Neues Leben in der alten Gaswerksiedlung

Standort für Kreative

27.09.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Rummelsburg. Viele Jahre lang standen die Wohnungen in der alten Gaswerkssiedlung an der Köpenicker Chaussee leer – jetzt zieht dort wieder neues Leben ein. Die Backsteinhäuser sollen Künstlern und anderen Kreativen zur Verfügung stehen. Eigentümer Vattenfall hat den Block mit insgesamt 104 Wohnungen seit dem 1. Juli an die eigens dafür gegründete Gaswerksiedlung GmbH verpachtet, die Vermietung beginnt im Oktober.

Umbauarbeiten im Sommer gestartet

Die Umbauarbeiten in der 1925/26 für die Beschäftigten der ehemals dahinter liegenden Gaskokerei Rummelsburg errichteten Siedlung, die ein wenig wie Bauten in Norddeutschland oder auch in Großbritannien anmutet, starteten bereits im Sommer. Unter anderen wurde die Elektrik erneuert, es wurden moderne Heizungen eingebaut, die Fußböden hergerichtet. „Alle Arbeiten erfolgen unter Beachtung des Denkmalschutzes“, sagt Georg Germer (48), einer der drei Geschäftsführer der Gaswerksiedlung GmbH. Germer ist Herstellungsleiter und Regisseur beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen und wohnt mit Frau und drei Kindern in Karlshorst. Gemeinsam mit Dr. Stephan Kunze, einem Kunsthistoriker, der sich in der Berliner Kunstszene engagiert und Vermieter des Schwulen Museums ist, hat er das Projekt initiiert. Denn die Siedlung, die von Vattenfall mit Unterstützung des Bezirks durch einen Sozialplans entmietet wurde, stand jahrelang leer. Immer mal wieder wurden neue Nutzungen, unter anderem für geflüchtete Menschen, diskutiert. Doch es geschah nichts. Nach Änderung der Planungen im Jahr 2015 liegt die Gaswerkssiedlung im Gewerbegebiet – Wohnen ist damit dort rechtlich nicht mehr möglich.

Gewohnt werden darf dort nicht mehr

Weil in Berlin immer mehr Künstler aus ihren bisherigen Refugien verdrängt werden wie zum Beispiel aus dem nahegelegenen Funkhaus in der Nalepastraße, aber auch aus der Berliner Innenstadt, kamen Germer und Kunze auf den Gedanken, die Backsteinbauten an der Köpenicker Chaussee so herzurichten, dass sie als Studios und Ateliers, aber auch als Büros und Werkstätten genutzt werden können. Nur gewohnt werden darf dort eben nicht mehr. Lediglich die sieben verbliebenen Alt-Mieter dürfen das noch tun.

Zunächst bis 2023 gepachtet

Zunächst bis 2023 haben die Investoren die Gaswerksiedlung vom schwedischen Staatskonzern Vattenfall gepachtet. Ob die Zwischennutzung danach verlängert wird oder die Investoren wie gewünscht die 17 Häuser kaufen können, hängt vor allem davon ab, ob Vattenfall wie noch vor einigen Jahren geplant, auf dem früheren Kokereigelände ein modernes Gas-und-Dampfturbinen Heizkraftwerk errichtet. Fraglich ist aber, ob das Energieunternehmen das Projekt noch umsetzt. Denn bereits im Mai dieses Jahres hatte der Konzern im nahegelegenen Heizkraftwerk Klingenberg die Braunkohle-Verfeuerung zur Energiegewinnung beendet, rund 100 Millionen Euro wurden auf die Umrüstung zur gasbasierten Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) investiert. Der im April 2017 begonnene Bau einer modernen KWK-Anlage im Heizkraftwerk Marzahn an der Rhinstraße kostet Vattenfall ca. 325 Millionen Euro. Künftig will das Unternehmen mehr auf erneuerbare statt auf konventionelle Energien setzten.

Mieten um 7,50 Euro

Die Kalkulation der Gaswerksiedlung-GmbH geht bis 2023 von einer „schwarzen Null“ aus. „Wenn wir Glück haben“, sagt Germer. Die Investitionen sollen durch die Mieten hereinkommen, die sich um ca. 7,50 Euro nettokalt belaufen werden. „Darunter kriegen wir es nicht hin.“ Denn die Anforderungen allein für den Brandschutz und auch für den denkmalgerechten Umbau sind hoch – ihre Umsetzung nicht gerade billig.

Website ist online

Seit Anfang September ist die Website der Gaswerksiedlung GmbH mit den Angeboten online. „Wir haben noch gar nicht viel Werbung gemacht, aber schon einige Anfragen“, berichtet Germer. Er hat übrigens selbst Erfahrungen mit der Nachnutzung von Kraftwerks-Wohngebäuden: Vor einigen Jahren hat der gebürtige Zehlendorfer, der seit 1990 im Ostteil Berlins wohnt, eine alte Villa am Karlshorster Traberweg von Vattenfall erworben. Dort wohnt er jetzt mit seiner Familie und anderen Mietern, hauptsächlich Kreativen.

Weitere Infos:
http://www.gaswerksiedlung.berlin

 

 

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