Gravierende Mängel an der Elektrik in den Unterkünften festgestellt

Tempohomes müssen geräumt werden

25.11.2016, Volkmar Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Hellersdorf. Die 260 geflüchteten Menschen, die erst seit 17. Oktober eine vorübergehende Unterkunft in den Tempohomes an der Zossener Straße gefunden hatten und froh waren, dass sie nicht mehr in den Turnhallen Marzahner Chaussee, Treskowallee und Rudolf-Leonhardt-Straße kampieren müssen, sollen wieder ausziehen. Zumindest vorübergehend, denn es wurden gravierende Baumängel an den Containern festgestellt. Wie Christian Breitkreutz, Leiter Kommunikation und Marketing bei der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), auf Anfrage mitteilte, gibt es Probleme mit der Elektrik. „Die Container in der Zossener Straße wurden – nach einer europaweiten Ausschreibung – von einem spanischen Anbieter komplett fertig angeliefert. Deshalb haben wir die Mängel anfangs nicht gesehen.“ Erst als an einem Standort in Pankow baugleiche Container aufgestellt wurden, an denen die Außenverkleidung noch nicht montiert war, habe man festgestellt, dass für die Kabelanschlüsse falsche Klemmen verwendet wurden. Außerdem, so der Pressesprecher, seien die Kabel um Ecken mit scharfen Kanten herum verlegt worden. Dies entspräche nicht den Sicherheitsanforderungen. Durch Reibung könnte die Kabelisolierung beschädigt werden.

Keine akute Gefahr

Sowohl die BIM als auch das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) Berlin erklärten ausdrücklich, dass keine akute Gefahr für Leib und Leben der Bewohner bestehe. Während es im Landesamt noch hieß, man suche nach einem Alternativ-Standort, um die Menschen schnellstmöglich dort vorrübergehend unterzubringen, sagte Christian Breitkreutz, man habe schon eine Unterkunft in der Siverstorpstraße in Pankow gefunden. „Der zuständige Dienstleister hat den Fehler bereits eingeräumt und sich bereit erklärt, die Kabel im Rahmen der Gewährleistung neu zu verlegen“, so der Pressesprecher der BIM. Das gehe am schnellsten, wenn die Einrichtung leer stehe. Er rechne mit einer Reparaturzeit von sechs bis acht Wochen.

Schon vor Bezug Mängel angezeigt

Die Tempohomes in der Zossener Straße werden vom Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk (EJF) betrieben. Laut Einrichtungsleiterin Nayer Paknia leben dort gegenwärtig 260 Menschen, darunter 31 Kinder im Alter bis 14 Jahre. Sie kommen aus Syrien, dem Irak und aus Afghanistan. „Erst am Donnerstagabend haben wir eine Willkommensparty gefeiert“, erzählte sie. Das EJF ist ein diakonisch-sozialer Träger mit mehr als 120 Einrichtungen in Berlin, Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Polen und Tschechien. In Berlin-Brandenburg betreibt das EJF gegenwärtig 15 Einrichtungen für Geflüchtete mit mehr als 2.850 Plätzen. Wie es mit den Tempohomes an der Zossener Straße jetzt weitergeht, kann Katrin Wilcken, Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim EJF, noch nicht sagen. Das hänge vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten ab. Sie berichtete, dass das EJF bereits vor dem Bezug der Wohncontainer in Hellersdorf Mängel angezeigt habe.

Bürgermeisterin fordert schnelle Lösung

Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) zeigte sich bestürzt von den Baumängeln und der dadurch notwendigen bevorstehenden Räumung. „Wir erwarten die schnellstmögliche Beseitigung der Mängel, damit der Standort so rasch es geht vollständig wieder von den jetzigen Bewohnern bezogen werden kann. Für die hoffentlich kurze Zeit des Auszugs erwarten wir, dass das Landesamt für Flüchtlinge einen Ausweichstandort anbietet, der nahe genug ist, dass die Bewohner die jetzt bereits schon begonnen Integrations- und Sprachkurse in Berlin weiter nutzen können und für die Kinder der bereits gestartete Schulbesuch in Marzahn-Hellersdorf weiter möglich ist.“ Gerade hätten sich die neuen Bewohner eingelebt und auch die Nachbarschaft zu den Hellersdorfer Anwohnerinnen und Anwohnern entwickele sich positiv, so Pohle.

 

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