Avenidas und kein Ende – CDU macht Vorschlag an die BVV

Umstrittenes Gedicht an neuem Ort?

19.02.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Bleibt das Gedicht „Avenidas“ von Eugen Gomringer vielleicht doch in Hellersdorf? Die CDU-Fraktion hofft das. Deshalb haben die Christdemokraten einen Antrag zur nächsten Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) eingebracht. Danach wird dem Bezirksamt empfohlen zu prüfen, „ob das Gedicht… an anderer geeigneter Stelle im Bezirk, zum Beispiel an einer Gebäudefassade, öffentlich und gut sichtbar wieder angebracht werden kann“.

Formal-demokratische Debatte

Wie in vielen Medien, auch international, berichtet wurde, wird die Alice-Salomon-Hochschule (ASH) im Herbst dieses Jahres eine neue Fassade bekommen. Dabei sollen auch die acht Gedichtzeilen, die seit 2011 an der Fassade des Hochschulgebäudes stehen, verschwinden. Nicht, weil sie unleserlich geworden sind, sondern weil sich Studierende daran gestört hatten und eine formal-demokratische Debatte an der Hochschule in Gang setzten, an deren Schlusspunkt die beschlossene Entfernung der Dichterworte stand. Mit „Bilderstürmerei“ und „Kulturbarbarei“ wurde diese Entscheidung charakterisiert, unter anderem von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Auch Kultursenator Klaus Lederer (Linke) hatte das Vorgehen der ASH kritisiert. Trotz geharnischter Kritik aus den verschiedensten politischen Lagern und Entsetzen von auch internationalen Kulturschaffenden und Künstlern blieb die Hochschule bei ihrem Entschluss, der nicht von ungefähr in der metoo#-Debatte entstand, diese jedoch entwertet. Denn Sexismus-Vorwürfe gegen Eugen Gomringer aufgrund seines Gedichtes an der Fassade im Zentrum von Hellersdorf sind nur eines: geradezu lächerlich.

Eugen Gomringer schrieb: avenidas/ avenidas y flores / flores /flores y mujeres / avenidas / avenidas y mujeres / avenidas y flores y mujeres / y un admirador. Auf Deutsch heißt das: “Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen/ Alleen und Blumen und Frauen / und ein Bewunderer”.

Eine Möglichkeit, Gesicht zu zeigen

Alexander J. Herrmann, der CDU-Fraktionsvorsitzende, sagt, dass die BVV und das Bezirksamt die Autonomie der Hochschule und deren mehrheitliche Entscheidung gegen das Gedicht respektieren mussten. „Als klares Bekenntnis zur geschützten Kunst- und Kulturfreiheit sollte der Bezirk aber prüfen, ob das Gedicht ‚Avenidas’ künftig an geeigneter Stelle im Bezirk angebracht werden kann.“ Wenn Gomringer, inzwischen 93 Jahre alt, das überhaupt noch wolle. Auf der Jahrespressekonferenz des Bezirksamtes in der vergangenen Woche hatten Bürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) und die Stadträte betont, dass es keine Stellungnahme des Bezirksamts als Kollegialorgan dazu gebe. Trotz Nachfragen erfolgte keine eindeutige Positionierung der Kommunalpolitiker – nur ganz persönlich, nicht in ihrer Eigenschaft als Stadträte, hatten einige ihr Bedauern über das Geschehen geäußert, das bereits als „Hellersdorfer Gedichtestreit“ in die Annalen eingegangen ist.

Der Vorschlag der CDU wäre eine Gelegenheit, in einer unseligen Angelegenheit Gesicht zu zeigen.

 

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