Informationsveranstaltung zur IGA 2017

Seilbahn-Pläne diskutiert

14.03.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Frank Leiste

Marzahn. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Arndt-Bause-Saal des Freizeitforums Marzahn (FFM) am Donnerstagabend, 13. März. Etwa 300 Menschen waren zur Informationsveranstaltung der IGA 2017 gekommen. Dort stellte die aus Südtirol stammende Leitner AG die Pläne für eine Seilbahn vor, die zur internationalen Gartenausstellung eröffnet werden soll.

2,30 Euro je Person
Die Bahn mit sieben Stützen, davon keine im Wuhletal, soll über eine 1.500 Meter lange Strecke vom sogenannten Auftakt Hellersdorf am U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße über den Kienberg (Haltepunkt) bis zum Haupteingang am Blumberger Damm in Marzahn führen. 65 Kabinen, die je zehn Menschen Platz bieten, werden im Umlauf sein, pro Stunde und Richtung können so bis zu 3.000 Menschen in 20-25 Meter Höhe über das Wuhletal schweben. Eine Fahrt dauert fünf Minuten. 14 Millionen Euro kostet das privat finanzierte Projekt, Steuermittel fließen dafür nicht. Die Kosten von 2,30 Euro je Person für die Seilbahnbenutzung sollen ins IGA-Ticket eingehen. Wie teuer der Eintritt für die 170 Tage dauernde Schau sein wird, steht allerdings erst im nächsten Jahr fest, die Preiskalkulation ist noch nicht abgeschlossen.

Der geplante Streckenverlauf der Seilbahn.

Karte: IGA Berlin
Ein Demo-Objekt für den Investor
Die 1888 gegründete Leitner AG hat unter anderem in Hannover Seilbahnen gebaut, in Barcelona und in Hongkong. Doch das Marzahner Vorhaben wird von etlichen Einwohnern skeptisch betrachtet. So hatte sich vor Beginn der Veranstaltung der BIMH e.V, ein kleiner Verein, der im Zuge der Auseinandersetzung um das Hellersdorfer Asylbewerberheim im vergangenen Jahr entstand, mit Protestplakaten vor dem Freizeitforum aufgebaut. Ein Vertreter des Vereins stellte die interessantesten Fragen bei der zweistündigen Veranstaltung: Wie kann sich der ausgehandelte Fahrpreis für den Investor überhaupt rechnen? Selbst mit mehr als 2 Millionen IGA-Besuchern und weiteren Fahrgästen in einem  nachfolgenden Zeitraum von drei Jahren (diese Option gibt es) seien mit dem vereinbarten Eintrittskarten-Anteil die 14 Millionen Euro für die Seilbahn nicht zu refinanzieren.

 

Das bestätigte Investorenvertreter Michael Tanzler. Gleichzeitig verwies er darauf, dass die Seilbahn nach den drei Jahren, möglicherweise auch schon früher, abgebaut und anderswo wieder aufgebaut werden wird: “Sie hat dann noch einen beträchtlichen Restwert.” Er sagte auch, dass die Leitner AG in der Marzahner Gondelbahn ein “Demoobjekt für den urbanen Raum” sehe. Sie diene der Förderung der Verkaufsstrategie des Unternehmens, “und das sollte es uns wert sein”. Die zweite Frage des Vereins galt einer Sommerrodelbahn. IGA-Chef Christoph Schmidt informierte, dass tatsächlich geprüft wird, ob solch eine Einrichtung realisiert werden kann – auf einer Fläche, wo jetzt schon im Winter gerodelt wird.

Freundliche Stimmung im Saal
Insgesamt war die Stimmung im Saal ausgesprochen freundlich. Vielleicht, weil viele (sehr disziplinierte) ältere Leute gekommen waren, darunter auch etliche, die ähnliche Gondelbahnen schon bei Urlaubsreisen kennengelernt hatten. Einige Zuhörer verbargen ihre Begeisterung nicht. “Jetzt bekommt der Bezirk endlich mal etwas, worauf er wirklich stolz sein kann”, sagte ein Mann aus Hellersdorf unter Beifall.

Doch ehe es an den für Anfang 2016 avisierten Bau gehen kann, muss erst noch ein ziemlich kompliziertes Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden. Dort können Kritiker Beschwerden und Bedenken einbringen. Auch die sogenannten Träger öffentlicher Belange wie beispielsweise die Feuerwehr, die ein Dienstgebäude nahe dem geplanten IGA-Eingang in Hellersdorf hat, werden gehört. Es müssen etliche Detailfragen gelöst werden, die schon am Donnerstag anklangen: Wie werden die Eigenheimbesitzer am Rande der Trasse vor neugierigen Blicken aus den Gondeln geschützt? Wie wird die An- und Abfahrt der Ausstellungsgäste konkret geregelt? Wie vermeidet man lange Schlangen, beispielsweise am Haltepunkt Kienberg?

Weitere Veranstaltungen mit Anrainern
Bis 2017 gibt es also noch viel zu klären. Die IGA-Gesellschaft, die noch in diesem Jahr vom alten Flughafengebäude in Tempelhof in die frühere Markthalle am Blumberger Damm zieht, wird deshalb weiter zu öffentlichen Veranstaltungen einladen. Zunächst finden Gespräche mit direkten Anrainern statt:

1. April / 18 Uhr Anlieger südlich des Geländes: Vereinsraum der Siedlergemeinschaft Biesdorf- Nord (Gaststätte “Zur Oase”), Burghardweg 44
28. April / 18 Uhr (westlich und nördlich des Geländes): Kursana Domizil Berlin,
Hirschfelder Weg 14
29. April / 18 Uhr (östlich des Geländes); Stadtteilzentrum Kompass,
Kummerower Ring 42

Zum aktuellen Planungsstand der IGA wird es am 4. Juni um 18 Uhr erneut im FFM, Marzahner Promenade 55, eine Informationsveranstaltung geben.

 

 

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