Auszeichnungen für engagierte Männer

Väter bekommen Bärenpreise

12.06.2015, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Marzahn. Engagierte Männer, die nicht nur ihre eigenen Familien unterstützen, sondern auch Alleinerziehenden helfen, sich in Sport- und anderen Vereinen für Kinder und Jugendliche engagieren, wurden am Donnerstag, 11. Juni, im Festsaal der Alten Börse Marzahn geehrt. Erstmals in einem Berliner Bezirk wurde ein Väterpreis, der „Kienbär“, vergeben. Die Auszeichnung, ein etwa fünf Kilogramm schweres Bärchen aus Metall, entworfen und gefertigt in den auf dem Börsengelände ansässigen Marzahner Kunstwerkstätten der Künstler Kerta von Kubin und Claudio Greco, wurde an drei Familienväter übergeben, die von einer Jury ausgewählt worden sind. Alle anderen 37 Bewerber um den „Kienbär“ erhielten Urkunden zur Erinnerung.

40 Nominierungen
Insgesamt 40 Nominierungen waren eingegangen. „Der Kienberg in Marzahn war der Pate für den Namen des Preises“, so erklärte Christoph Mönnikes, einer der Auszeichnungs-Initiatoren. Dazu kam noch die Idee, dass „der Kuschelbär das Lieblingstier aller Kinder ist.“ Er verwies darauf, dass sich Väter lange Zeit die Aufgabe als Betreuer der Kinder nicht zugetraut hätten. Aber das alte Rolleklischee der Familie funktioniere heute nicht mehr so wie vor zwei bis drei Generationen. „Viele Männer haben ihre Verantwortung in der Erziehung und im Haushalt entdeckt und wollen sie auch wahr nehmen.“ Familienstadträtin Juliane Witt (Linke) ergänzte: „Ein moderner Bezirk wie Marzahn-Hellersdorf braucht auch ein modernes Männerbild.“ In der Werbung und in den Medien sei leider immer noch oft das uralte Bild von der Frau am Herd dargestellt. Die Reaktion auf den Aufruf für den Preis habe gezeigt, dass in der Gesellschaft längst ein Umschwung stattfindet: „Auch Väter können ihren Kindern wichtige Erlebnisse schaffen.“

BVG-Chefin hielt Laudatio
Der 1. Preis ging an Andre Andreazza. Der 39-jährige Familienvater ist vor sieben Jahren aus Märkisch Oderland nach Marzahn gezogen. Er ist Vater von vier Töchtern und engagiert sich ganz selbstverständlich im Bezirkselternausschuss. In der Laudatio wurde besonders darauf verwiesen, dass er in seinem „5-Mädel-Haushalt“ immer den Überblick behält und nicht aus der Ruhe zu bringen ist. Andre Andreazza ist Programmierer und arbeitet von zu Hause aus.  Er kann sich seine Zeit einteilen, ist aber immer für die Kinder da. So unterstützt er auch die Kita, in dem er mit den Kindern in den Tierpark geht oder in die Gärten der Welt.

Der 2. Preis ging an Rene Lufter. Für ihn hielt die BVG-Chefin Sigrid Nikutta die Laudatio.  „Der Preisträger ist 46 Jahre alt und hat die Statur eines Bären“, erklärte Nikutta. „Für seine Frau und die beiden Mädchen ist er der Fels in der Brandung.“ Rene Lufter hat 2008 seine Frau Katja geheiratet, die im Bezirk als Friseurmeisterin arbeitet. Was beiden fehlte, war die Zeit für die Kinder. Deshalb hat Rene Lufter seinen Zeitungskiosk in Biesdorf aufgegeben. Einerseits bedauert Nikutta das, denn der Zeitungsladen war ein Kommunikationspunkt in der Oberfeldtstraße. Anderseits bewundert sie den Preisträger, denn er geht nachts noch arbeiten, wenn die Familie schläft. „Es ist ein ungewöhnlicher Mann, der sich selbst in den Hintergrund stellt, der immer für die Familie da ist, in der Freizeit viel Sport mit den Kindern macht und mit ihnen gemeinsam lernt.“

Der dritte „Kienbär“ wurde an Felix Bartsch verliehen. Sein Sohn Florian hatte ihn vorgeschlagen. Er ist nicht nur ein liebevoller Vater und Opa, hieß es in der Laudatio, sondern er hat auch noch 15 Pflegekinder betreut und ihnen einen guten Start ins Leben ermöglicht. Sohn Florian findet es besonders gut, dass der Vater nach der 40-Stunden-Arbeitswoche immer für die Familie da ist. Ein Mann, der mit den Kindern spielt, nachts aufsteht, wenn der Säugling schreit, das Baby füttert, Wäsche wäscht, Möbel selbst baut, Spielsache repariert und auch oft am Kochherd steht.

Zwei „Spitzenväter“ aus Marzahn-Hellersdorf
Initiator des Marzahn-Hellersdorfer Väterpreises ist Christoph Mönnikes, Ehemann von BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Der Controller bei einer großen Firma hat seine eigene Karriere zurückgestellt, um sich in Elternzeit für die vier Kinder der Familie zu kümmern, während seine Frau arbeiten geht. 2013 wurde er deshalb mit einem von einer Großbäckerei ausgelobten bundesweiten Preis als „Spitzenvater des Jahres“ ausgezeichnet. Übrigens kommt auch 2015 der deutsche „Spitzenvater des Jahres“ aus Marzahn-Hellersdorf: Norman Heise, der Teilzeit arbeitet und sich „hauptberuflich“ um seine beiden Söhne kümmert, ist Vorsitzender der Landeselternausschüsse Schule und Kita.
In der „Kienbär“- Jury saßen neben Mönnikes und Heise auch Anett Dubski vom Netzwerk Alleinerziehende und der Familienberater Martin Schönicke vom pad e.V. Im „Aktionskreis  Kienbär“ wirken ebenfalls Familienstadträtin Witt sowie Thomas Scholz, Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft Marzahner Tor mit. „Viele Marzahner und Hellersdorfer haben Vorschläge gemacht, wer geehrt werden soll“, sagte Witt. „Auch Kindertagesstätten und Sportvereine haben sich beteiligt.“ Sie freue sich, nun Väter zu ehren, denen die Erziehung der Kinder, die Partnerschaft so wichtig sind. Vor allem sind es Männer, die sich auch im Ehrenamt engagieren, in der Kita oder in der Schule ihrer Kinder mitwirken.

Neue Angebote für Väter
Auch im kommenden Jahr soll der „Kienbär“ wieder verliehen werden. Schon jetzt aber gibt es neue Angebote für Väter im Bezirk, die passend zur Preisverleihung gestartet wurden. Ein Treffpunkt für Väter wurde vom pad e.V. im Familienhaus Kastanie in Hellersdorf, Kastanienallee 55, ins Leben gerufen. Schon seit dem 3. Juni gibt es den Treff, der immer am Mittwoch von 10 bis 12 Uhr stattfindet. Ebenfalls Anfang Juni ist der „Papa-Alarm-Treff“ im Familienhaus gestartet. An jedem 1. und 3. Donnerstag im Monat treffen sich die Väter von 18.30 bis 20 Uhr.  Am 9. Juli startet die Vätergruppe „Freeforall“, dabei können sich werdende Väter mit erfahrenen Vätern austauschen. Die Gruppe trifft sich an jedem 2. Donnerstag im Monat. An jedem Montag gibt es im Haus in der Kastanienallee zudem von 15 bis 17 Uhr eine Beratungsstunde (nur nach Anmeldung). Außerdem plant der Vätertreff regelmäßige Fahrten für Väter mit Kindern. Der erste Ausflug geht am 25. Juli in den Freizeitpark Germendorf, weitere Fahrten werden folgen. Ansprechpartner für die Väter ist Paul Kronhart, Telefon: 0176/97 44 16 85, e-mail: vaeterarbeit@pad-berlin.de, weitere Infos im Internet >>.

In Marzahn lädt ab 30. Juni an jedem Dienstag die Gruppe „Man Papa…!“ ein. Das soll ein lustiger Spielenachmittag für Väter mit Kinder von 9 bis 12 Jahren werden. Die Gruppe kommt an jedem Dienstag von 16 bis 18 Uhr im Haus am Akaziengrund, Allee der Kosmonauten 77, zusammen. Spaß, Sport und Bauen stehen dabei im Mittelpunkt.

 

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