Tierisch verboten

15.04.2018, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Wer den Film „Pets“ (Das geheime Leben der Haustiere) gesehen hat, weiß, dass das Leben ganz schön abgehen kann, wenn Herrchen oder Frauchen aus dem Haus sind. Da werden Streifzüge unternommen, man erkundet gemeinsam die Stadt und hilft sich, falls jemand droht, unter die Räder zu kommen. Und erst die Partys, die mit anderen Haustieren gefeiert werden, super. Herrchen und Frauchen ahnen natürlich nichts davon, wenn ihnen Miezi oder Wuffi abends an der Tür um die Beine streichen beziehungsweise versuchen, mit Freudensprüngen bis an ihr Gesicht zu kommen, um es kräftig abzuschlecken.

Bellen = Stubenarrest

Kater Winnie und Terriermischling Rudi haben kaum Chancen, die Nachbarstiere zur Party zu bitten. Nicht nur weil Josy, die betagte Katzendame aus der Wohnung nebenan, nicht mehr so auf Bewegung und Lärm steht und die Yorkis von gegenüber unsere beiden nicht so richtig leiden können. Es liegt vor allem an Frauchen. Die ist eigentlich immer zu Hause. Und wenn sie mal weggeht, dann nicht für lange. Da kann man nur wenig riskieren. Sie sitzt oft an ihrem Schreibtisch. Dennoch entgeht ihr wenig, was in Wohnung und Garten vor sich geht. „Nicht einmal ordentlich Bellen lässt die einen“, so lässt sich Rudis vorwurfsvoller Blick deuten, wenn er wegen wiederholten Lautgebens Stubenarrest verordnet bekommt. Dabei ist es doch schön, tobenden Kindern, lauten Autos und auch der Postbotin, die immer so lästig an den Briefkästen klappert, mal so richtig Bescheid zu sagen. Um nicht von Titus, dem verhassten Doggenrüden fünf Häuser weiter, zu reden. Wenn der schwarze Riese auf dem Fußweg vor unserem Wohnhaus entlanggeführt wird, flippt Rudi völlig aus. Nicht, dass das den Großen sonderlich beindruckt. Nur Frauchen fühlt sich dann belästigt und reagiert… wieder einmal mit Freiheitsentzug. „Nichts ist erlaubt“, jammert Rudi.

Vögelchen sind nicht zum Fressen da

Kater Winnie hat auch sein Päckchen zu tragen. Nie darf er sich kreativ verwirklichen: Seine Krallen an der Ledercouch wetzen, die Tapete löchern, Wandbilder anstupsen bis sie seiner Meinung nach besser als vorher hängen, in der Vorratskammer nach Verwertbarem stöbern – alles verboten. Lecker Vögelchen jagen und fressen, wird auch versucht, zu unterbinden. Und hat er doch mal Erfolg gehabt, gibt es gleich eine Standpauke. „Immer wird gemeckert, wenn man nur etwas Spaß haben will.“ Und weil kürzlich die Tierärztin eine zehnprozentige Gewichtszunahme innerhalb eines Jahres bei dem schon vorher ziemlich molligen Tier feststellte, wurde ihm jetzt auch noch die Zufuhr von außerplanmäßigen Häppchen gestrichen. Gemein!

Wenn die Futtertüte raschelt…

Rudi und Winnie liegen oft im Wohnzimmer auf dem Teppich nebeneinander. Manchmal kommt es uns vor, als ob sie sich dabei über uns unterhalten. So wie wir als Kinder, wenn wir sauer auf unsere Eltern waren: „Nichts darf man!“ Und: „Wartet bloß ab, bis ich groß bin! Dann…“ Nur dass die Tiere das nicht mit Worten äußern können. Ihre Blicke – von missmutig über beleidigt bis hin zum Ausdruck tiefer Trauer – sprechen jedoch Bände. Doch das ändert sich schnell, sobald jemand mit der Futtertüte raschelt. Dann ist alles vergeben und vergessen. Und wenn es dann noch eine kleine Massage auf der Couch gibt, wissen Hund und Katz’, dass es zu Hause, gemeinsam mit Herrchen und Frauchen, doch am schönsten ist. Selbst wenn die einige nervende Regeln für das Zusammenleben haben.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden