Kunst in Lichtenberg: Die Lange Nacht der Bilder (5 und Schluss)

„Sturm kommt auf“

14.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Lichtenberg. Zum 10. Mal findet in Lichtenberg die „Lange Nacht der Bilder“ statt. Am Freitag, 15. September, können Besucher von 18 bis 24 Uhr an 35 verschiedenen Orten kostenlos die künstlerische Vielfalt des Bezirks erleben. Denn Lichtenberg wird in der Kunstszene immer beliebter, immer häufiger zieht der Bezirk Künstler vieler Genres an. Präsentiert wird die Lange Nacht von der Wohnungsbaugesellschaft Howoge als Hauptsponsor, LichtenbergMarzahnPlus und das Bezirks-Journal sind Medienpartner. Wir stellen in einer Serie verschiedene Kunstorte und Kreative vor.
Heute: Wagener & Wagener in der Friedhofskapelle Hohenschönhausen, Gärtnerstraße 7.

Hohenschönhausen. Die Kapelle des früheren städtischen Friedhofs an der Gärtnerstraße liegt ziemlich versteckt, obwohl sie sich nur wenige Meter entfernt von der vielbefahrenen Rhinstraße befindet. Das denkmalgeschützte Backsteingebäude auf dem Areal, auf dem seit den 1980er-Jahren niemand mehr bestattet wird, ist meist verschlossen. Um das Jahr 2010 hat Ursula Wagener bei einer Veranstaltung des Schlossvereins Hohenschönhausen die Kapelle zum ersten Mal ganz bewusst wahrgenommen. Seit 2012 gestaltet die Künstlerin, die sich der Malerei, der Grafik und der Installation widmet, zur Lichtenberger Langen Nacht der Bilder an diesem außergewöhnlichen Ort sehr besondere Ausstellungen. Die Kapelle verwandelt sich – der stille Raum mit den weißen Wänden und anmutigen Bogenfenstern erwacht zu neuem Leben.

Installation mit Malerei, Objekten und Klang

„Sturm kommt auf“, hat Ursula Wagener ihre diesjährige Exposition genannt – eine Installation mit Malerei, Objekten und Klang. An den Wänden sind beeindruckende Gemälde in Schwarzweiß zu sehen, ein Markenzeichen der Künstlerin. Sie wähle diese Nicht-Farben, weil sie die Fantasie des Betrachters ganz besonders anregten, sagt Ursula Wagener. Im Raum stehen filigrane Metallskulpturen, die sich quasi langstieligen Blumen gleich mit ihren Blüten himmelwärts recken. Lichtinstallationen – bereits in der vergangenen Woche wurden dafür Scheinwerfer angebracht – sorgen für eine besondere Stimmung. In einer Endlosschleife werden am Freitagabend Töne erklingen, die im Zusammenspiel mit den Bildern, Skulpturen und dem Licht eine Geschichte erzählen: Vogelzwitschern, ein Bach rauscht, Winde wehen, ein Sturm kommt auf… „Weit über das Land zu blicken, während ein Sturm aufzieht, ist faszinierend“, schreibt Ursula Wagener auf selbst gestalteten Einladungskarten, die sie als kleine Figur im hellerleuchteten Eingang der in der Abenddunkelheit liegenden Kapelle zeigen. „Das Rauschen des Windes vereint sich mit dem Rauschen der Bäume. Im Zusammenspiel von Malerei, Klang und Objekten wird davon etwas eingefangen. Der Raum ist verzaubert, der Alltag vergessen.“

Anregungen auch aus der alten Heimat

Die meisten Töne hat Ursula Wagener seit 2010 selbst aufgenommen, viele davon bei Ausflügen im Erzgebirge, wo sie 1950 geboren wurde. Noch heute reist sie gern mit Tochter Luise, deren Mann und den drei Enkeln in die alte Heimat nach Ehrenfriedersdorf. Dort, wo sich die bizarren Felsformationen der Greifensteine erstrecken, in denen der Legende nach Stülpner Karl, der sächsische Robin Hood, Unterschlupf fand, findet die Künstlerin viele Anregungen für ihre Arbeiten.

W & W – eine künstlerische Symbiose

Unter Wagener & Wagener (W & W) hat die Hohenschönhausenerin mehr als zwei Jahrzehnte lang gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Wagener gewirkt, den sie beim gleichzeitigen Studium an der Kunsthochschule Weißensee (1969-74) kennengelernt hatte. Seit 1979 arbeiteten beide freiberuflich, 1985 bauten sie sich an der Hohenschönhausener Hauptstraße einen alten Bauernhof als Atelier und Wohnhaus aus. 1977 wurde Tochter Luise geboren. Auch sie absolvierte die Kunsthochschule, widmet sich der Fotografie. Im Jahr 2000 starb Thomas Wagener. In diesem Jahr schuf das Künstlerpaar gerade die Raumskulptur „Großer Adler“ für den Reichstag, Ursula Wagener vollendete das gemeinsame Werk allein. Der Adler schwebt heute in einem Fraktionsraum in der Kuppel des Nord-Ost-Turms des Reichstages. Das Label Wagener & Wagener behielt Ursula Wagener bei – als Reminiszenz an eine besonders glückliche künstlerische Symbiose zweier Menschen.

„Sturm kommt auf“ – Installation mit Malerei, Objekten, Klang von Wagener & Wagener, alte Friedhofskapelle, Gärtnerstr. 7 (direkt an Tram-Haltestelle Rhinstr./Gärtnerstr., Tram 27, M17, ca. 5 Minuten von der Haltestelle Hauptstr./Rhinstraße, M5). Geöffnet 18 bis 23 Uhr, Eröffnung um 19 Uhr. Eintritt frei.

Weitere Infos:
www.wagenerwagener.de
Das Programm der Langen Nacht der Bilder hier…

 

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