Fünf Jahre nach dem BVV-Beschluss ist es nun so weit

Straße für Charlotte von Mahlsdorf

11.07.2017, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Mahlsdorf. Charlotte von Mahlsdorf (1928-2002) wird jetzt besonders geehrt: Die Initiatorin des bekannten Gründerzeitmuseums im Gutshaus Mahlsdorf wird Namensgeberin einer Straße in einem neuen Eigenheimgebiet am Hultschiner Damm. Charlotte-von-Mahlsdorf-Ring soll die kleine Privatstraße nach einem Beschluss des Bezirksamtes vom 13. Juni heißen. Das wird der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf ihrer Sitzung am Donnerstag, 13. Juli, zur Kenntnis gegeben. Laut Wirtschaftsstadtrat Johannes Martin haben der Investor und die Berliner Bezirke der Benennung zugestimmt. Die Beschilderung erfolge nach Baufertigstellung in Abstimmung mit dem Investor.

Die kleine Straße wird schräg gegenüber dem Gründerzeitmuseum im Bereich des B-Plans XXIII-9a im Baugebiet Hultschiner Damm 292 liegen. Dort sollen unter der Bezeichnung Starthomes Familienreihenhäuser der Bremer Interhome AG entstehen.

Schon vor fünf Jahren beschlossen

Bereits vor fünf Jahren, am 14. Juni 2012, hatte die BVV einen Beschluss zur Benennung einer Straße im Bezirk nach Charlotte von Mahlsdorf gefasst. Diese, mit bürgerlichem Namen Lothar Berfelde, hatte das Gutshaus Mahlsdorf am Hultschiner Damm 333 um 1958/59 vor dem geplanten Abriss gerettet und 1960 dort ihr privates Gründerzeitmuseum eröffnet. Einem großen Publikum bekannt wurde Charlotte von Mahlsdorf durch ihre Autobigrafie „Ich bin meine eigene Frau“, die 1992 durch Rosa von Praunheim verfilmt wurde. Der US-Autor Doug Wright bekam für sein Theaterstück „I Am My Own Wife“ 2004 sowohl den Pulitzer-Preis als auch den Tony Award.

Rühriger Förderverein

Nachdem Charlotte, Deutschlands bekanntester Transvestit und mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt, wegen Anfeindungen durch Neonazis 1997 nach Schweden ausgewandert war, übernahm der im selben Jahr gegründete Förderverein Gutshaus Mahlsdorf den Museumsbetrieb. Einen Teil der Sammlung des Gründerzeitmuseums hatte die Stadt Berlin im selben Jahr angekauft. 2011, neun Jahre nach dem Tod von Charlotte von Mahlsdorf, wurde dann mit Hilfe von Lottomitteln auch ein Teil der schwedischen Sammlung erworben. Der Förderverein, der im Frühjahr sein 20. Jubiläum beging, hat rund 60 Mitglieder. Er kümmert sich ehrenamtlich um das Haus und die Exponate, wartet, pflegt und präsentiert sie. Etwa 10.000 Besucher werden jährlich im Gutshaus gezählt, viele darunter aus dem Ausland.

Veranstaltung zum 90. Geburtstag?

Auf der Tagesordnung der BVV am Donnerstag steht auch ein Antrag der Linksfraktion zur Ehrung von Charlotte von Mahlsdorf. Das Bezirksamt wird danach ersucht, anlässlich ihres 90. Geburtstags am 18. März 2018 eine eigene öffentliche Veranstaltung durchzuführen, wo das Leben und Werk der Museumsgründerin und die Wertschätzung des Bezirks für ihren Nachlass dokumentiert werden. „Ihr Wirken ist weit über den Bezirk hinaus, auch international, beachtet worden“, begründen Steffen Ostehr und Olaf Ostertag. „Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf beherbergt sowohl das Gründerzeitmuseum als auch die letzte Ruhestätte der Sammlerin (Waldfriedhof Mahlsdorf, d. Red.) und trägt damit besondere Verantwortung für ihr Andenken.“

 

 

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