Kommentiert: So nicht! Kein Verständnis für Zerstörungswut

Vandalen gegen Beweidungsprojekt

03.03.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf (5), Birgitt Eltzel (1)

Marzahn-Hellersdorf. Am wegen seiner goldglänzenden Hülle „Schatzkästchen“ genannten Bezirklichen Informationszentrum an der Hellersdorfer Straße wurden in der Nacht zum vergangenen Sonntag wabenförmige Fassadenteile zerstört, die Müllstandsfläche aufgebrochen und irreparabel beschädigt. Montagnacht sind dann dort Aufkleber mit der Aufschrift „Kein Weidezaun im Wuhletal mehr“ angebracht worden, an Wände wurde mittels Edding mehrfach ebenfalls „Kein Weidezaun!“ geschmiert. Stadtrat Johannes Martin (CDU), u.a. für Umwelt zuständig, ist empört. Die Beschädigungen entstanden vor und nach einer Informationsveranstaltung zum geplanten Ausbau des Beweidungsprojektes im Kienbergpark zwischen Cecilien- und Eisenacher Straße, LiMa+ berichtete. Dort hatten einige Teilnehmer die diesbezüglichen Pläne des Bezirks vehement kritisiert.

Unikat beschädigt

„Bei aller kritischer Auseinandersetzung mit der Frage der Beweidung sowie der Frage der Beteiligung finde ich es sehr befremdlich, dass jetzt sogar Orte herhalten müssen, die eigentlich für den Dialog gedacht sind“, sagt Johannes Martin. Es wurde Anzeige erstattet.
Das „Schatzkästchen“ war im Zuge der IGA Berlin 2017 entstanden. Das Gebäude nach Plänen des Architekturbüros Partner + Partner kostete 1,4 Millionen Euro (Fördermittel aus dem Programm zur Entwicklung der regionalen Wirtschaftsstruktur) und ist ein Unikat. Jedes Fassadenteil wurde extra dafür angefertigt. Das Haus dient als Tourismusinfo des Bezirks, dort haben auch die beiden Parkmanager des Volksparks Kienberg ihren Sitz. Außerdem finden dort Veranstaltungen verschiedener Art statt.

Nicht das erste Mal

Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Bezirk im Umfeld mit Vandalismus auseinandersetzen muss. Bereits im Vorfeld der Internationalen Gartenausstellung war von unentdeckt gebliebenen Tätern ein Bagger in Brand gesetzt worden. Immer wieder wurden Zäune umgekippt und herausgebrochen, Pfähle für das bereits im Vorjahr geplante Beweidungsprojekt gefällt. Auch auf der Infoveranstaltung am Montagabend hatten Kritiker des Projekts darauf hingewiesen, dass sich, wie im vergangenen Jahr, Unmut von Anwohnern Bahn brechen könne. In einem Facebook-Post der im Jahr 2014 gegründeten, nur wenige Mitglieder zählenden Bürgerinitiative Kienberg-Wuhletal, werden die Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Weideprojektes nochmals aufgelistet und auch die kritische Sicht der BI auf die Infoveranstaltung dargestellt. Dort findet sich aber auch als letzter Satz: „Und wir? – Wie lange lassen wir Bürger uns dieses Schmierentheater mit traurigem Ausgang noch gefallen?“

Wer sind d i e Bürger?

Dass damit zum Vandalismus aufgerufen wird, soll keinesfalls behauptet werden. Allerdings macht es schon nachdenklich, dass eine verhältnismäßig kleine Gruppe für sich beansprucht, für d i e Bürger zu sprechen. Denn viele Marzahn-Hellersdorfer hatten die von der BI stark kritisierte IGA gern besucht, die Mehrzahl der Dauerkarten wurden bekanntlich von Anwohnern gekauft. Spaziergänger genießen den mit der IGA entstandenen Kienberg-Park, besonders Familien mit Kindern beobachten gern die bereits seit vergangenem Jahr dort weidenden Pferde. Sind das keine Bürger des Bezirks? Der Kienberg und alle Teile des Wuhletals, die zur IGA eingezäunt wurden, sind seit dem 1. März wieder öffentlich zugänglich, einige waren es schon seit Ende Januar. Beargwöhnt worden war jedoch im Vorfeld von den IGA-Kritikern trotz anderslautender Versicherungen des Bezirksamtes und der Grün Berlin GmbH, dass der Zaun ständig stehenbleibt. Eine häufig wiederholte Behauptung, die sich letztlich als unwahr erwies.

Experiment erst einmal beobachten – kritisch

Sollte deshalb nicht auch erst einmal das mit Naturschutzverbänden verabredete Experiment mit der Beweidung – durchaus kritisch – beobachtet werden, ohne es bereits im Vorfeld abzulehnen? Zumal es ja, wie angekündigt, zweimal im Jahr überprüft werden soll. Und vielleicht könnten auch Möglichkeiten des Dialogs gesucht werden, so zum Beispiel darüber, ob wirklich sechs Teilflächen für das Projekt gebraucht werden oder ob es nicht auch eine Nummer kleiner geht? Oder ob Weideflächen, auf denen keine Tiere stehen (diese sollen mehrfach umgesetzt werden), dann wieder geöffnet werden, so wie es bei einem ähnlichen Projekt an der Hönower Weiherkette geplant ist?  “Wir sind auf jeden Fall bereit zu dieser Diskussion”, sagt Stadtrat Martin. Eins macht er allerdings auch deutlich: Die Beweidung im Wuhletal werde kommen. Denn für das Projekt, einen Arche-Park mit gefährdeten Haustierrassen, gab es bereits Fördermittel. Diese müsste der Bezirk zurückzahlen, wenn das Beweidungskonzept nicht durchgesetzt wird. “Aber es kann geprüft werden, ob an den vorgesehenen Flächen nicht noch etwas geändert wird”, so Martin. Er betont, dass alle vorhandenen Spazierwege geöffnet bleiben und nicht durch die Beweidung beeinträchtigt werden.

Täter endlich dingfest machen

Es muss konstatiert werden, dass das Projekt nicht allen Anwohnern gefällt. Was aber nicht geht, ist Vandalismus wie am “Schatzkästchen” und das Absägen von Zaunpfählen. Zu hoffen ist, dass das Gebiet nun genauer beobachtet wird (und sei es durch Überwachungskameras oder nächtliche Streifen), Täter endlich dingfest gemacht werden und zur Rechenschaft gezogen werden. Denn was eigentlich gibt diesen das Recht, ihre Meinung als Bürger auf diese Art und Weise gegen die Meinung anderer Bürger durchsetzen zu wollen, koste es, was es wolle? Für Zerstörungswut zur Durchsetzung von Interessen kann es jedenfalls kein Verständnis geben.

 

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Leserkommentare

  1. Nicht wegen Vandalen einknicken
  2. Ich finde die Beweidung eine richtig gute Idee. Der Park ist auch nach und gerade nach der Umgestaltung groß genug. Schon allein wegen des Vandalismus’ sollte der Plan jetzt nicht mehr geändert werden. Die Täter haben jedenfalls gezeigt, was für tolle Bürger sie sind….

  3. Da stimmen wir zu
  4. Wir finden das auch. Vielleicht müsste man an der einen oder anderen Stelle aber noch etwas nachbessern. Dazu müsste man das Gespräch suchen…

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