Computertomograph für Tiere gewährt tiefe Einblicke

Tiger in der Röhre

23.08.2015, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Lichtenberg. Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) hat fünf Monate nach Inbetriebnahme erstmals seinen neuen Computertomographen einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Am Rande ihres alljährlichen Sommerfestes hatten die Mitarbeiter der Einrichtung an der Alfred-Kowalke-Straße jetzt Gelegenheit, sich die Funktionen des größten und modernsten Geräts dieser Art live vorführen zu lassen. Dazu erlebten sie eine Untersuchung der neun Jahre alten Tigerin Sarai.

Scan statt Operation
Für die Untersuchung wurde die im benachbarten Tierpark Berlin lebende Tigerdame von Tierarzt Dr. Günter Strauß narkotisiert. Anschließend brachten Pfleger die Raubkatze in das IZW. Dort untersuchte sie Tierarzt Guido Fritsch mit Hilfe des Computertomographen. Nach wenigen Minuten lieferte das 2,2 Millionen Euro teure Gerät die Bilder. „Im März hatten wir Sarai schon einmal im CT“, berichtet Dr. Strauß. Damals sei eine auffällige Flüssigkeit entdeckt worden, die ein erstes Anzeichen für eine Gebärmuttervereiterung hätte sein können. Doch Kollege Fritsch konnte Strauß beruhigen. Es sei zwar noch Flüssigkeit im Uterus vorhanden, aber „das sehe nicht weiter problematisch aus“. Auch beim Blick auf die anderen Organe – darunter die Lunge und das Herz – gab es einen beruhigenden Befund: alles okay. Gut 3.500 Aufnahmen liefert ein Scan, der die Bilder dann in dreidimensionale Ansichten verwandelt. Dadurch lassen sich unter anderem Organe und Knochen untersuchen, ohne dafür den Körper der Tiere zu öffnen.

Untersuchung von Todesursachen
Fünfmal am Tag kommt der im März 2015 eingeweihte Computertomograph zum Einsatz, berichtet Prof. Dr. Thomas B. Hildebrandt, Abteilungsleiter Reproduktionsmanagement am IZW. Lebende Tiere von einem Gewicht von bis zu 310 Kilogramm könnten untersucht werden. Der teuerste Patient allerdings war bereits tot: ein 14 Millionen Jahre altes Fossil eines Archaeopteryx. Oftmals gehe es darum, ungeklärte Todesursachen zu untersuchen. Genutzt wird das CT aber auch für Haus- und Heimtiere, die nach Überweisung durch den behandelnden Tierarzt in die Röhre geschoben werden. IZW-Direktor Prof. Dr. Heribert Hofer ist hoch erfreut über das CT, das von der Firma Toshiba über einen Leasingvertrag zur Verfügung gestellt wird. Dadurch würden auch stets neue Software-Updates geliefert.

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden