Room in a box entwickelt preiswerte Wohnungseinrichtung

Vegane Möbel aus Wellpappe

09.05.2018, Angelika Giorgis

Fotos: RIAB/Lionel Palm

Lichtenberg. Gerald war schon immer ein Tüftler und Bastler. Ihn interessieren vor allem Konzepte, die dem weiteren Raubbau an natürlichen Ressourcen Einhalt bieten können. Der gelernte Bankkaufmann besuchte darum 2011 während seines Design-Thinking-Studiums am Hasso-Plattner-Institut Potsdam die Nachhaltigkeitsmesse in Berlin. Dort sah er ein Konzeptmöbel der Berliner Stadtreinigung, einen Sessel aus Pappe. Dieser Gedanke begeisterte ihn und ließ ihn nicht mehr los.

Finanziert über Crowdfunding

Design Thinking ist eine kreative Methode zum Entwickeln neuer Produkte, aber auch neuer Formen der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens der Menschen. Etwas später, nach dem Bachelor-Abschluss, traf Gerald auf einer Party bei Freunden Lionel, der das gleiche Fach studierte. Er absolvierte vor seinem Studium ein Praktikum in einer Wellpappe-Fabrik. Aus einer Fachsimpelei entwickelte sich die Idee, Möbel aus Wellpappe und Wabenkarton herzustellen. Doch davon hielten die Wellpappe-Hersteller, die die beiden jungen Männer ansprachen, zunächst wenig. Da kamen zwei mit einer Idee, die ihnen damals kaum wirtschaftlich erschien. Aber die Beiden gaben nicht auf. Sie bewarben sich an der Beuth Hochschule für Technik Berlin um ein Gründerstipendium, das ihnen 18 Monate lang den nötigen finanziellen Freiraum für das Umsetzen ihrer Ideen und die Vorbereitung auf den Markteintritt verschaffte. Anschließend finanzierten sie den Aufbau ihres Unternehmens über Crowdfunding.

Zuerst kam das Bett

In ihrem ersten Büro in der Kurfürstenstraße entwickelte das Team zunächst ein Bett aus Pappe. Das 15 Kilogramm schwere Schlafmöbel, das sich wie eine Ziehharmonika auseinanderfalten lässt, besteht zu mindestens 70 Prozent aus recycelten Papierfasern und kann zu 100 Prozent wiederverwertet werden. Die Wellpappe ist FSC-zertifiziert und wird mit Maisstärke verklebt. Zusammengeklappt und wieder verpackt, lässt sich das Bett sogar per Post verschicken. Die Nachfrage ist ungebrochen. Das Bett ist besonders bei den Berlinern beliebt. 20 Prozent der Produktion geht aber schon ins europäische Ausland.

Social Media und Onlinemarketing

Bekannt wurden die Möbel durch soziale Medien und Onlinemarketing. Sobald das Stück bezahlt ist, wird es noch am gleichen Tag an den Kunden versendet. Die Wellpappe kommt aus Deutschland. Auch die Möbel werden hier produziert. Sie sind vegan und preiswert. Ein Einzelbett kostet ab 99 Euro, während man bei nachhaltigen Holzmöbeln dafür etwa 2.000 Euro bezahlen muss. Eine Tonne Belastung pro Quadratmeter hält es aus. Mittlerweile sind auch Hocker und Steharbeitsplätze im Angebot. Ein Regalsystem wird gerade entwickelt und soll bald auf den Markt kommen.

Besonders strapazierfähig

Gerade in der heutigen Zeit, wo nicht nur Studenten sehr mobil sein müssen, bieten sich solche Möbel an. Sie lassen sich einfach zusammenfalten und wegtragen. Zudem sind sie strapazierfähig und pflegeleicht. Wer das erstmals hört, glaubt es meist nicht, denn bei Wellpappe denkt man zunächst an Versandmaterial. Doch Kraftpapiere halten viel, sie sind durch die Wabenform und ein bestimmtes Stecksystem besonders strapazierfähig. „Jedes unserer Möbel ist gut fürs Klima“, sagt Gerald. „Bei der Produktion entstehen wenig CO2-Emissionen.“ Preiswerte, oft billig furnierte Spanplatten hingegen, enthalten viele Chemikalien, werden meist in Übersee produziert und über die Ozeane nach Deutschland transportiert. Das macht sie ressourcenschädlich.

Firmensitz in Lichtenberg

Nach dem Studium suchte sich das Unternehmen über ebay-Kleinanzeigen neue Räume und fand eine alte Fabrikhalle in Lichtenberg, ohne Heizung und Fenster, aber für nur 270 Euro monatliche Miete. Mittlerweile ist es gleich um die Ecke in ein anderes Gebäude gezogen und mietete noch ein Büro hinzu. Die jungen Leute haben hier alles alleine renoviert und mit ihren selbst entworfenen Möbeln eingerichtet. Zwei junge Frauen, Julia und Leonie, gehören inzwischen auch zum Team. Sie studierten Produktdesign und Umwelt- und Ressourcenmanagement. Gemeinsam wollen die Vier in den nächsten Jahren eine komplette Zimmereinrichtung aus Pappe entwickeln.

Weitere Infos hier…

 

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