathieu Seiler. Der Schweizer Buchautor und Regisseur kam vor zehn Jahren nach Berlin. Die Medienstadt reizte ihn. „Ich kannte die Stadt vom Urlaub und wollte hier arbeiten“, kommentierte Seiler seinen Schritt. Interessant für ihn war unter anderem auch, dass er in Berlin viel mehr Schweizer Filmemacher kennenlernte als in Zürich. „Meine Freunde Zu Hause hatten nichts mit dem Film zu tun“, sagt Seiler. So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass der zweite Mann beim Film – der Kameramann Oliver Geissler ebenfalls aus der Schweiz kommt und auch schon einige Jahre in Berlin lebt.

Mathieu Seiler hat sowohl das Drehbuch geschrieben als auch Regie geführt. „Bei mir im Kopf formen sich einzelne Szenen, einzelne Bilder, die sich dann zu Bildfolgen aneinander reihen“, erklärt er seine Arbeitsweise. So entsteht Schritt für Schritt ein Drehbuch. Jeder Regisseur hat seinen eigenen Arbeitsstil. Über Mathieu Seiler wird erzählt, dass er in seinem Drehbuch kleine Skizzen zu dem Film zeichnet.

Besondere Stilmittel
Die Handlung des Spielfilms ist zugleich ein Streifzug durch die Jahrzehnte. Seiler will die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpfen. So agieren seine Figuren im Umfeld der Gründerzeit und der 60 Jahre, nutzen aber die Technik des 21. Jahrhunderts. Sie sind mit der modernen Videotechnik unterwegs, benutzen Mobilfunk, aber fahren mit einem Auto der 60er Jahre. Der Filmeinstieg ist eine Szene in einem Park – dem Gutspark Mahlsdorf. „Es ist wie die Bühne in einem Theater, alle Schauspieler, alle Figuren stellen sich vor und verschwinden wieder bis zu ihrem eigentlichen Auftritt“, sagt Seiler. Er setzte bewusst eine lange, ruhige Szene an den Anfang, bevor die schnellen Szenenwechsel und die Dramatik des Films beginnen.

Ungewöhnlich in unserer Zeit der knalligen bunten Farben ist, dass der Film in Schwarz-weiß- Bildern gedreht wurde. Der Streifen lebt durch besondere Einstellungen, durch Kontraste und Unschärfen. Meisterlich von Oliver Geissler eingefangen. Der Film „True Love Ways“ wurde ohne Filmförderung gedreht. Das war nur möglich durch das Engagement aller Beteiligten, von den Maskenbildnern bis zu den Schauspielern. „Wir hoffen nun, dass wir durch die Festspiele einen Filmverleih finden, der uns auch in die Kinos bringt“, so der Regisseur.

David C. Bunners Gegenspieler zu Anna
Auch der Hauptdarsteller, David C. Bunners setzt auf die Hofer Filmtage. „Ich mag dieses Festival, dort kommt ein ganz besonderes Publikum zusammen“, erklärt er. „Ich bin auf die Reaktionen gespannt, die unser Film hervorruft.“ Schon bei der ersten Aufführung vor allen Mitwirkenden im Mai 2014 war der Schauspieler überzeugt. „Der Film hat einen großen Schauwert und unterhält das Publikum.“ Er kam durch einen Zufall an seine Rolle. „Schon unser erstes Treffen war toll“, schwärmt Regisseur, Mathieu Seiler. Ihm sei sofort klar gewesen: Mit Bunners habe ich den Gegenspieler zu Anna Hausburg gefunden. „Es war eine glückliche Kombination, die so gar nicht geplant war. Ich musste für die Rolle des durchtriebenen Kneipenbesuchers, der seine guten Ratschläge an Tom verteilt, nicht mit einem großen Casting suchen.“ Für die Schauspieler, den Regisseur und den Kameramann beginnen aufregende Tage in der Festspielstadt Hof. „Noch bis kurz vor Einreichungsschluss haben wir an dem Film gearbeitet“, sagte Seiler. Einige Szenen wurden gestrafft, sogar an der Filmmusik wurde noch einiges verändert.

Die Hofer Filmtage sind seit 1967 ein wichtiges Festival für den deutschen Film. Innerhalb von einer Woche werden über 130 Filme, davon auch 40 Kurzfilme, vorgestellt. Alle Streifen laufen als deutsche Erstaufführung bzw. Weltpremiere. Dazu kommt noch eine Retrospektive. Viele Beiträge wurden von jungen Filmschaffenden erstellt, einige kommen von Filmhochschulen. Auch deshalb gilt dieses Festival in Hof als Sprungbrett für Schauspieler und Regisseure.
Weitere Informationen zum Film: www.trueloveways.de

 

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