Originell logieren: Im „Heizhaus“ am Bahndamm

Tower für Zwei

25.02.2015, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Die beiden Paare aus Koblenz – Mitte 20 und Mitte 40 – sind des Lobes voll. „Super gewohnt, super geschlafen“, sagt der ältere beiden Männer. „Eine originelle Unterkunft, die man so schnell auch in Berlin nicht noch einmal findet.“ Er spricht vom „Heizhaus“ hinter den Kunstbaracken an der Marzahner Chaussee. Zwischen den früher von der NVA und der Volkspolizei genutzten Holzhütten, die lange Jahre leer standen bis Künstler dahin kamen, und dem Damm für die S- und Regionalbahn, die Plattenbauten des Gensinger Viertels in Friedrichsfelde-Ost im Hintergrund, ist auf einer Wiese das Qbe-Hotel entstanden. Zwölf Wohnwürfel, sogenannte Qbes – ähnlich jenen Scubes, wie sie bereits im Sommerbad Neukölln stehen – bieten Platz für zwei Personen im Doppelbett. Das Gepäck wird darunter verstaut. 2,5 mal 2,5 Meter Fläche– genügend Raum, um während eines Berlin-Trips das müde Haupt zur Ruhe zu betten. Der Clou aber sind die Tower – 7 Meter hohe mobile Hoteltürme mit drei Etagen für zwei Leute (1 Aufbettung möglich). Dort kann nicht nur geschlafen werden, sondern sogar eine Dachterrasse steht zur Verfügung, auf der gesessen und sogar gegrillt werden kann – mit Aussicht auf das Hotelgelände und die Bahngleise. Im Winter weren sowohl die Qbes als auch die Tower beheizt.

Angebot wird ausgebaut
Drei Wohntürme stehen im Heizhaus (einer ohne Dachterrasse). Sie sind nicht nur eine Berlin-, sondern auch eine Weltneuheit. Hergestellt wurden die Tower von der Berliner Firma Veloform, die auch die bekannten Velotaxis fertigt. Das Unternehmen sitzt ganz in der Nähe, ebenfalls  an der Marzahner Chaussee. Solche Türme gibt es auch anderswo in der Stadt, beispielsweise an der Kreuzung Alt-Friedrichsfelde oder auf dem Tempelhofer Feld. Als Schlafzimmer aber werden die mobilen Gebäude (Gewicht 16 Tonnen) bisher nur im Marzahner Qbe-Hotel genutzt. Und es sollen noch mehr werden, erzählt Matthias Kiesel, Eigentümer und Hoteldirektor. In der bevorstehenden Sommersaison will er sein Angebot ausweiten. Dann sollen vier neue Türme dazukommen und acht weitere Qbes.

Die Hotelzimmer der besonderen Art sind überall auf der Wiese verteilt. In der ausgebauten ehemaligen Baracke befindet sich der Frühstücks- und Aufenthaltsraum, in einem anderen Gebäude ein Gemeinschaftsbad. Im Garten stehen nicht nur einige originale Mauerteile, sondern auch ein Planschbecken, es gibt einen großen Grillplatz, wo auch Lagerfeuer gemacht werden kann. Und auch eine Bar wurde eingerichtet, ebenfalls in einem Tower.

Wochenenden bis September ausgebucht
Bereits im August vergangenen Jahres ist Matthias Kiesel mit seinem Hotel gestartet, die Fläche dafür hat er von Peter Kenzelmann gepachtet, dem Eigentümer der Alten Börse Marzahn. „Wir haben klein angefangen und nach und nach ausgebaut“, erklärt der 29-jährige Schwabe, der seit sechs Jahren in Berlin lebt. Der studierte Betriebswirt mit Schwerpunkt IT hat bisher nur im Internet, vor allem über Ebay und Booking.com, Reklame für sein Qbe-Hotel gemacht. „Ansonsten setzen wir auf Mundpropaganda.“ Offensichtlich mit Erfolg. Hatte Kiesel, der bisher bereits rund 300.000 Euro für sein Hotelprojekt investiert hat, auf eine 40-prozentige Auslastung im ersten Jahr gehofft, sind es jetzt in der Woche bereits etwa 80 Prozent. „An den Wochenenden sind wir sogar schon bis September ausgebucht“, sagt er.

Gäste auch aus China und Brasilien
Die Gäste kommen laut Kiesel zu etwa 60 Prozent aus Deutschland. Aber auch Holländer, Polen, Russen und sogar Touristen aus China und Brasilien haben schon im „Heizhaus“ gewohnt. „Wir haben vor allem die Altersgruppe zwischen 16 und 35 Jahren hier“, sagt der Hoteldirektor. „Aber es waren auch schon über 60-Jährige da. Und denen hat es auch gefallen.“ Er sagt, er habe lange nach einem entsprechenden Standort gesucht, zunächst in Mitte und Prenzlauer Berg. „Aber dort findet man so etwas nicht mehr: Grün, viel Platz und trotzdem urban.“ Und so weit zu den Szenevierteln Berlins sei es auch nicht: „In drei Minuten Fußweg ist man am S-Bahnhof Friedrichsfelde-Ost. Von dort braucht es 15 Minuten bis zum Alexanderplatz.“

Events im Sommer
Das Qbe-Hotel ist ein Familienbetrieb. Mutter Birgit ist die „die gute Fee“, die für Frühstück und das Saubermachen sorgt, Schwester Tanja kümmert sich um die Buchhaltung und die Kundenbetreuung. Und auch Judy, die eineinhalb Jahre alte Mischlingshündin, ist meist mit dabei: „Sie liebt die Gäste und die Gäste lieben sie ebenfalls“, sagt Matthias Kiesel. Er möchte seine Qbe-Hotels künftig ausbauen und ist dafür auch auf der Suche nach anderen Standorten. „Aber zunächst wollen wir hier in Marzahn so richtig durchstarten“, sagt er. Er freue sich schon auf die Sommersaison, wo das Gelände durch Events belebt werden soll. Gedacht ist dabei auch an Konzerte unterm Sternenhimmel. „Wir stören ja hier niemanden.“ Im Gegenteil, viele Nachbarn seien schon vorbeigekommen und hätten erzählt, wie sehr sie sich freuten, dass die einst verwahrloste Fläche, wo sich noch vor einigen Jahren Junkies und Neonazis trafen, wieder in Ordnung gebracht und belebt worden sei, sagt der junge Hoteldirektor.
Infos zu Buchungsmöglichkeiten und Preisen: www.qbehotels.com

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden