#WallysHockeyCorner



„The old Teacher beat the Student!“



01.09.2015, Christian Baumeier

Fotos: Christian Baumeier. Zum Vergrößern auf das Hauptbild klicken.

„Der alte Lehrer schlägt den Schüler!”, sagte Zürcher SC Lions Coach Marc Crawford am Sonnabend, 22. August, nach dem 6:3 Sieg seiner Mannschaft gegen die Eisbären bei der Pressekonferenz. Bevor er allerdings vom Spielgeschehen berichtete, erinnerte er an den schönsten Moment seiner Karriere, als der Eisbärencoach Uwe Krupp 1996 unter ihm das entscheidende Tor zum Stanley Cup Sieg der Colorado Avalanche schoss. Dass Marc Crawford ein exzellenter Trainer ist, merkt man nicht nur daran, wie professionell er sich gibt, sondern auch daran, dass Top-Nachwuchsspieler wie z.B. der 17-jährige Auston Matthews aus der USA (wird im nächsten NHL Draft im Juni 2016 unter den ersten 3 Picks sein) in die Schweiz kommen, um unter ihm spielen zu können und sich noch mehr zu verbessern als sie es in einem nordamerikanischen Nachwuchsteam schaffen könnten. Den gleichen Weg geht auch der von den Washington Capitals an Position 57 in Runde 2 gedraftete Schweizer Jonas Siegenthaler. Auf Anhieb überzeugte er beim Development Camp die Verantwortlichen von seiner Leistung und wurde daraufhin mit einem Drei-Jahresvertrag ausgestattet, von dem er das erste Jahr noch unter Marc Crawford beim ZSC spielen darf. Dass Siegenthaler ein so großes Talent besitzt, sieht man auch an dem Fakt, dass Steve Richmond aus der Organisation der Capitals in Berlin zu Besuch war, um Siegenthaler noch einmal zu beobachten. In zwei Wochen wird die #97 der Zürcher allerdings fehlen, da Siegenthaler für kurze Zeit nach Nordamerika fliegt, um in Florida gegen die Prospects anderer NHL Teams anzutreten. Uwe Krupp hatte völlig recht, als er in der Pressekonferenz nach dem Spiel sagte, dass mehr Trainer wie Crawford in Europa arbeiten müssten, „die unseren Sport mit ihrer Expertise nach vorne bringen”.

Eisbären Berlin

Die Eisbären starteten mit einem traurigen Moment in die Champions Hockey League Saison. Mit einer Choreographie und einen Moment der Stille gedachten sie des langjährigen, engagierten Fans Timo Paul, der Anfang August verstorben ist. In dem Spiel wurden die Eisbären vom ZSC in der Anfangsphase regelrecht überrannt, so dass es nach dem ersten Drittel bereits 3:0 aus Sicht der Zürcher hieß. Die Berliner konnten sich allerdings an ein 3:3 herankämpfen, ehe man zum Ende des Spiels noch 3 Tore kassierte und 3:6 verlor. Funfact, genau 364 Tage zuvor verloren die Eisbären ihr Spiel gegen das Schweizer Team aus Fribourg auch  6:3.  Im zweiten CHL Spiel drehten die Eisbären gegen den französischen Meister GAP Rapaces am Sonnabend, 29. August, richtig auf und gewannen verdient 6:1. Man of the Match war ganz klar der kleine, schnelle und quirlige japanische TryOut Spieler Shuhei Kuji, der seine sehr gute Leistung an dem Abend mit einem Tor krönen konnte, welches in der Art sonst nur absolute Ausnahmeprofis wie Alexander Ovechkin schießen. In der Mixed Zone sprach Kuji, übersetzt von Gasttrainer Mark Mahon, deutlich geflasht von der gesamten Situation, in den höchsten Tönen von den Eisbärenfans. Durch die tolle Arena und das große Medieninteresse fühle er sich etwas überrannt, so der Japaner.

Ich muss gestehen, dass ich eher skeptisch war bezüglich Kuji, aber das Spiel hat mir gezeigt, dass man ihn ruhig verpflichten könnte. Es gelingt ihm durch seine Schnelligkeit, Räume zu schaffen, die seine Mitspieler intelligent nutzen können. Oder Kuji nutzt die Chancen selbst, so wie bei seinem ersten Tor für die Eisbären, wo er einfach den einen Schritt schneller war als der Gegner. Unerwähnt bleiben sollten natürlich nicht die körperlichen Nachteile: Da Kuji mit 1,70 Meter sehr klein ist, wurde er auch beim Spiel gegen GAP öfter gecheckt. Aber wenn man ihm z.B. Henry Haase in der Verteidigung an die Seite stellt, bin ich mir sicher, dass dieser als Tough Guy seinen Job gut erledigen würde und ihn beschützen könnte. Die Zuschauerstatistik ist europaweit wieder sehr ernüchternd. Während beim Spiel gegen die Lions 6.570 Fans in die Mercedes-Benz Arena pilgerten, waren es gegen GAP Rapace nur 5.650 Zuschauer. Woher das Desinteresse bei europäischen Spielen kommt, ist mir nicht ersichtlich, da doch eigentlich jeder Eishockeyliebhaber lieber ein Topspiel gegen z.B. die ZSC Lions sehen könnte, anstatt zum gefühlt 39. Mal ein Duell mit den Straubing Tigers. Weiter geht es mit der CHL für die Eisbären mit den beiden Auswärtsspielen am Freitag, 4. September, im schweizerischen Winterthur gegen die ZSC Lions und am Sonntag, 6. September, im französischen GAP gegen Rapaces

OSC Berlin und FASS Berlin

Die Damen vom OSC Berlin spielten am 22. August ihr Benefizspiel, „Kämpfen für Paul“, gegen die Hannover Lady Scorpions. Vor dem Spiel wurde ein Spendenscheck über 2.100 Euro an den Verein Kämpfen für Paul e.V. überreicht. Das an diesem Nachmittag zweitrangige Endergebnis war 3:2 nach Penaltyschießen für die Eisladies aus Berlin. Am 29. und 30. August kam es im Wellblechpalast zum international hochkarätig besetzten Howoge-Cup, den der EHV Sabres Wien für sich entscheiden konnte. In zehn Spielen an zwei Tagen gab es am ersten Tag eher die engen Kisten mit vier Partien, die mit nur einem Tor Unterschied endeten. Drei davon im Penaltyschiessen. Am zweiten Tag folgten die torreichen Spiele, die u.a. 7:5 oder 7:2 ausgingen. OSC Berlin belegte am Ende Platz 3 und hofft, den Howoge-Cup jährlich in Vorbereitung auf die neue Saison durchführen zu können.

Die Akademiker von FASS Berlin haben nochmal richtig zugeschlagen auf dem Transfermarkt. Erst holten sie die Torhüterin Mareike Krause, die mit einer Doppellizenz für OSC Berlin und FASS Berlin auflaufen darf, dann wurde der niederländische Nationalspieler Julian van Lijden verpflichtet, der zwischen 2006 und 2009 für die Eisbären Juniors in der Schüler-Bundesliga und DNL spielte. Der Kontakt zu van Lijden kam über den ehemaligen Mitspieler Christian Leers zustande. Und zu guter Letzt gibt es einen Wechsel auf der Cheftrainerposition der Akademiker. Rumid Masche wird hauptamtlich zu den Juniors der Eisbären gehen. Den freiwerdenden Posten übernimmt Czeslaw Panek. Der 61-jährige, 59-malige polnische Ex-Nationalspieler, der früher u.a. für die Preussen in Berlin spielte und als Trainer u.a. italienischer Meister mit dem HC Bozen wurde, verstärkt die Akademiker ab sofort und leitete bereits die ersten Trainingseinheiten. Um nochmal zur Torhüterin Mareike Krause zu kommen: Sie ist in bester Gesellschaft von Frauen, die versuchen, im Männerbereich Fuß zu fassen. Neben ihr haben das auf nationaler Ebene auch schon Jennifer Harß, Ivonne Schröder und Viona Harrer praktiziert so wie bei FASS Berlin im Regionalligateam Susi Götz und Nina Kamenik. International fallen mir auf Anhieb Manon Rheaume ein, die es kurzzeitig bei den Tampa Bay Lightnings probiert hat, und Shannon Szabados bei den Edmonton Oilers. Allerdings ohne Erfolg. Bei den Feldspielerinnen probierte es 1998 Maren Valenti bei den Eisbären Berlin. Für mehr als ein Testspiel gegen die Kassel Huskies reichte es allerdings nicht. FASS Berlin und die gesamte Berliner Eishockeyfamilie trauert um Detlev Minter. Der Stadionsprecher der Berlin Capitals/Preussen Berlin, der in der Saison 2005/2006 auch bei FASS Berlin am dem Mikrofon stand, verstarb am 25. August.

Diverses

Ab und zu gibt es diese Zufälle, dass bei Twitter ein Tweet auftaucht und in die Timeline gespült wird. So zum Beispiel, dass die Anschutz Entertainment Group, Besitzerin der Eisbären, für ihr Franchise in Berlin einen neuen Director Business Operations sucht. Die Stelle soll wohl im kaufmännischen Bereich auf einer Ebene mit dem Sportdirektorposten von Stefan Ustorf stehen. Es ist auf alle Fälle spannend, einmal Einblick zu bekommen, welche Anforderungen bei einer solchen Position gestellt werden und was genau die Tätigkeitsbeschreibung für so einen Job ist.  So etwas bleibt den Eishockeyfans ja meist verborgen.

Da ich ja bekanntermaßen Freund der großen Airbrush-Kunst auf Torhütermasken bin, gab es für mich vergangene Woche Grund zur Freude, denn die neue Goaliemaske von Marvin Cüpper ist aus Kanada angekommen. Ein schlichtes blau-weißes Design ohne viel Schnickschnack mit drei Eisbärenlogos hat David Leroux von DIELairbrush für Cüpper gestaltet. Funfact: Bevor Leroux seine Karriere beenden musste, spielte er für die Shawinigan Cataractes in der QMJHL. Von dem Team wechselte Cüpper im Sommer in die Organisation der Eisbären. Leroux gestaltete bisher u.a. auch Masken für Timo Pielmeier aus Ingolstadt oder den slowakischen Nationaltorhüter Jaroslav Halak im Dienste der New York Islanders. Ein wenig hatte ich ja gehofft, dass Cüpper bei seiner goldenen Farbwahl von den Cataractes bleibt, denn mir persönlich hat das ganz gut gefallen.

Die Eisbären Juniors hatten letzte Woche beim Hockey is Diversity Cup hohen Besuch aus Kanada. Neben einem Auswahlteam aus Kanada schaute auch die stellvertretende kanadische Botschafterin Jennifer May im Hohenschönhausener Wellblechpalast vorbei.

Jahrelang gab es im Sommer immer wieder Spekulationen, ob der altinternationale Spieler Jiri Dopita zurück nach Berlin kommt. Nun hätten die Eisbären die Chance, ihn zurückzuholen. Nicht als Spieler, aber um eventuell den Trainerstab zu verstärken, da Dopita nicht mehr Co-Trainer beim HC Olomouc ist.

Mike Bullard ist ein Radiomoderator aus Mississauga in Kanada und Host der Sendung „Beyond the Mic with Mike Bullard“. Seinen knapp 43.000 Followern auf Twitter verkündete er am 30. August, dass nicht er auf der gehackten und veröffentlichten Liste des Seitensprung/Datingportals Ashley Madison stand, sondern sein Namensvetter, der ehemalige Eishockeyspieler Mike Bullard, der zwischen 1998 und 2000 zwei Jahre für die Eisbären in Berlin aufs Eis ging.

Der deutsche NHL-Spieler Korbinian Holzer steht für einige Tage in Hohenschönhausen mit auf dem Eis bevor er zu seinem Team, die Anaheim Ducks, reist.

In eigener Sache
Diese Saison wird #WallysHockeyCorner noch internationaler, da bereits jetzt, vor der Saison die Spielpläne der europäischen Ligen gecheckt wurden und die ein oder andere interessante Partie von mir ins Auge gefasst wurde. So geht es dieses Jahr im Oktober nach Österreich, um dort die Vienna Capitals gegen Red Bull Salzburg zu sehen. Und Ende November noch einmal für drei Spiele der Nationalliga A, um dort an drei Tagen in drei Städten drei Matches zu sehen. Angepeilt sind ZSC Lions vs. HC Lausanne, HC Ambri-Piotta vs. ZSC Lions und Kloten Flyers vs. HC Ambri Piotta.
Vielleicht lässt sich im neuen Jahr die tschechische Liga und Sparta Prag auch noch besuchen. Ich hoffe, dass Ihr Euch schon auf die Berichte freut.
Bedanken möchte ich mich hier in aller Form auch bei den stillen Mitlesern, die nicht so im Netz aktiv sind. Denn die gibt es auch, wie ich nach dem Spiel gegen die ZSC Lions bemerkte, als ich von einer Leserin angesprochen wurde, die sich für die Kolumne bedankte und weiterhin viel Erfolg wünschte. Sowas motiviert ungemein. Vielen Dank!

Falls euch die Kolumne gefallen hat, teilt sie doch bitte in euren Netzwerken wie Facebook, Twitter etc. Vielen Dank!

Ciao and Take care!

Wally #WHC

 

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