Vertrag für Wasserpark und Wasserhaus am Ostkreuz unterzeichnet

„Auf der Zielgeraden angekommen“

09.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-8), Hager Partner AG (9), Maske+Suhren (10,11)

Rummelsburg. Erez Ben-Nun hatte extra einen Stein aus seiner Heimat Israel mit gebracht. Den warf der Vizepräsident des Unternehmens Coral World International (CWI), am Freitagvormittag, 8. September, vom Solarboot Solon aus schwungvoll in den Rummelsburger See. Gewissermaßen als Stein des Anstoßes zur Entwicklung. Denn CWI will in der Rummelsburger Bucht ein sogenanntes Wasserhaus, ein Beobachtungszentrum für die Unterwasserwelt, errichten. Gleichzeitig wird das Unternehmen auf seine Kosten einen 6.000 Quadratmeter großen, öffentlichen Park zum Thema Wasser anlegen und diesen 20 Jahre lang pflegen. Ein entsprechender Vertrag zwischen dem Investor und dem Bezirk wurde am Freitag von Ben-Nun, Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke) und Stadtentwicklungs-Stadträtin Birgit Monteiro (SPD) unterzeichnet. Während der Veranstaltung demonstrierten junge Leute am Ufer und auf Schlauchbooten gegen das Projekt. Sie monierten Naturzerstörung und das Schaffen von weiteren Luxuswohnungen am See.

Neues Wohngebiet An der Mole

Wasserhaus und Wasserpark gehören zum geplanten neuen Wohngebiet An der Mole, das auf der Brachfläche an der Rummelsburger Bucht zwischen Kynast-und Hauptstraße, direkt am Ostkreuz, entstehen soll. Der Bebauungsplan soll noch in diesem Jahr von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschlossen werden. Im Frühjahr 2018 könnte dann der Grundstein gelegt werden. Das Gebiet An der Mole ist das letzte Areal, das an der Rummelsburger Buch, auch Lichtenberger Südküste genannt, bebaut werden soll. Bereits seit 25 Jahren wird laut Birgit Monteiro am Bebauungsplan gearbeitet. Sie sagte: „Die Bucht ist ein Erfolg und Aushängeschild für ganz Lichtenberg geworden. Die Fertigstellung des Wasserparks und des gesamten Projekts wird dem die Krone aufsetzen. Jetzt sind wir auf der Zielgeraden angekommen.“ Bürgermeister Grunst hob hervor: „Es war ein langer Diskussionsprozess, dorthin zu kommen, wo wir sind.“ Es habe unzählige öffentliche Tagungen, Runde Tische und andere Formen der Bürgerbeteiligung gegeben.

In Kiezforen konnten Ideen eingebracht werden

Einer, der immer mit dabei war, ist Hans Pagel. Seit Jahren engagiert er sich im Kiezbeirat. Das Wasserhaus findet seine Zustimmung, er sehe das Vorhaben positiv. Für sozialen Wohnungsbau sei das Gelände nicht geeignet. Dort brauche es mindestens 14 Meter tiefe Fundamente wegen des Schwemmlandes, das mache Bauten enorm teuer. Im Hinblick auf die Demonstranten sagte er: „Ich bin prinzipiell dafür, dass man seinen Protest Ausdruck verleiht, wenn einem etwas nicht passt. Ich hätte es aber begrüßt, wenn die jungen Leute vor vier Jahren zu den Kiezforen gekommen wären, wo wir um die mögliche Bebauung gerungen haben. Dort hätten sie ihre Ideen einbringen können.“

500.000 Besucher pro Jahr

Etwa 40 Millionen Euro will sich der Milliardärssohn und Naturaktivist Benjamin Kahn aus dem israelischen Eilat den Berliner Ableger von Coral World International kosten lassen. Das Unternehmen unterhält bereits Wasserparks in Israel, Australien, Mallorca und Hawaii. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Menschen für die „Botschaft des Wassers’, für die Einzigartigkeit und Schutzwürdigkeit der Meere zu sensibilisieren und zu begeistern“, sagte Kahns Vize Ben-Nun. CWI hatte auch andere Standorte in Berlin wie beispielsweise Spandau geprüft, sich aber letztlich für die Rummelsburger Bucht entschieden. Nicht nur, weil sie durch das Ostkreuz auch verkehrlich sehr gut angebunden ist, immerhin rechnet man mit 500.000 Besuchern pro Jahr.

Achtung der Natur des Wassers beginnt vor der Haustür

Auch der schwierige Zustand des Rummelsburger Sees, in den mehr als 150 Jahre lang Industrie- und andere schadstoffhaltige Abwässer geleitet wurden, habe die Standortentscheidung beeinflusst, erklärte Gabriele Thöne, die Projektkoordinatorin der Coral World Berlin GmbH. „Hier wird in besonderem Maße deutlich, dass die Achtung der Natur des Wassers direkt vor der eigenen Haustür beginnt und mit den Ozeanen, den Lebensadern unserer Existenz, auf das Engste vernetzt ist.“ Am Rande der Veranstaltung teilte Bürgermeister Grunst mit, dass der Bezirk inzwischen ein Gutachten zu Sanierungsmöglichkeiten und –kosten für den See in Auftrag gegeben habe. Die Ergebnisse sollen zum Jahresende vorliegen.

Wasserpark wird vor Wasserhaus fertig

Thöne, bis 2013 einer der damals zwei Vorstände für Zoo und Tierpark Berlin, sieht das Projekt als „dritten Weg“ zwischen Zoologie (Tierpark) und Entertainment (wie Sea Life). Im Wasserhaus werde es vor allem um die Ökologie gehen, Coral World verstehe sich als Plattform für dieses Thema. Eintrittspreise stünden noch nicht fest, würden vermutlich aber in ähnlicher Höhe wie die vergleichbarer Einrichtungen (Sea Life, Ozeaneum) liegen. Doch auch kostenfreie Veranstaltungen wie Workshops und Kinderwerkstätten seien geplant, viele davon auch im Wasserpark. Dieser soll im Wesentlichen zeitlich noch vor dem Wasserhaus fertiggestellt und zugänglich gemacht werden. Dort wird es Wassergärten, Terrassen, Bassins, Pflanz- und Liegeflächen sowie Spielplätze geben (siehe Plan in der Fotogalerie).

Beim Wasserfest in der Rummelsburger Bucht (Zille-Ufer) findet am heutigen Sonnabend um 14.30 Uhr eine Podiumsdiskussion mit den Direktkandidaten für die Wahl zum Bundestag zur Zukunft des Rummelsburger Sees statt. Eintritt frei.

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