Unternehmen in die Schulen

09.05.2015, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

Marzahn. Wie ein Azubi sieht Victor Geistler eigentlich nicht aus, eher wie ein gestandener  Verkäufer, der die Wünsche eines Kunden schon kennt, bevor der überhaupt darüber nachdenkt. Und doch ist der 24-Jährige im ersten Lehrjahr der Ausbildung zum Automobilkaufmann. Zusammen mit zwei Kollegen aus seinem Ausbildungsbetrieb Koch Automobile AG und anderen Unternehmen stellt er am Donnerstag, 7. Mai, in der Johann-Julius-Hecker-Schule, Hohenwalder Straße, verschiedene Ausbildungsberufe vor.

Noch nicht alle wissen, was sie werden wollen
Die Aktion „Unternehmen in die Schulen“ des Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreises (MHWK) war im vergangenen Jahr im Wilhelm-von-Siemens-Gymnasium sehr erfolgreich gelaufen und soll nun auf Sekundarschulen ausgedehnt werden. Eine Arbeitsgruppe des Wirtschaftskreises hat sie entwickelt, um die Schüler bei ihrer Berufsorientierung – und die Unternehmen bei der Suche geeigneter Auszubildender zu unterstützen. Zwar haben die meisten Jugendlichen der Hecker-Schule schon einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, aber es gibt doch einige, die noch nicht wissen, was sie werden wollen oder die Zeit, bis sie es wissen, in einem Oberstufenzentrum überbrücken.

Auch Lukas Schieler geht für ein Jahr auf das OSZ Recht. Aber der 15-Jährige hat ganz konkrete Ziele. Sein Motto: Mit Eigeninitiative kommt man weiter. Er möchte Polizist werden, kann sich aber erst mit 16 Jahren bewerben. Einen Plan B hat er auch schon. Wenn es mit der Polizistenlaufbahn nicht klappt, macht er eben eine Ausbildung als Fachinformatiker. „Das interessiert mich beides“, sagt er und lässt sich von Victor Geistler, der gerade die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Koch Automobile AG erläutert hat, eine Broschüre geben.

Premiere für Auibi von Koch Automobile
So viel Zielstrebigkeit hätte sich der Azubi sicher auch selbst gewünscht. Nach seinem Schulabschluss „mit unglaublich schlechten Zeugnissen“ jobbte er als Aushilfe, weil er Geld verdienen wollte. Aber irgendwann platzte der Knoten. „Autos haben mich schon immer interessiert und ich suchte was, wo ich meine stark ausgeprägten kommunikativen Fähigkeiten einsetzen konnte“, erzählt er. „34 Bewerbungen habe ich geschrieben und viel Zeit, Mühe und Geld investiert. Und es hat geklappt.“ Produktpräsentationen hat er schon einige gemacht, der Auftritt in der Schule aber war für ihn eine Premiere. Er ist zufrieden. „Eine sinnvolle Sache, das merkt man an den interessierten Gesichtern. Sie sind nur zu schüchtern, um zu fragen.“

Ob das auch auf die fünf Mädchen zutrifft, die vor Renate Stadie, Personalleiterin bei der Heidenhain-Microprint GmbH, sitzen? Schweigen, als sie die Schülerinnen fragt, was sie sich unter einem Zerspanungsmechaniker vorstellen. Dabei wäre der anspruchsvolle Beruf ideal für junge Frauen. „Gut ausgebildete Technikerinnen und Ingenieurinnen werden händeringend gesucht“, versucht Renate Stadie die Mädchen zu begeistern. „Wir bieten ihnen nicht nur ausgezeichnete Bedingungen in der Ausbildung, sondern auch sehr gute Perspektiven in der beruflichen Entwicklung.“

Maurer-Lehre ist eine solide Ausbildung
Einige der jungen Leute, die Bauingenieur Christian Hauser von der Rösler GmbH zuhören, haben die berufliche Perspektive für sich wohl schon gefunden. Landschaftsgärtner und Einzelhandelskauffrau wollen sie werden, Abitur machen. Andere sind noch unentschlossen: „Koch oder Gebäudereiniger, mal sehen…“ Ein zukünftiger Berufssoldat überlegt noch, wie er die Zeit bis zur Bewerbung überbrücken kann. Da hakt Christian Hauser nach. „Maurer ist doch eine solide Ausbildung!“ Man könne sich spezialisieren, andererseits stehe gerade in kleinen Betrieben die Vielfalt der Tätigkeiten im Vordergrund, sagt der Bauingenieur. „Nun ja, in Mathe sollte man schon über das Basiswissen verfügen und die Grundrechenarten beherrschen.“ Als die Frage nach dem Verdienst kommt, lässt er gleich mal den Monatslohn ausrechnen.

Nach einer Dreiviertelstunde ertönt der Schulgong. Die Schüler gehen zur Pause, die Unternehmer treffen sich noch kurz zu einer Auswertung des Vormittags. Das Fazit: Von „super Veranstaltung“ bis „total überwältigt“ reichen die Reaktionen. Alle sind sich einig, dass diese Form der beruflichen Nachwuchssicherung effektiv und erfolgversprechend ist. Günstiger sei es allerdings, die Veranstaltungen vor Beginn der Praktika anzubieten, dann könnten die Schüler sich besser darauf vorbereiten.

Der nächste Tag der „Unternehmen in die Schulen“ findet schon am Mittwoch, 27. Mai, statt, dann wieder im Wilhelm-von-Siemens-Gymnasium an der Allee der Kosmonauten in Marzahn.

 

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