Vandalismus im Stadtpark Lichtenberg/Polizei ermittelt

Skulpturen zerstört

11.01.2018, Birgitt Eltzel

Fotos: Natur und Kunst GmbH (1-2), Bezirksamt Lichtenberg (3-4)

Lichtenberg. War es eine politische Tat? Wie das Bezirksamt Lichtenberg mitteilte, wurde im Rathauspark eine Skulptur des Ensembles „Erben der Spartakuskämpfer“ zerstört. Der Vandalismus wurde am 8. Januar festgestellt. Die Skulpturen, die sich seit 1989 in der Grünanlage an der Möllendorffstraße befinden, wurden von der in Berlin lebenden Bildhauerin Emerita Pansowowá geschaffen. Das Ensemble umfasst zwei Einzelfiguren und ein Relief. Beschädigt wurde die 205 Zentimeter große weibliche Figur, die von ihrem Sockel geschlagen wurde.

„Lichtenberger Blutmauer“ beschmiert

Gleich gegenüber ist der Standort der „Lichtenberger Blutmauer“. Diese wurde mit Graffiti beschmiert. Die 1978 entstandene Gedenkstätte von Hans Füssel erinnert an die Märzkämpfe im Jahre 1919. Damals kämpften Linke für eine sozialistische Republik. Während eines Generalstreiks wurden vom 12. auf den 13. März 1919 elf Aufständische von einem provisorischen Standgericht in einem Arbeiterlokal zur Mauer des alten Lichtenberger Gemeindefriedhofs an der Möllendorffstraße geführt und standrechtlich erschossen. Die Blutmauer führt die Namen der Opfer auf. Den Berliner Märzkämpfen fielen amtlichen Unterlagen zufolge mehr als 1.200 Menschen zum Opfer. 2009 fand die letzte Renovierung des Denkmals anlässlich des 90. Jahrestages statt. Der Rathauspark befindet sich an der Stelle des alten Gemeindefriedhofs. 1923 wurde er geschlossen und zu einem Park umgewandelt.

Polizei ermittelt

Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und der zuständige Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU) zeigten sich bestürzt über die Tat. „Das Bezirksamt hat die notwendigen Schritte eingeleitet, um die Schäden zu beheben. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen“, sagte der Bezirksbürgermeister. Nünthel ergänzte, dass sachdienstliche Hinweise an das Bezirksamt oder bei jeder Polizeidienststelle eingereicht werden können. „Die zerstörte Skulptur wurde umgehend durch eine Fachfirma sichergestellt und wird gegenwärtig wieder instand gesetzt. Der dafür erforderliche Kostenaufwand liegt bei etwa 800 Euro“, informierte der Stadtrat.

Im Vorfeld der LL-Ehrung

Vandalismus in Berliner Parks ist leider nichts Neues. Immer wieder werden Skulpturen besprüht, beschädigt – oder, wenn sie aus Metall sind, gern auch gestohlen. So wurde 2014 im Oberseepark von Hohenschönhausen eine Frauen-Plastik von Metalldieben entwendet. Sie wurde ein knappes Jahr später durch die Steinstatue der „Elegie“ vom Förderverein für Obersee und Orankesee, der Spendengelder für ein neues Kunstwerk sammelte, ersetzt. In Lichtenberg wird aber am kommenden Sonntag, 14. Januar, auch der am 15. Januar ermordeten Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, mit der traditionellen LL-Großdemonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gedacht. In diesem Zusammenhang fällt es schwer, bei den im Rathauspark geschändeten Kunstwerken an bloßen Vandalismus zu glauben.

 

 

 

 

 

 

 

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