Beweidungsprojekt auf dem Biesenhorster Sand gestartet

Vierbeinige Landschaftspfleger

09.07.2015, Pia Szecki

Fotos: Umweltbüro Lichtenberg (1+2), NABU/ Sieste (3)

Lichtenberg. Ein stabiler Zaun zieht sich über Teile des östlich der Zwieseler Straße gelegenen Biesenhorster Sands. Das insgesamt 108 Hektar große Gebiet, das sich zwischen dem U-Bahnhof Biesdorf-Süd im Norden und dem S-Bahnhof Wuhlheide im Süden entlang der Bezirksgrenze von Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf zieht, wurde einst als Flugplatz, Laubenkolonie und Rangierbahnhof, später militärisch genutzt. Heute ist die Fläche als einmaliges Offenlandbiotop Heimat für viele bedrohte Pflanzen- und Tierarten. Mehr als 380 Blütenpflanzen, davon 21 aus der Roten Liste Berlins, 33 Vogelarten, also rund ein Viertel aller in Berlin brütenden Arten, und mehr als 380 Schmetterlinge und 22 Heuschreckenarten bewohnen die Trocken- und Halbtrockenrasen. Neuntöter, Heidelerche, Damenbrett (Schmetterling), Blauflügelige Sandschrecke, Zauneidechse, Gemeiner Wundklee und Sandstrohblume – die Artenliste liest sich wie das Who-is-Who des Artenschutzes. Auf einem etwa 23 Hektar großen Teil des Biesenhorster Sandes sind seit gut anderthalb Wochen nun 40 Schafe und Ziegen als vierbeinige Landschaftspfleger im Einsatz.

Beweidung dient dem Schutz des einzigartigen Naturraums

Das Bezirksamt und der Naturschutzbund (NABU) Berlin ergänzen damit die bisher geleistete Arbeit auf der Fläche um eine Schaf- und Rinderbeweidung, um die verschiedensten Lebensräume wie Halbtrocken- und Trockenrasen sowie ausgedehnte, offene Sandflächen zu erhalten. Zwar wird das Gebiet regelmäßig unter ehrenamtlichem Einsatz der NABU-Bezirksgruppe Lichtenberg und weiterer freiwilliger Helfer von Gehölzen, Sträuchern und Neophyten – wie Birkenaufwuchs, Spätblühende Traubenkirsche und Robinie – befreit. Doch der Pflegeaufwand rein durch Handarbeit ist sehr hoch. Durch zunehmende Verbuschung besteht die Gefahr, die wertvollen gefährdeten und geschützten Biotope zu verlieren. Um einen Großteil der aufwendigen Pflege zu bewältigen, wurden am 26. Juni robuste Schafe und Ziegen auf die neu eingerichteten fünf Koppeln getrieben.

Wegenetz macht Naherholung und Naturerlebnis möglich
Das Projekt ist Bestandteil von Vereinbarungen aus dem Städtebaulichen Vertrag zum Bebauungsplan XVII-50aa „Gartenstadt Karlshorst“, in dem eine Reihe von Ausgleichsmaßnahmen für den Biesenhorster Sand festgelegt wurden, deren Umsetzung im März 2015 mit dem Bau der Koppeln im Rahmen des Beweidungsprojekts begann. Neben den Koppeln wurde auch ein umfangreiches Wegenetz angelegt, um Besucher/innen mit einem besserer Zugang zum Naturraum zugleich die Möglichkeit zu eröffnen, Natur und Weidetiere hautnah beobachten und das Gebiet zur Naherholung nutzen zu können. Ein paar Regeln für den ungetrübten Naturgenuss gibt es allerdings: „Bitte bleiben Sie auf den Wegen und halten Sie die Hunde an der Leine“, appelliert NABU-Artenschutzreferent Jens Scharon an die Bürger/innen. „Wir haben hier die Gelegenheit, ein Naturerlebnis direkt vor der Haustüre der Anwohner zu schaffen und das gelingt nur, wenn alle Rücksicht aufeinander nehmen.“ Neben der ansprechenden Wegeführung wurde auch für Sitzgelegenheiten gesorgt. Auf Papierkörbe wurde hingegen, wie deutschlandweit in anderen Schutzgebieten auch, bewusst verzichtet. „Bitte nehmen Sie anfallenden Müll wieder mit nach Hause“, fordert Scharon.

Öffentliche Sitzung des Umweltauschusses informiert
Über die Neuerungen sowie weitere Planungen für den Biesenhorster Sand wollen das Bezirksamt Lichtenberg und der NABU Berlin am 14. Juli um 19 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Sitzung des Umweltausschusses der BVV Lichtenberg im Deutsch-Russischen Museum Karlshorst, Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin, informieren. Der NABU setzt sich seit Öffnung des Geländes für eine permanente Unterschutzstellung als Natur- bzw. Landschaftsschutzgebiet ein. „Viele der hier lebenden Tiere und Pflanzen galten in Berlin lange Zeit als ausgestorben und sind daher besonders schützenswert. Auf der einen Seite wollen wir der Natur einen Raum zur Entfaltung geben, auf der anderen Seite aber die Natur für interessierte Stadtmenschen erlebbar machen. Alle Bürger/innen sind daher eingeladen, sich über das spannende Projekt ‚Biesenhorster Sand‘ informieren zu lassen“, sagt Wilfried Nünthel (CDU), Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung.

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden