Hoch hinaus

13.12.2016, Birgitt Eltzel

Fotos: TSN (1, 3-5), Birgitt Eltzel (2). Zum Vergrößern und für die Bildtexte bitte auf das Hauptbild klicken.

Marzahn. Ein rotweißer Funkturm en miniature mit zwei Parabolantennen steht auf einem Regal im Besprechungszimmer in der fünften Etage des Bürogebäudes an der Meeraner Straße 21, an der Wand dahinter hängt eine Konstruktionszeichnung. Denn die Marzahner Firma Turmbau Steffens & Nölle errichtet, wie es ihr Name schon sagt, Türme – allerdings weitaus höhere als das etwa 50 Zentimeter hohe Modell. Das Traditionsunternehmen, das bereits 1926 den Berliner Funkturm errichtete, plant, konstruiert und montiert weltweit Türme und Masten aus Stahl, inklusive Antennen und Kabel, vor allem für Kommunikationsunternehmen, Rundfunk- und Fernsehanstalten. Die Stahlbauwerke von Steffens & Nölle sind nicht selten um die 200 Meter hoch, die höchsten kommen sogar auf 370 Meter. „Es sind Unikate“, sagt Geschäftsführer Steffen Traue. „Jedes Projekt ist anders, alle sind Maßanfertigungen.“

Sendemast für NDR

Derzeit stellen die Marzahner einen 285 Meter hohen neuen Sendemast für den Norddeutschen Rundfunk (NDR) in Steinkimmen (Landkreis Oldenburg) fertig, im nächsten Jahr erfolgt dann dort die Demontage des alten, 300 Meter hohen Stahlrohrmastes. Denn auch das zählt zum Angebot der bereits 1893 gegründeten Firma, die seit 2004 zur Beteiligungsgesellschaft Indus Holding aus Bergisch-Gladbach gehört. Auch Wartung und Instandsetzung der Anlagen übernimmt TSN. Errichtet werden aber auch Werbe- und Aussichtstürme wie die „Himmelsleiter“ in Pottenstein (Franken), ein touristisches Highlight der Gemeinde.

Montage in bis zu 430 Meter Höhe

Türme und Masten von Steffens & Nölle finden sich in vielen Ländern der Erde – von Irland bis Ägypten. Während die Marzahner Turmbauer auf der grünen Insel, wo sie zwischen 2008 und 2013 drei Sendeanlagen mit Höhen von 120 bis 220 Metern Höhe errichteten, vor allem mit Wind, Regen und Feuchtigkeit zurechtkommen mussten, war in Ägypten Sonne und Hitze um 40 Grad Celsius die Norm. „Bei jedem solcher Projekte sammelt man viele Erfahrungen, auch darüber, wie man unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen agieren muss“, sagt Traue. Der 41-jährige Diplomingenieur ist besonders stolz auf die Antennenanlage auf dem Milad-Tower, einem Fernsehturm in Teheran (Iran). „Da haben wir in 380 bis 430 Meter Höhe montiert“, erzählt er. Durch das durch die USA und die EU über den Iran verhängte Embargo hatten sich die 2011 begonnenen Arbeiten immer wieder verzögert, erst in diesem Jahr konnten sie abgeschlossen werden.

Weltweit nur wenige solcher Firmen

In Deutschland sind die Marzahner Turmbauer Marktführer, ihre Arbeit ist international gefragt. „Weltweit gibt es nur wenige Firmen mit einem solchen Angebot“, sagt Geschäftsführer Traue. Die Innovationen von Steffens & Nölle waren bereits in der Vergangenheit geschätzt. Traue zeigt Jubiläumsschriften mit Berliner Bauwerken. Nicht nur Türme, auch Brücken finden sich auf den alten Schwarzweiß-Fotos. Und auch ein historischer Bezug zum Standort Marzahn-Hellersdorf. Denn die damalige Steffens & Nölle AG hatte 1909 in Biesdorf die erste maschinell drehbare Luftschiffhalle für Siemens-Schuckert gebaut. Die 160 Meter lange, 25 Meter breite und 25 Meter hohe Halle wurde allerdings bereits 1918 wegen ausbleibender Aufträge wieder abgerissen.

Seit 2010 im Marzahner Gewerbegebiet

2010 ist das vorher in der Tempelhofer Großbeerenstraße ansässige Unternehmen mit seinen rund 50 Mitarbeitern ins Marzahner Gewerbegebiet gezogen. Während die Ingenieure, Konstrukteure, Statiker und der Vertrieb in der Meeraner Straße nahe der Allee der Kosmonauten ihren Sitz haben, gibt es  am Schkopauer Ring noch eine Montage- und Rüsthalle. Wenngleich Traue dem Standort Marzahn „gute Arbeitsbedingungen“ attestiert, fehlt ihm dort dennoch etwas: „Es gibt im Umfeld kaum Möglichkeiten zum Mittagessen“, sagt er. Nicht nur Kantinen für die inzwischen vielen Firmen im Gewerbegebiet seien Mangelware, sondern auch ordentliche Restaurants, in die auch einmal Geschäftspartner eingeladen werden könnten. „Das wäre auch eine Aufgabe für die Wirtschaftsförderung, sich darum zu kümmern, dass so etwas entsteht“, sagt er.

 

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