Immer wieder Unfälle vor dem S- und U-Bahnhof Wuhletal

Unfallschwerpunkt Fußgängerüberweg

07.09.2017, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Biesdorf. Eine unangenehme Überraschung erwartete viele Radfahrer an diesem spätsommerlichen Dienstagmorgen, 5. September, auf der Altentreptower Straße, Höhe S- und U-Bahnhof Wuhletal: Zwei Polizisten vom Polizeiabschnitt 63 stoppten und ermahnten all jene, die ohne Abzusteigen den Fußgängerüberweg befuhren, um die Fahrbahn zu überqueren. „Die Autofahrer können Sie viel zu spät sehen“, sagte die Beamtin vom Polizeiabschnitt 63 zu einer Radfahrerin. Nicht alle Radler sind einsichtig. Der Wuhle-Wanderweg würde schließlich über die Straße führen, es müssten mehr Schilder aufgestellt werden und die Autofahrer sollten mal besser aufpassen, so die Argumente. Sogar während die Ordnungshüter versuchen, die Verkehrsteilnehmer zu überzeugen, gibt es etliche Zweiradfahrer, die radelnd vorbeihuschen und die Autofahrer so zum Bremsen und Anhalten zwingen. – Unrechtsbewusstsein? – bei den meisten Fehlanzeige!

129.000-Euro für Fußgängerüberweg, aber wenig Sicherheit

Offenbar ist die verkehrsrechtliche Situation an Fußgängerüberwegen vielen Radlern nicht bekannt. Zwar müssen sie nicht zwingend absteigen, wenn sie die Zebrastreifen überqueren, obwohl der Überweg ausdrücklich für Fußgänger gedacht ist, aber wenn die Radfahrer dort in die Pedalen treten, dann verlieren sie das (Fußgänger-)Recht auf Vorrang vor den Kraftfahrzeugen.

Die Polizei kontrolliert nicht ohne Grund gerade hier des Öfteren. Immer wieder ereignen sich teilweise schwere Unfälle an dem auf der westlichen Bahnhofsseite befindlichen Fußgängerüberweg. Er ging erst am 31. Oktober 2016 in Betrieb und war zuvor aufwendig für knapp 129.000 Euro gebaut worden. Schon am Eröffnungstag gab es gleich mehrere Gefahrensituationen mit Vollbremsungen (LiMa+ berichtete).

Autofahrer oft nicht vorsichtig genug

Nicht immer sind Radfahrer oder Fußgänger die Unfallverursacher. Zu dem vorerst letzten Verkehrsunfall an dem Fußgängerüberweg kam es am Dienstagabend, 29. August, als der Fahrzeugführer eines Citroën zu spät erkannte, dass vor ihm ein PKW hielt, der Fußgänger passieren ließ. Statt einer Vollbremsung wich der Fahrer mit einer ruckartigen Lenkbewegung aus, um eine Kollision mit dem wartenden PKW zu vermeiden. Dabei kam er von der Fahrbahn ab und schleuderte mit dem rechten Kotflügel samt Vorderrad gegen den peitschenförmigen Pfahl, an dem das Verkehrsschild Fußgängerüberweg befestigt ist. Durch den Aufprall brach die Radaufhängung und Teile des Schildes fielen auf die Fahrbahn. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt.

Schlimmer war es an gleicher Stelle am 17. Juli: Ein elfjähriges Mädchen schob gegen 7.30 Uhr sein Fahrrad über die Zebrastreifen. Ein 56-jähriger Citroën-Fahrer, unterwegs in Richtung Brebacher Weg, übersah das Kind und erfasste es mit dem PKW. Das Mädchen kam mit Prellungen am ganzen Körper zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus. Der Autofahrer erlitt einen Schock.

Und am 30. Juli wurden hier zwei Männer und ein Kind zum Teil schwer verletzt. Ein 50-jähriger Hyundai-Fahrer, unterwegs Richtung Blumberger Damm, stoppte an dem Fußgängerüberweg, um einen 42 Jahre alten Fußgänger, der sein Fahrrad schob, passieren zu lassen. Der 63-jährige Fahrer eines nachfolgenden VW- Passat passte nicht auf und fuhr so heftig auf den Hyundai auf, dass er das Auto auf den Überweg schob, wo der Passant erfasst wurde. Dieser wurde über die Motorhaube zu Boden geschleudert und zog sich dabei schwere Verletzungen an den Armen, den Beinen und am Rücken zu. Er musste zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus gebracht werden. Durch den Aufprall wurden außerdem die Insassen des Hyundai, ein vierjähriger Junge und sein 30-jähriger Vater verletzt. Während der Vater ambulant behandelt werden konnte, musste der kleine Junge zur Beobachtung in eine Klinik gebracht werden. Die PKW-Fahrer blieben beide unverletzt.

BVV-Antrag für schnelles Handeln

Für die nächste Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Marzahn-Hellersdorf am Donnerstag, 28. September, hat die Fraktion der CDU einen Beschlussantrag eingebracht, dem Bezirksamt zu empfehlen, „gemeinsam mit der Verkehrslenkung Berlin, der Polizei und dem Senat zu prüfen, welche konkreten Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit an den Fußgängerüberwegen am S- und U-Bahnhof Wuhletal ergriffen werden können.“

Dazu sagte der Fraktionsvorsitzende Alexander Herrmann gegenüber LiMa+: „Ich hoffe auf breite Zustimmung der Verordneten, damit die Experten schnell geeignete Maßnahmen in die Wege leiten können.“ Ob die Höchstgeschwindigkeit herabgesetzt – oder eine Parkverbotszone um den Überweg eingerichtet werden soll, müssten die Fachleute prüfen und entscheiden, so der Bezirksverordnete. Derzeit reichen die Parktaschen fast bis an den Überweg heran. Parkende Fahrzeuge versperren den fahrenden die freie Sicht.

Schulweg der Erst- und Zweitklässler

Die Zeit drängt wirklich. Gerade war Schulanfang und am kommenden Sonnabend, 9. September, finden die Einschulungen statt. Neuerdings befindet sich im Wuhlgarten, unweit des S- und U-Bahnhofes Wuhletal, ein Standort der deutsch-russischen Lomonossow-Grundschule für Schulkinder der ersten und zweiten Klassen. Sicher werden viele Schulanfänger auf dem Schulweg den unfallträchtigen Überweg benutzen. Äußerste Vorsicht von allen ist geboten, damit nicht noch mehr Schlimmes passiert.

Sich in trügerischer Sicherheit darauf zu verlassen, dass die KFZ-Fahrer an einem Fußgängerüberweg schon anhalten werden, könnte verhängnisvoll sein. Blickkontakt ist hier stets angeraten. Und: Es gibt keinen Paragraphen in der Straßenverkehrs-Ordnung, der besagt, die Verkehrsteilnehmer dürften sich ihr Recht auf Vorfahrt oder Vorrang erzwingen. Ganz im Gegenteil.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden